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Quo vadis Klinische Pharmazie?

AMTS und Medikationsmanagement weisen den Weg

du | Arzneimitteltherapiesicherheit und Medikationsmanagement – quo vadis Klinische Pharmazie? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmazie (DGKPha), die in diesem Jahr gemeinsam mit der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG, Regionalgruppe Rheinland und Fachgruppe Klinische Pharmazie) und der Universität Bonn durchgeführt worden ist. Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops gaben Impulse, wie sich die Klinische Pharmazie vor dem Hintergrund der Leitbilddiskussion und den neuen Anforderungen an eine Patienten-orientierte Pharmazie entwickeln kann.
Großes Interesse an AMTS und Medikationsmanagement. 150 Teilnehmer haben sich in Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops über Möglichkeiten der Implementierung und Umsetzung informiert.

Arzneimitteltherapie ist ein Hochrisikoprozess. Das hat auch die Politik erkannt und seit 2007 inzwischen drei Aktionspläne zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (Aktionsplan AMTS) veröffentlicht. Erklärtes Ziel ist es, Patienten vor vermeidbaren Schäden durch eine Arzneimitteltherapie zu schützen. Dazu sind Anstrengungen auf vielfältigen Gebieten notwendig. Die Forschungsanstrengungen wurden intensiviert. Regierungsdirektor Dr. Herbert Sommer vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Referat Arzneimittelsicherheit, machte anhand der Forschungsgelder deutlich, welche Bedeutung die Arzneimitteltherapiesicherheit inzwischen für die Politik hat: seit 2008 hat das BMG 3,5 Millionen Euro in die AMTS-Forschung investiert, bei einem Gesamtforschungsetat von 15 Millionen Euro pro Jahr. Viele Projekte sind seitdem in Sachen AMTS auf den Weg gebracht worden. Mitveranstalter Prof. Dr. Ulrich Jaehde, Lehrstuhlinhaber Klinische Pharmazie in Bonn, konnte mit Stolz auf vier Auszeichnungen zur AMTS-Forschung verweisen, die die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens am Morgen vor dem Beginn der Tagung im Rahmen des Gesundheitspreises NRW verliehen hatte (siehe Beitrag "Gesundheitspreis für AMTS-Projekte").

Jaehde ist für das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) Mitglied der Koordinierungsgruppe des Aktionsplans AMTS.

Fotos: DAZ/du
Medikationsmanagement - Königsweg oder Utopie? Dieser Frage stellten sich unter Leitung von Prof. Dr. Kristina Leuner, Erlangen (2. v.r), Manfred Krüger, Krefeld, Dr. Anette Vasel-Biergans, Stuttgart, Dr. Oliver Schwalbe, Münster, Olaf Rose, PharmD, Münster, Prof. Dr. Kurt Hersberger, Basel, und Jochen Pfeifer, PharmD, Velbert (v.l.n.r).

Medikationsplan in Entwicklung

Ein wichtiger Ansatz des APS ist es, mithilfe von Qualitäts- und Risikomanagement eine lernende Sicherheitskultur zu etablieren. Als Basis für ein Medikationsmanagement wird im Rahmen des Aktionsplans AMTS ein bundeseinheitlicher elektronischer Medikationsplan entwickelt und in Modellprojekten getestet. AMTS ist eine multiprofessionelle Aufgabe, in die Ärzte, Apotheker, Pflegekräfte, Patienten und Familienangehörige eingebunden sind. Hier zu definieren, wer wann welche Aufgabe übernimmt, ist eine der wichtigsten Aufgaben im Rahmen des Aktionsplans AMTS.

Arzneimitteltherapiesicherheit und das Medikationsmanagement als wichtiger Beitrag zur AMTS stellen eine große Herausforderung für Pharmazeuten dar. Seit der Implementierung des Medikationsmanagements als pharmazeutische Dienstleistung in der Apothekenbetriebsordnung im Jahr 2012 wird versucht, diese neue Dienstleistung mit Leben zu füllen.

AMTS – was können Patienten erwarten? Darüber diskutierten unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich Jaehde, Bonn (4. v.l.), Dr. Herbert Sommer, BMG, Bonn, Prof. Dr. Susanne Schwalen, Ärztekammer Nordrhein, Hannelore Loskill, Patientenvertreterin in G-BA und APS-Vorstand, Christina Pehe, AOK Rheinland/Hamburg und Lutz Engelen, Apothekerkammer Nordrhein, (v.l.n.r.).

Diskutiert wird darüber, welche Aufgaben Apotheker schon heute aufgrund ihrer Ausbildung im Rahmen eines Medikationsmanagements übernehmen können und was an Aus-, Fort- und Weiterbildung notwendig ist, um auch besonderen Anforderungen wie denen eines klinischen Medikationsmanagements gewachsen zu sein. Solchen Fragen wurde im Rahmen der Tagung auch in zwei Diskussionsrunden nachgegangen. Dabei kristallisierte sich heraus, dass ein gut geschulter Apotheker heute schon ein einfaches Medikationsmanagement (MM) – basierend auf einer Analyse der Verordnung – und auch ein erweitertes MM mithilfe von Patienteninformationen durchführen kann. Für ein klinisches Medikationsmanagement ist ein vertieftes pharmakotherapeutisches Wissen erforderlich, das zurzeit in teilweise kostspieligen und zeitaufwendigen Weiterbildungen erworben werden muss. Hier steht die Forderung im Raum, die Approbationsordnung und damit das Studium so zu verändern, dass dieses Wissen schon in der Ausbildung vermittelt wird. Zu klären ist dabei, ob man an dem Dogma, dass jeder Apotheker alles können muss, festhalten will oder man es zulässt, dass bestimmte Aufgaben an Spezialisten delegiert werden können. Gewarnt wurde davor, dass ohne ausreichendes Wissen ein fehlerhaftes Medikationsmanagement durchgeführt wird. Schnell könnte hier die Chance für eine zukunftsweisende Aufgabe der Pharmazeuten vertan werden. Damit das Medikationsmanagement gelingen kann, ist auch eine vertrauensvolle Kooperation mit Ärzten erforderlich. Hier gibt es noch großen Widerstand. Es wurde die Hoffnung geäußert, dass Projekte wie das ABDA-KBV-Modell (Armin) oder die PharmCHF-Studie helfen könnten, Ängste vor Kompetenzüberschreitung bei den Medizinern zu nehmen und den Nutzen für Arzt und Patient herauszustellen. Dass es sich um keine Gratis-Dienstleistung handeln kann, wurde ebenfalls immer wieder betont. Schlussendlich muss jedoch der Patient diese Dienstleistung auch aktiv einfordern. Er muss von dem Nutzen überzeugt werden, ebenso wie die Krankenkassen, die für diese Dienstleistung zahlen müssen. Das Geld für AMTS-fördernde Maßnahmen ist nach Ansicht Jaehdes jedoch schon im System vorhanden. Dazu muss man sich nur vor Augen halten, welche Kosten durch vermeidbare Fehler in der Arzneimitteltherapie entstehen. Modellrechnungen gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich zwischen 860 Millionen und 1,3 Milliarden Euro durch Vermeiden unerwünschter Arzneimittelwirkungen einzusparen sind. 

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