Gesundheitspolitik

Engpässe gelistet

Diefenbach: „Ignoranz schafft keine Abhilfe“

BERLIN (ks) | Der stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbands (HAV), Hans Rudolf Diefenbach, sieht die derzeitige Liefer- und Versorgungssituation bei einigen Arzneimitteln weitaus kritischer als das Bundesgesundheitsministerium. Den ganzen Februar über sammelte er Defektlisten von Kollegen. Ihre Auswertung zeige „ein anderes Bild als es sich die Politik wünscht“, so Diefenbach.

Die Listen betreffen den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 28. Februar 2014. 341 hessische und 89 in anderen Bundesländern ansässige Apotheken meldeten Diefenbach Engpässe, die länger als zwei Wochen andauerten. Im Schnitt waren es 42 Defekte pro Apotheke. Die Bandbreite der Ausfälle reiche quer durch jedes Pharmakologiebuch, betont Diefenbach. Es seien nicht nur die vielzitierten Schilddrüsenhormone, sondern auch eine Reihe von Antibiotika, nichtopioide Analgetika oder Antidiabetika, die fehlen. Und damit sind noch lange nicht alle genannt. Teilweise seien die Arzneimittel monatelang nicht lieferbar gewesen.

Die Schuldfrage will Diefenbach mit seiner Umfrage gar nicht klären. Die Interpretationsmöglichkeiten sind zu groß. In der Vergangenheit nannte er meist die Rabattverträge als einen Hauptgrund. Die pharmazeutische Unternehmen verweisen dagegen häufiger auf die Großhändler und ihre möglicherweise unzureichende Vorratshaltung. Einige Grossisten erklärten jedoch ihrerseits, dass die Hersteller ihnen gegenüber eine rüde Preispolitik verfolgten und schlechte Konditionen böten. Was auch immer die genauen Gründe seien: Fakt sei, dass Tausende Patienten nicht oder nicht ordnungsgemäß versorgt werden könnten. Das sei nicht tragbar, so Diefenbach. Er habe kein Verständnis, dass sich die ABDA bislang kaum zu dem Thema äußere. Der HAV werde daher Vorschläge machen, wie seine gesammelten Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt und bewusst gemacht werden können. 

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