Arzneimittel und Therapie

Verlängertes Überleben beim Magenkarzinom

Studie zum neuen Angiogenesehemmer Ramucirumab

In einer Phase-III-Studie erhielten vorbehandelte Patienten mit einem metastasierten Adenokarzinom des Magens oder des ösophagogastralen Übergangs den Angiogenesehemmer Ramucirumab. Im Vergleich mit einer bestmöglichen supportiven Behandlung wurde durch die Gabe von Ramucirumab ein verlängertes Gesamtüberleben erzielt. Möglicherweise wird Ramucirumab eine neue Option zur palliativen Behandlung des metastasierten Magenkarzinoms.

Beim fortgeschrittenen metastasierten Magenkarzinom gilt derzeit eine Polychemotherapie (meist ein Platin- und Fluoropyrimidin-haltiges Regime) als Mittel der Wahl. Ansprech- und Überlebensraten sind indes relativ niedrig, und die mittlere Überlebenszeit liegt zwischen acht und zehn Monaten. Für die Zweitlinientherapie gibt es in den meisten Ländern keine wirksame, zugelassene Substanz, und der Bedarf nach neuen Wirkstoffen ist groß. Ein derzeitiger Hoffnungsträger ist der Angiogenesehemmer Ramucirumab, dem bereits von der Europäischen Kommission der Status eines Orphan drugs zuerkannt wurde. Seine Zulassung bei der EMA und der FDA (Food and Drug Administration) wurde beantragt.

Ramucirumab ist ein vollständig humaner monoklonaler IgG1-Antikörper, der sich gegen den VEGF-Rezeptor 2 (VEGF = vascular endothelial growth factor) richtet. Da bei der Pathogenese von Tumoren des Magens und des ösophagogastralen Übergangs VEGF- und VEGF-Rezeptor-vermittelte Signalwege und Gefäßneubildungen eine Rolle spielen, hofft man, durch eine Blockade dieser Faktoren das Tumorwachstum aufzuhalten. Nachdem sich dieses Konzept in Tierversuchen und ersten klinischen Untersuchungen bestätigt hatte, wurde eine Phase-III-Studie durchgeführt, um Wirksamkeit und Sicherheit des neuen Angiogenesehemmers einzuschätzen.

Ramucirumab versus best supportive care

In dieser internationalen, multizentrischen, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie wurde Ramucirumab plus beste supportive Behandlung (best supportiv care; BSC) mit bester supportiver Behandlung alleine verglichen. 355 Patienten, die an einem fortgeschrittenen Adenokarzinom des Magens oder des ösophagogastralen Übergangs erkrankt waren und bei denen unter der Erstlinientherapie die Krankheit fortgeschritten war, wurden im Verhältnis 2:1 einer der folgenden Behandlungsarme zugeteilt:

  • Ramucirumab-Gruppe (n = 238); die Probanden erhielten alle zwei Wochen Ramucirumab (8 mg/kg) plus best supportive care (BSC).
  • Placebogruppe (n = 117); die Probanden erhielten ein Placebo plus best supportive care (BSC).

Der primäre Studienendpunkt war das Gesamtüberleben. Sekundäre Endpunkte ermittelten unter anderem das progressionsfreie Überleben, die Ansprechrate sowie die Therapiesicherheit. Die gesammelten Therapieergebnisse wurden mithilfe einer Intention-to-treat-Analyse ausgewertet.

Beachtenswert

Ein Kommentator stuft diese Studienergebnisse aus mehreren Gründen als beachtenswert ein. Zum ersten Mal konnte mit einem Biological als Monotherapie das Gesamtüberleben bei einer aggressiven Erkrankung wie dem Magenkarzinom verlängert werden. Darüber hinaus ist die Gabe von Ramucirumab mit einer relativ geringen Toxizität behaftet und mit weniger gravierenden Nebenwirkungen begleitet wie eine konventionelle Zweitlinien-Chemotherapie. Der Wermutstropfen: Wahrscheinlich profitiert nur eine Subgruppe der betroffenen Patienten von einer Therapie mit dem Angiogenesehemmer. Derzeit wird nach Biomarkern gesucht, um das Therapieansprechen einschätzen zu können.

Relativ geringe Toxizität

Das mediane Gesamtüberleben betrug in der Ramucirumab-Gruppe 5,2 Monate, in der Vergleichsgruppe 3,8 Monate (HR 0,776; 95% Konfidenzintervall 0,603-0,998; p = 0,047). Das mediane progressionsfreie Überleben lag in der Ramucirumab-Gruppe bei 2,1 Monaten versus 1,3 Monaten unter einer besten supportiven Therapie (HR = 0,483; 95% Konfidenzintervall 0,376-0,620; p < 0,0001). Eine Krankheitskontrolle wurde bei 49% der mit Ramucirumab und bei 23% der mit Placebo behandelten Patienten erzielt (p < 0,0001). Die häufigste unerwünschte Wirkung war das Auftreten einer Hypertonie (18% unter Ramucirumab versus 8% in der Vergleichsgruppe). Die Rate weiterer Nebenwirkungen war in beiden Gruppen vergleichbar (94% vs. 88%). 

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr

Literatur

Fuchs C et al. Ramucirumab monotherapy for previously treated advanced gastric or gastro-oesophageal junction adenocarcinoma (REGARD): an international, randomised, multicentre, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet online vom 3.10.2013; http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13)61892-9.

Ilson D. Angiogenesis in gastric cancer: hitting the target? Lancet online vom 3.10.2013; http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13)61719-5.

www.awmf-online.de S3-Leitlinie „Magenkarzinom“ – Diagnostik und Therapie der Adenokarzinome des Magens und ösophagogastralen Übergangs (Zugriff am 14.11.2013).

www.orpha.net (Zugriff am 14.11.2013).

www.clincaltrials.gov NCT00917384 (Zugriff am 14.11.2013).

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