Fachmedien

Mikroorganismen – Risiko und Nutzen

Andreas Bechthold, Pharmazeutische
Mikrobiologie kompakt
,
XIV, 271 Seiten, 66 farbige Abbildungen, 50 farbige Tabellen, 29,80 Euro, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft,
Stuttgart 2012,
ISBN 978-3-8047-2862-2

Mikroorganismen sind allgegenwärtig. Ihre Vielfalt ist beeindruckend und es gibt kaum einen Lebensraum, den sie nicht besiedelt haben. Sie begegnen uns auf der einen Seite als Krankheitserreger, die eine Reihe von tödlichen Infektionen auslösen können. Man denke nur an Aids, Tuberkulose und Influenza. Auf der anderen Seite spielen sie eine unverzichtbare Rolle im Kreislauf der Stoffe, wie am Abbau von Polymeren zu erkennen ist. Seit jeher macht sich der Mensch die Fähigkeiten der Mikroorganismen zunutze, z. B. bei der Weinherstellung und der Käsereifung. Ihr riesiges metabolisches Potenzial ist aus der modernen Biotechnologie nicht mehr weg zu denken. Mit Hilfe von Mikroorganismen werden Arznei- und Impfstoffe sowie Feinchemikalien und Lebensmittelzusatzstoffe produziert. Das Wissen um die Mikroorganismen explodiert und die Informationsfülle ist kaum noch überschaubar. Das stellt Studierende wie Lehrende vor eine große Herausforderung. Das Lehrbuch "Pharmazeutische Mikrobiologie kompakt" vermittelt – der Name weist schon darauf hin – eine prägnante Zusammenstellung der biologischen Grundlagen und pharmazeutisch-medizinischen Aspekte.

Das Buch beginnt mit einer Einführung in die Grundlagen der Molekularbiologie, wobei auch auf eine Reihe wichtiger molekularbiologischer Arbeitsmethoden eingegangen wird. Mikroorganismen haben schließlich in beachtli-chem Umfang zur Aufklärung molekularer Prozesse beigetragen. Im zweiten Kapitel werden zunächst allgemeine biochemische Grundlagen vermittelt, um dann speziell auf den Sekundärstoffwechsel der Mikroorganismen einzugehen und erneut mit wichtigen Arbeitsmethoden, jetzt enzymologischer Art, zu schließen.

Nach einem kurzen Kapitel über die Bedeutung von Mikroorganismen allgemein werden ihre verschiedenen Klassen vorgestellt: Viren, Bakterien, Pilze und Algen sowie eukaryotische Parasiten. Naturgemäß nehmen die Viren und die Bakterien, und hier vor allem ihre Klassifizierung, einen vergleichsweise breiten Raum ein. Am Ende dieser Kapitel werden Methoden der viralen bzw. mikrobiellen Diagnostik vorgestellt. Tabellen geben Auskunft über antivirale Arzneistoffe bzw. Antibiotika, Zielstrukturen und Einsatzgebiete. Das Letztere gilt auch für die Kapitel Pilze und Antimykotika bzw. eukaryotische Parasiten und die auf sie abzielenden Arzneistoffe. Die Fülle von Daten ist durch die tabellarische Darstellung schnell und gut erfassbar. Auch ein Einblick in das Thema Antibiotikaresistenz mit der Vorstellung von Resistenzmechanismen und multiresistenten Keimen fehlt nicht.

Es folgen Kapitel über die Immunität und die Immunisierung, wobei unser Abwehrsystem auf nur drei Seiten dargestellt wird. Dieser Umfang ist vergleichsweise knapp, um die Komplexität unserer unspezifischen und spezifischen Verteidigungsstrategien in den Grundlagen verständlich und präzise wiederzugeben.

Im Weiteren wird auf den stetig wachsenden Einsatz von Mikroorganismen in der Biotechnologie eingegangen. Die von Mikroorganismen gebildeten Arzneistoffe, z. B. Antibiotika und Zytostatika, werden tabellarisch gelistet. In der Vergangenheit wurden Überproduzen-ten durch Mutation und Selektion gewonnen, während heute vermehrt gentechnisch veränderte Hochleistungsstämme zum Einsatz kommen. Diese bedeutsamen und vielfältigen Errungenschaften der modernen Biotechnologie hätte ich mir etwas ausführlicher dargestellt gewünscht, sehe aber auch die Zwänge, denen ein Autor bei der Verfassung eines so kompakten Lehrbuchs ausgesetzt ist.

Jedem Kapitel folgt eine knappe Zusammenfassung der wichtigsten vorgestellten Inhalte. Wiederholungsfragen laden zur Überprüfung des Wissens ein, bevor das nächste Kapitel angegangen wird. Im Randbereich sind laufend wichtige Begriffe kurz erläutert. Sie sind schon beim Durchblättern des Buchs leicht zu erfassen und vermitteln einen guten Überblick. Zudem sind in den Text viele eingehende Merksätze eingestreut. Insgesamt liegt dem Buch eine gelungene didaktische Konzeption zugrunde.

Das Buch wendet sich vor allem an Studierende der Pharmazie und anderer Lebenswissenschaften im ersten Studienabschnitt. Es wird aber auch im zweiten Studienabschnitt eine große Hilfe zum schnellen Nachschlagen sein und ebenso im späteren Berufsleben wegen der hohen Informationsdichte gerne zur Hand genommen werden.


Prof. Dr. Ludger Beerhues, Institut für Pharmazeutische Biologie, Braunschweig



DAZ 2013, Nr. 5, S. 35

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