Gesundheitspolitik

Laut und deutlich!

Kommentar von Benjamin Wessinger

Die Sicherstellung der Arzneimittelversorgung ist der gesetzliche Auftrag der Apotheker. Wenn dieser Auftrag nicht erfüllt werden kann, weil bestimmte Arzneimittel nicht lieferbar sind, dann muss die Apothekerschaft darauf in aller Deutlichkeit hinweisen.

Das findet wohl auch der stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbands Hans-Rudolf Diefenbach. Seit Wochen sammelt er Defektlisten aus hunderten von Apotheken, wertet sie aus, erstellt „Hitlisten“ der nicht verfügbaren Präparate und sorgt für Aufmerksamkeit – in den Medien und bei der Politik.

Aber kann es eigentlich wahr sein, dass ein stellvertretender Landesvorsitzender sich als Einziger wahrnehmbar um dieses Thema kümmert? Warum muss Diefenbach im Bundesgesundheitsministerium vorsprechen (siehe S. 8)? Haben wir nicht eine Bundesvertretung mit Sitz in Berlin? Wer kümmert sich dort um dieses Thema?

Der Vorwurf, der Leitbild-Prozess absorbiere zu viele Kräfte, ist in der letzten Zeit immer wieder zu hören – und durchaus nicht nur von sogenannten Protestapothekern. Sich Gedanken über die zukünftige Rolle des Apothekers zu machen, ist wichtig und richtig – aber die drängenden aktuellen Probleme dürfen dabei nicht unter den Tisch fallen.

Eine Organisation wie die ABDA hat die personellen, finanziellen und organisatorischen Kapazitäten, sich neben den Fragen der Zukunft auch um die Probleme der Gegenwart zu kümmern. Dazu gehört, sich laut und deutlich zu Wort zu melden, wenn der Versorgungsauftrag durch Lieferengpässe gefährdet ist.

Dr. Benjamin Wessinger

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