Prisma

Todeskuss für Proteine

(cae). Am 19. März verleiht die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Berlin die Leibniz-Preise 2013. Zu den elf Preisträgern zählen die Allergologin Prof. Dr. Erika von Mutius (siehe S. 44) und der in Frankfurt wirkende kroatische Zellbiologe Prof. Dr. Ivan Dikic, der das Signalmolekül Ubiquitin erforscht.

Ubiquitin – der Name verrät es – befindet sich in jeder Zelle, und zwar nicht nur bei Säugetieren, sondern z. B. auch in der Hefezelle. Wenn es an ein Protein bindet, gibt es ihm den "Todeskuss", denn das Protein trägt nun das Signal: Ich werde nicht mehr gebraucht, baut mich ab. Das Protein wird in das Proteasom, den "Schredder" der Zelle, befördert und dort in kurze Ketten oder einzelne Aminosäuren zerlegt, die dann für die Synthese neuer Proteine zur Verfügung stehen.

Dikic hat einen neuartigen Ubiquitinrezeptor namens RPn13 entdeckt und beim Studium von dessen Funktionsweise u. a. neue Erkenntnisse über die DNA-Reparatur und das angeborene Immunsystem gewonnen. So klärte Dikic den Abwehrmechanismus der Zellen gegen den Durchfall-Erreger Salmonella enterica auf und fand einen neuen Typus von Ubiquitin-Ketten, der an bestimmten Signalwegen der Immunantwort beteiligt ist. Störungen dieser Signalwege aufgrund von Mutationen können zu Immundefekten oder chronischen Entzündungen führen.

Der Leibniz-Preis ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert. Den Großteil des Preisgeldes will Dikic in die Erforschung der Autophagie, einen außerhalb des Proteasoms ablaufenden "Verschrottungsprozess" für Biomoleküle, investieren.


Quelle: UniReport Goethe-Universität Frankfurt am Main vom 08.02.2013.



DAZ 2013, Nr. 9, S. 6

Das könnte Sie auch interessieren

Die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen – geht das in der Zelle?

Gezielte Müllbeseitigung

Der zelluläre Sauerstoffsensor

Dafür gibt es den Medizin-Nobelpreis

Neue Therapien – innovativ und teuer

„Endlich ein wirklicher Durchbruch!“

Meldung über Wundermittel aus der Muttermilch spielt mit der Hoffnung verzweifelter Patienten

Mit HAMLET gegen Krebs

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.