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"Keine Katerstimmung!"

DAVOS (du). "In der Jägerstraße gibt es keine Katerstimmung!" Mit dieser Botschaft eröffnete der neue BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer am 3. Februar 2013 den diesjährigen Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer (BAK) in Davos – den "Pharmacon Davos". Er zeigte sich optimistisch, dass es der Apothekerschaft gelingen wird, die Rolle des Beratungsapothekers weiter auszubauen und der Gesellschaft klarzumachen, dass der Apotheker als Teil des therapeutischen Teams mit dem Arzt unverzichtbar für die Versorgung der Patienten ist. Schaffen will er dies mit einer neuen Vernetzung des gesamten Berufsstandes.
Zum 43. Mal findet in diesem Jahr der Pharmacon Davos statt. Das Wetter war anfangs eher trüb – eine entsprechende Stimmung im Saal wollte BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer jedoch nicht aufkommen lassen. Er setzt auf Optimismus.
Fotos: DAZ/du

Auch wenn beim Pharmacon Davos die wissenschaftliche Fortbildung im Vordergrund steht, beschäftigen politische Fragestellungen wie die Planbarkeit der Einkommen – Stichwort Kassenabschlag – die gesamte Apothekerschaft, so Kiefer. Trotzdem stellte er die Frage, ob die Zeit für Apotheker wirklich eine schlechte ist. Und er stellte fest, dass es egal ist, ob sie gut oder schlecht ist. "Wir haben keine andere!" Also müsse man sich den Problemen zuwenden und diese lösen.

Die Frage nach dem Leitbild

Um hier weiterzukommen, müsse die Frage beantwortet werden, welchem Leitbild gefolgt werden soll. Dieses Leitbild könne letztlich nur auf dem Auftrag fußen, der in §1 der Bundesapothekerordnung klar umschrieben sei und der laute: "Der Apotheker ist berufen, die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimitteln zu versorgen. Er dient damit der Gesundheit des einzelnen Menschen und des ganzen Volkes." Dieser Versorgungsauftrag müsse neu definiert werden, geleitet von der zentralen Frage: bekommt der Patient das richtige Arzneimittel, in der richtigen Dosierung und zur richtigen Zeit? Dazu merkte er an, dass der Versorgungsauftrag im Prinzip so schon immer gegolten habe und stellte fest, dass die Apothekerschaft gar nicht so schlecht dastehe. Man habe den Umbruch von dem handwerklichen, die Arzneien bereitenden Apotheker über den Händler Apotheker hin zu dem Beratungsapotheker geschafft. Diese dynamische Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten stimmt Kiefer optimistisch. Er ist davon überzeugt, auf die heutigen Fragestellungen die richtigen Antworten zu finden.

Apotheker verbessern Lebensqualität

Die Verankerung des Medikationsmanagements in der Apothekenbetriebsordnung ist für Kiefer eine richtige Vorgabe für die Weiterentwicklung des Berufsstandes. Wie damit umzugehen ist, das müsse erarbeitet werden. Für die Patienten sei eine Zusammenarbeit von Apothekern mit Ärzten im therapeutischen Team immer mit einem Gewinn an Lebensqualität verbunden. Die Gesellschaft wäre sehr schlecht beraten, auf die Kompetenz der Apothekerinnen und Apotheker zu verzichten.

Die Frage der Honorierung

Für Kiefer ist auch klar, dass vor dem Hintergrund der veränderten Anforderungen die Honorierungsmodalitäten weiter entwickelt werden müssen. Der geänderte Fixzuschlag und die Sicherstellungspauschale könnten die derzeitige Schieflage in der Finanzierung der Apotheken nicht beseitigen. Zudem sei immer noch nicht geklärt, wie die versprochene Sicherstellungspauschale (Nacht- und Notdienstpauschale) umgesetzt werden soll. Auch ein Brief von Bahr an alle Apotheker gibt hier keine Antwort. Kiefer erwartet, dass Bahr in den nächsten Tagen bekannt geben wird, wie die Regierungskoalition ihre Zusage einhalten wird und dass auch der Termin der Umsetzung, der 1. Januar 2013, bestehen bleibt. Die Kammern hätten ihre Hausaufgaben gemacht: "Wir stehen bereit!"


Dr. Andreas Kiefer: "Wir müssen uns den Problemen zuwenden und sie lösen."

Die Frage der Glaubwürdigkeit

Ein zentrales Element für die apothekerliche Tätigkeit ist laut Kiefer die Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit. Gesetzliche Vorschriften dürften den Apotheker nicht zu einem Handeln zwingen, das für den Patienten schädlich sei. Das Handeln des Apothekers dürfe zudem nicht die Glaubwürdigkeit des Apothekers untergraben. Beispielhaft verwies Kiefer auf Rabattschlachten und Happy Hours.

Die Frage der Glaubwürdigkeit nahm Kiefer auch zum Anlass, auf die Datenklauaffäre im Bundesgesundheitsministerium und den Verdacht gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der ABDA (Anmerkung der Redaktion: Pressesprecher der ABDA) einzugehen. Nach eingehender Prüfung habe man in der Bundesapothekerkammer keinen Hinweis darauf gefunden, dass Gelder der Kammermitglieder in irgendeiner Weise missbraucht worden seien. Ein externes Wirtschaftsprüfungsunternehmen sei jedoch mit einer internen Prüfung beauftragt. Für Kiefer ist entscheidend, was man daraus lernt. Dazu habe man einen externen Compliance-Beauftragten engagiert, mit dem man die Maßstäbe des Handelns der Berufsorganisationen weiterentwickeln wolle. Kiefer ist davon überzeugt, dass dadurch die ABDA als Organisation gestärkt werde.

Die Vision der Vernetzung

Die Weiterentwicklung des Berufsstandes will Kiefer durch Vernetzung vorantreiben. Dazu möchte er zusammen mit allen Apothekerinnen und Apothekern aus allen Tätigkeitsfeldern noch mehr als bisher gemeinsam daran arbeiten, dass sie sich als Mitglieder des therapeutischen Teams fühlen. Netzstrukturen sollen aufgebaut werden, in denen die Landesapothekerkammern mit der Bundesapothekerkammer so verknüpft werden, dass ein tragfähiges Netz für alle Kolleginnen und Kollegen entsteht. Die Landesapothekerkammern und die Bundesapothekerkammern sieht er dabei als tragende Fäden, jedes einzelne Mitglied als Teil dieser Fäden, "als Proteine", die dem Netz Festigkeit geben. Als zweiten Aspekt seiner Vernetzungsvisionen nannte Kiefer die Vernetzung nach innen. Hier hat Kiefer den Versorgungsbegriff vor Augen und die Vision, dass alle Apothekerinnen und Apotheker in allen Tätigkeitsfeldern Teil der gesamten Versorgungskette sind und Verantwortung tragen: von der Wirkstoffsynthese, über Fertigungsprozesse, Zulassungsprozesse, Dispensation bis hin zur korrekten Taxation. So fordert er von dem Apotheker in der pharmazeutischen Industrie, alle Ergebnisse der Prüfungen zu veröffentlichen, auch wenn sie negativ sind, von dem Apotheker bei der Krankenkasse, dass er nicht das billigste Produkt zum Maßstab seines Handelns macht. Von Hochschullehrern erwartet er, dass sie nicht nur die Förderung des besten wissenschaftlichen Nachwuchses im Auge haben, sondern sich auf ihren primären Ausbildungsauftrag konzentrieren, so dass Apothekerinnen und Apotheker ihren Versorgungsauftrag erfüllen können. Neben dem Aufbau der Netzstruktur und der Vernetzung nach innen müsse eine Vernetzung nach außen erfolgen. "Wir müssen unsere Ideen und Interpretationen des Versorgungsauftrags in die gesellschaftliche Diskussion tragen!" Jeder habe ein eigenes Bild vom Versorgungsauftrag, die Seniorenbeiräte, die Verbraucherschützer, die Gewerkschaften, die Gebietskörperschaften usw. All dies müsse berücksichtigt und diskutiert werden. Vernetzung von innen und außen, das bedeutet für Kiefer aktive und ehrliche Kommunikation. Dafür wirbt er und hofft auf Unterstützung.



DAZ 2013, Nr. 6, S. 14

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