Gesundheitspolitik

Nein zu höherem Fixum, aber ...

Diskussionsrunde auf dem Wirtschaftsforum

BERLIN (diz) | Mit einer Erhöhung des Fixhonorars werden die Apotheken in nächster Zeit nicht rechnen können. Das machte Michael Hennrich, Gesundheitspolitiker der CDU, auf dem Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands deutlich. Eine Erhöhung in der laufenden Legislaturperiode halte er für unwahrscheinlich. Allenfalls eine Überprüfung des Betrages für den Nacht- und Notdienstfonds komme in Betracht.

Verbandschef Fritz Becker hob hervor, dass die Apotheker seit Jahren von der Honorarentwicklung abgekoppelt waren. Durch die letztjährige Honorarerhöhung sei lediglich eine Anpassung an gestiegene Kosten erfolgt. Er machte den Gesundheitspolitiker auch auf den immensen Beratungsaufwand bei Rabattverträgen aufmerksam und auf die Inkassoleistungen, die die Apotheken ohne Vergütung für die Kassen leisteten. Hennrich wollte jedoch keine Zusage für eine Erhöhung geben, jedenfalls nicht für diese Legislaturperiode. Aber, so Becker, die Apotheker bräuchten zumindest eine Öffnungsklausel im Paragrafen 78 SGB V, dass das Apothekenhonorar alle zwei Jahre überprüft werde.

Man müsse außerdem darüber sprechen, dass die Apotheker einen Nachholbedarf bei der Vergütung der Rezepturpreise und den Dokumentationspflichten für bestimmte Arzneimittel wie BtM hätten. Zudem sei absehbar, dass die von der Politik zugesagten 120 Millionen Euro für den Notdienstfonds mit der 16-Cent Erhöhung nicht aufgebracht werden könnten. Hier signalisierte Hennrich allerdings Gesprächsbereitschaft: „Wir werden eine Anpassung prüfen.“

Auch die Grünen-Politikerin Kordula Schulz-Asche, gab einer Honorarerhöhung derzeit wenig Chancen. Man sollte stattdessen lieber über Strukturveränderungen nachdenken, beispielsweise wie die Versorgung auf dem Land verbessert werden könne.

Gegen eine Honorarerhöhung für Apotheker sprach sich auch Karl-Josef Laumann, der Beauftragte für Patientenrechte der Bundesregierung, in seinem Vortrag auf dem Wirtschaftsforum aus. In Deutschland gebe es andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen, die dringender eine Gehaltserhöhung nötig hätten als die Apotheker. Laumann wörtlich: „Die Pflegekräfte müssen einen deutlich größeren Teil des Kuchens abbekommen.“ In Deutschland gebe es Regionen, so der CDU-Politiker und frühere Gesundheitsminister des Landes Nordrhein-Westfalen, in denen Pflegekräfte erschütternd wenig verdienten. Mit weniger als 2000 Euro würden Pflegekräfte zu schlecht bezahlt, so Laumann. Fraglich sei, ob man für diese Arbeit überhaupt noch Menschen gewinnen könne. Da auch im Gesundheitssystem die Ressourcen nicht unbegrenzt ausweitbar seien, müssten die Leistungserbringer über den Tellerrand blicken und einsehen, wo die wirklich ernsten Probleme des Systems lägen. Laumann: „Die Forderungen aus dem Pflegebereich nehme ich sehr ernst.“ 

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