Arzneimittel und Therapie

TNF-Antagonist könnte Option bei Therapieresistenz und erhöhten Entzündungswerten sein

Eine erhöhte Plasmakonzentration an proinflammatorischen Biomarkern wird mit einer Therapieresistenz gegenüber konventionellen Antidepressiva in Verbindung gebracht [1]. In einer klinischen Studie wurde nun untersucht, ob der spezifische TNF-Antagonist Infliximab eine neue immunologische Option zur Behandlung einer therapieresistenten Depression sein könnte. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Entzündungsmarkern und antidepressiver Wirkung.

Etwa ein Drittel der an Depression leidenden Patienten zeigt eine Resistenz gegenüber einer konventionellen Antidepressivatherapie [2]. Es wurde bei depressiven Patienten eine erhöhte Konzentration an inflammatorischen Biomarkern (proinflammatorische Zytokine, akute Phase Proteine) gefunden. Dieser Befund wurde mit einer verringerten Ansprechrate auf Antidepressiva in Verbindung gebracht [3 – 5]. Weitere Daten weisen zudem darauf hin, dass proinflammatorische Zytokine den Wirkmechanismus von konventionellen Antidepressiva negativ beeinflussen oder gar die Wirkung verhindern können [3].

Im Rahmen einer doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie sind Forscher der Emory University (Atlanta, Georgia) der Frage nachgegangen, ob die Hemmung des pro-inflammatorischen Zytokins Tumornekrosefaktor (TNF) durch dessen spezifischen Antagonisten Infliximab die Symptomatik bei therapieresistenten Depressionen verbessern kann. Zudem wurde ermittelt, inwieweit eine erhöhte Ausgangskonzentration an proinflammatorischen Zytokinen, wie das hochsensitive C-reaktive Protein (hs-CRP) bzw. TNF und dessen löslicher Rezeptor, ein Therapieansprechen voraussagen können.

Hierfür wurden 60 Patienten mit mäßig schwerer Depression und moderater Therapieresistenz randomisiert. 37 Patienten erhielten eine konventionelle antidepressive Therapie, wobei das Behandlungsregime beibehalten wurde. Während der zwölfwöchigen Studie wurde Infliximab (5 mg/kg) bzw. Placebo zu Studienbeginn, in der zweiten und sechsten Woche i. v. verabreicht.

Die Verbesserung der depressiven Symptomatik wurde anhand der HAM-D (Hamilton Scale for Depression) gemessen.

Infliximab-Erfolg

Sowohl unter Placebo als auch unter Infliximab konnte eine Verminderung der depressiven Symptome nachgewiesen werden. Jedoch zeigte die Änderung in der HAM-D-Punktzahl keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen.

bei erhöhten CRP-Werten

Führte man hingegen eine Subgruppenanalyse unter den Patienten mit erhöhter hs-CRPAusgangskonzentration (größer 5 mg/l) durch, konnte durchaus eine erhöhte Ansprechrate im Vergleich zu Placebo ermittelt werden (62% vs. 33%). Innerhalb der mit Infliximab behandelten Gruppe war die Ausgangskonzentration von TNF und dessen löslichen Rezeptor bei Patienten, die erfolgreich auf die Therapie ansprachen, signifikant erhöht. Darüber hinaus zeigten diese Patienten im Vergleich zur Placebogruppe eine signifikante Verminderung der hs-CRP-Konzentration vom Studienbeginn bis zur zwölften Woche.

Begrenzte Aussagekraft

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen demnach nur in einer Subgruppenanalyse eine Verbesserung der depressiven Symptomatik durch eine Behandlung mit Infliximab im Vergleich zu Placebo. Die Ergebnisse in den Subgruppen sollten jedoch kritisch betrachtet werden, da diese Studie nicht für eine Subgruppenanalyse ausgelegt war.


Quelle

[1] Raison CL, Rutherford RE, Woolwine BJ, et al. A randomized controlled trial of the tumor necrosis factor antagonist Infliximab for treatment-resistant depression: the role of baseline inflammatory biomarkers. JAMA Psychiatry 2013; 70(1): 31 – 41.

[2] Rush AJ, Trivedi MH, Wisniewski SR, et al. Acute and longer-term outcomes in depressed outpatients requiring one or several treatment steps: a STAR*D report. Am J Psychiatry. 2006; 163(11): 1905 – 1917.

[3] Miller AH, Maletic V, Raison CL. Inflammation and its discontents: the role of cytokines in the pathophysiology of major depression. Biol Psychiatry. 2009; 65(9): 732 – 741.

[4] Lanquillon S, Krieg JC, Bening-Abu-Shach U, et al. Cytokine production and treatment response in major depressive disorder. Neuropsychopharmacol 2000; 22(4): 370 – 379.

[5] Papakostas GI, Shelton RC, Kinrys G, et al. Assessment of amulti-assay, serum-based biological diagnostic test for major depressive disorder: a Pilot and Replication Study [published ahead of print December 13, 2011]. Mol Psychiatry. doi:10.1038/mp.2011.166.


Apothekerin My Hanh Nguyen



DAZ 2013, Nr. 8, S. 46

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