Aus den Ländern

„Den Zukunftsfeldern widmen“

Sitzung der Vertreterversammlung der LAK Baden-Württemberg

STUTTGART (cae) | Die Herbstsitzung der Vertreterversammlung der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg am 21. November eröffnete LAK-Präsident Dr. Günther Hanke mit einem Blick auf die innenpolitische Lage und die künftige Bundesregierung.

Tages- und Berufspolitik

Hanke ging in seinem Bericht auf die aktuellen Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD ein. Positiv sei, dass sich die Arbeitsgruppe Gesundheit klar zur inhabergeführten Apotheke und gegen Fremd- und Mehrbesitz ausgesprochen hat. „Das gibt uns endlich die Möglichkeit, aus der Defensive herauszukommen und uns den Zukunftsfeldern der Pharmazie zu widmen“, so Hanke. Zu den Zukunftsfeldern zählt Hanke insbesondere das Medikationsmanagement. Deshalb habe die LAK nun das in Nordrhein entwickelte Pilotprojekt ATHINA übernommen (Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken); dabei handelt es sich um einen Medikationscheck multimorbider Patienten.

Foto: LAK BW
Kammerpräsident Dr. Günther Hanke blickt optimistisch in die Zukunft.

Bezüglich der Apothekenbetriebsordnung steht die Kammer in engem Kontakt mit dem Sozialministerium, um strittige Auslegungsfragen zeitnah zu klären. Hanke sprach sich gegen eine erneute Novellierung der ApBetrO aus und sagte: „Wichtig ist jetzt, die neuen Regelungen angemessen zu interpretieren.“

Zur Debatte über das Leitbild des Apothekers in der öffentlichen Apotheke bemerkte LAK-Vizepräsidentin Karin Graf: Nach dem Verlust ihres früheren Alleinstellungsmerkmals, der Arzneimittelherstellung, sei das derzeitige Alleinstellungsmerkmal neben der Rezeptur das gesamte Beratungsangebot rund um das Arzneimittel. Bezüglich der Rezeptur verwies Graf auf den Nutzen des Zentrallaboratoriums Deutscher Apotheker (ZL) für die Apotheken. So erstellt das ZL Stabilitätsdaten nicht-standardisierter Rezepturen.

Rückblickend auf die Initiative „Gesundheit wählen“ berichtete Pressesprecher Stefan Möbius, dass 44% der jetzt im Bundestag sitzenden Abgeordneten die Fragen der Apotheker beantwortet haben. Derzeit stehe die LAK in Kontakt mit den Landratsämtern, um zu erreichen, dass Apotheker in den kommunalen Gesundheitskonferenzen vertreten sind, die auf Anregung des Sozialministeriums nach und nach in allen Landkreisen Baden-Württembergs eingerichtet werden.

Weniger Apotheken, mehr PKA

Über die aktuelle Entwicklung der Apothekenzahlen in Baden-Württemberg berichtete Kammergeschäftsführer Dr. Karsten Diers: Seit dem Jahr 2006 ist die Zahl der öffentlichen Apotheken von 2783 auf heute 2642 gefallen. Während die Neugründungen auf einem bereits niedrigen Niveau weiter abnehmen, kündigt sich zumindest bei der Zahl der Schließungen eine Trendwende an. Es wird 2013 voraussichtlich weniger Schließungen geben als 2012. Dagegen scheinen die Maßnahmen der LAK, die Zahl der PKA-Auszubildenden wieder zu steigern, nun zu greifen. Nach Jahren des Rückgangs gab es in diesem Jahr erstmals wieder einen Anstieg.

Laufende Gerichtsverfahren

Kammerjustiziar Uwe Kriessler ging auf die derzeitigen Gerichtsverfahren ein, die die LAK gemeinsam mit der Bayerischen Landesapothekerkammer über die Wettbewerbszentrale u.a. gegen Vitalsana und Ratiopharm führt. Beim Verfahren gegen Ratiopharm geht es um die Lieferung verschreibungspflichtiger Arzneimittel zur Herstellung von patientenindividuellen Arzneimittelblistern unterhalb des einheitlichen Herstellerabgabepreises.

Kriessler informierte auch über die Befreiung von Kammermitgliedern von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht; diese ist grundsätzlich auf das jeweilige Beschäftigungsverhältnis beschränkt und ist bei jedem Wechsel der Berufstätigkeit neu zu beantragen.

Ein Thema, das vor allem die Apothekenleiter interessierte, war die aktuelle Statistik der Notdienste in Baden-Württemberg: In den Monaten August und September 2013 sind 8260 Notdienste geleistet worden, was durchschnittlich 3,12 Notdiensten pro Apotheke entspricht.

Foto: LAK BW
Rechnungsführer Dr. Peter Kaiser sah keinen Anlass, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen.

Beschlüsse

Die Vertreterversammlung verabschiedete den Haushalt 2012 und den Haushaltsplan 2014. Rechnungsführer Dr. Peter Kaiser betonte die solide Haushaltsführung der Kammer und den Erfolg der Sparmaßnahmen der letzten Jahre, weshalb die Mitgliedsbeiträge im nächsten Jahr konstant bleiben.

Einstimmig beschloss die Vertreterversammlung die Ergänzung der Weiterbildungsordnung um den „Schwerpunkt Diabetes“ im Gebiet Allgemeinpharmazie. Die Absolventen dürfen die Zusatzbezeichnung „Schwerpunkt Diabetes“ führen.

Gegen Benzodiazepinmissbrauch

Der Suchtpräventionsbeauftragte Dr. Ernst Pallenbach hielt einen Vortrag über das von ihm geleitete, in Baden-Württemberg durchgeführte ABDA-Projekt „Ambulanter Entzug Benzodiazepin-abhängiger Patienten in Zusammenarbeit von Apotheker und Hausarzt“. Die Hauptprobleme einer längerfristigen Anwendung von Benzodiazepinen sind die Verschlechterung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit und das erhöhte Sturzrisiko. Der Apotheker kann beim Entzug seine Kompetenz stärker einbringen, wie das Modellprojekt ergab: Durch die verstärkte pharmazeutische Beratung konnten rund drei Viertel der Patienten ihr Präparat absetzen (46%) oder die Dosis signifikant reduzieren (28%). 

Quelle: LAK Baden-Württemberg

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