Arzneimittel und Therapie

Entwarnung für HPV-Impfung

Vergleichbar sicher wie andere, seit Langem verwendete Impfstoffe

Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren. Doch wegen deren Neuheit machen sich viele Eltern Sorgen um mögliche Nebenwirkungen. Jetzt konnte eine groß angelegte Fall-Kontroll-Studie an fast einer Million Mädchen in Skandinavien zeigen, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Impfung mit Gardasil® und Autoimmunerkrankungen, neurologischen Schäden oder Thromboembolien gibt.

Impfungen haben schon seit Einführung der Pockenimpfung Kritik hervorgerufen. So sorgt auch die HPV-Impfung immer wieder für Verunsicherung. Inwiefern dies berechtigt ist, haben skandinavische Forscher jetzt in einer umfangreichen Studie untersucht. 997.585 Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren wurden erfasst, davon 296.826 mit Gardasil® geimpfte. Die Patientendaten wurden nach neurologischen, immunologischen und thromboembolischen Erkrankungen durchsucht, die bis zu 180 Tage nach der Impfung diagnostiziert wurden. Gardasil® ist ein quadrivalenter Impfstoff gegen die Typen 16, 18, 6 und 11. Die Hochrisiko-Typen 16 und 18 sind bei 60 bis 70% der Zervixkarzinome nachweisbar.

In der Analyse fanden die Wissenschaftler zunächst vermehrt Fälle von Typ-1-Diabetes, Raynaud-Syndrom und Morbus BehÇet. Jedoch konnte bei genauerer Betrachtung ein signifikanter Zusammenhang nicht bestätigt werden.

Die Studie bekräftigte frühere Untersuchungen, die auch keine Verbindung zwischen Gardasil® und chronischen Erkrankungen finden konnten.

Die Empfehlung zur HPV-Impfung, die die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut im Jahre 2007 aussprach, wurde mit einer erwarteten 61%-igen Reduktion von Zervixkarzinomen begründet (bei 95% Durchimpfung und lebenslanger Immunität). Viele Fachleute waren aber der Meinung, dass nicht genügend Daten vorlägen, um die Wirksamkeit der Impfung beurteilen zu können. Tatsächlich ist dieser Nachweis wegen der langen Inkubationszeit schwierig. Von der Infektion bis zum Auftreten von präkanzerösen Läsionen (CIN III) können zehn Jahre vergehen. Deswegen nahm die STIKO 2009 noch einmal Stellung und bestätigte ihre Position unter Berufung auf die Future I/II-Studien. Diese stellten für Gardasil® eine Wirksamkeit von 97 bis 100% hinsichtlich einer Verhinderung von HPV-16- oder HPV-18-assoziierten Läsionen fest. Unabhängig vom HPV-Typen betrachtet, liegt diese Rate bei 46% bei HPV-naiven Frauen und in der gesamten Population bei nur 21%. Daher wird empfohlen, Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren vor dem ersten Geschlechtsverkehr zu impfen. Bei einer geschätzten HPV-Prävalenz von 8 bis 15% ist die Gefahr einer Ansteckung bei den ersten sexuellen Kontakten durchaus gegeben. Überdies wird das humane Papillomavirus im Gegensatz zu anderen Geschlechtskrankheiten über Hautkontakt übertragen, weshalb auch Kondome keinen sicheren Schutz bieten.

Umfassende, objektive Information ist notwendig

Ein anderer Kritikpunkt von Seiten der Berliner Ärztekammer ist, dass immer wieder von der „Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs“ geredet wird. Obwohl der Impfstoff nur gegen zwei Hochrisikotypen schützt, wird so eine völlige Immunität suggeriert. Auch die STIKO bezeichnete Publikationen, die diesen Eindruck erwecken, als unseriös.

Impfstoffe gegen humane Papillomaviren

Die Familie der humanen Papillomaviren (HPV) umfasst über 200 bisher bekannte Typen, die Epithelzellen der Haut und Schleimhäute des Genitaltraktes infizieren können. Auslöser für Zervixkarzinome sind die Hochrisikotypen HPV 16, 18, 31 und 45, die in über 90% der Tumore nachgewiesen werden können. Die Niedrigrisikotypen wie HPV 6 und 11 verursachen Genitalwarzen.

Derzeit sind in Deutschland zwei HPV-Impfstoffe verfügbar: Cervarix® (bivalent) und Gardasil® (tetravalent). Sie sind ab einem Alter von neun Jahren zur Prävention von prämalignen genitalen Läsionen der Zervix, Vulva und Vagina und von Zervixkarzinomen, die hauptsächlich durch onkogene humane Papillomaviren (HPV) der Typen 16 und 18 verursacht werden, zugelassen. Bis 2009 wurden weltweit mehr als 40 Millionen Dosen Gardasil® verabreicht, von Cervarix® wurden seit der Zulassung 2007 bis 2009 in Europa ungefähr 7,5 Millionen Dosen verimpft.

Apotheker haben hier die wichtige Aufgabe darauf hinzuweisen, dass Impfstoffe gegen humane Papillomaviren zwar keinen umfassenden Schutz vor Zervixkarzinomen bieten, aber die Wahrscheinlichkeit von Neoplasien senken können. Regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen bleiben jedoch notwendig. Zudem ist auch der Zeitpunkt der Impfung wichtig. Er sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr liegen. Über die Dauer der Immunität liegen bisher nur Daten bis zu fünf Jahren vor, die eine 95,8%-ige Effektivität angeben. Ob eine Auffrischung nötig ist, ist also noch nicht abschließend geklärt. 

Quelle

Arnheim-Dahlström L et al. Autoimmune, neurological, and venous thromboembolic adverse events after immunisation of adolescent girls with quadrivalent human papillomavirus vaccine in Denmark and Sweden: cohort study, BMJ, BMJ 2013; 347: f5906 doi: 10.1136/bmj.f5906.

Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut: Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) für Mädchen von 12 bis 17 Jahren – Empfehlung und Begründung, Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 12, 23. März 2007.

Impfung gegen HPV – Aktuelle Bewertung der STIKO, Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin Nr. 32, 10. August 2009.

 

Apothekerin Sarah Katzemich

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