Aus der Hochschule

Botanik zum Anfassen

„Crowdfunding“ für zweiten Arzneipflanzengarten in Frankfurt

FRANKFURT/MAIN | Am naturwissenschaftlichen Campus Riedberg der Goethe-Universität entsteht derzeit ein neuer Wissenschaftsgarten. Als wichtiger Bestandteil wird dort auch ein Arzneipflanzengarten geplant – ein nicht nur hinsichtlich der Finanzierung interessantes Projekt.

Hintergrund

Der „Neue Senckenbergische Arzneipflanzengarten“ erfreut sich bei den Besuchern des Botanischen Gartens in Frankfurt großer Beliebtheit. Die ansprechende Gestaltung in Form von Hochbeeten, auf denen die Pflanzen nach Indikationen gruppiert sind, und die ausführliche Beschilderung lassen Interessierte viel Wissenswertes entdecken. Einen Nachteil hat dieser Garten allerdings: Er liegt in der Stadt und ist damit relativ weit vom Campus Riedberg entfernt, wo die Ausbildung der Pharmaziestudierenden stattfindet – zumindest viel zu weit, um mal eben schnell in einer der wenigen Freistunden des dicht gepackten Stundenplans einen kurzen Abstecher zu den Arzneipflanzen zu machen.Da der Botanische Garten Anfang 2012 aus der Verantwortlichkeit der Goethe-Universität in die Obhut der Stadt Frankfurt übergegangen ist und am Campus Riedberg mit dem „Wissenschaftsgarten“ ein neues botanisches Lehr- und Lernareal entsteht, kam die Idee auf, einen zweiten Arzneipflanzengarten anzulegen.

Die Verantwortlichen

Sehr schnell konnten sich die konzeptionellen Planer des Neuen Senckenbergischen Arzneipflanzengartens einig werden, sich auch für den Arzneipflanzengarten am Campus Riedberg zu engagieren. Prof. em. Dr. Georg Schneider, Senior-Prof. Dr. Theo Dingermann und Dr. Ilse Zündorf bringen die Erfahrung aus dem Arzneipflanzengarten in der Stadt mit ein und konnten sehr schnell den Nachfolger von Prof. Dingermann, Prof. Dr. Robert Fürst, für eine Teilnahme an diesem Projekt gewinnen. Somit engagieren sich drei Generationen Professoren an der inhaltlichen Planung des Arzneipflanzengartens am Campus Riedberg.

Die verantwortlichen Planer des Wissenschaftsgartens, vor allem Prof. Dr. Georg Zizka, Prof. Dr. Anna Starzinski-Powitz und Prof. Dr. Enrico Schleiff, waren von Beginn an überzeugt, dass ein Arzneipflanzengarten sehr gut in das Gesamtkonzept des neuen Gartens passt. Der neue Leiter des Wissenschaftsgartens und der Außenanlagen, Robert Anton, ist als Landschaftsarchitekt direkt in die konkrete Planung der Anlage eingestiegen und hat ein ungefähres Bild des zukünftigen Arzneipflanzengartens entworfen (siehe Skizze).

So soll er aussehen: der neue Arzneipflanzengarten mit Hochbeeten oder „Schubladen“-Beeten.Zeichnung: Robert Anton

Das inhaltliche Konzept

Braucht man in einer Stadt überhaupt zwei Arzneipflanzengärten? Ja, vor allem dann, wenn sie sich inhaltlich sinnvoll ergänzen. Da die Pflanzen im „Neuen Senckenbergischen Arzneipflanzengarten“ nach Indikationen gruppiert sind und mit der ausführlichen Beschilderung vor allem auch interessierte Bürger der Stadt ansprechen sollen, wird für den Wissenschaftsgarten am Campus Riedberg ein anderer Ansatz verfolgt. Hier werden Beete so angelegt, dass die Pflanzen nach phytochemischen Kriterien angeordnet sind. Somit wird es beispielsweise ein großes Beet geben, auf dem die alkaloidhaltigen Pflanzen stehen – es werden großenteils dieselben Arten sein, die im Giftpflanzenbeet des Neuen Senckenbergischen Arzneipflanzengartens zu finden sind. Giftpflanzen werden am Campus Riedberg aber auch auf dem Beet mit den Isopren-Derivaten, und zwar dort genauer bei den herzwirksamen Steroidglykosiden stehen.

Dadurch lernen Interessierte die Pflanzen unter einem etwas anderen Aspekt kennen und merken, dass sehr unterschiedliche Inhaltsstoffe für deren Giftigkeit verantwortlich sind. Eine ausführliche Beschilderung wird auf diese verschiedenen Aspekte eingehen und über die Anwendung der einzelnen Pflanzen informieren. Somit stehen die beiden Arzneipflanzengärten nicht in Konkurrenz zueinander, sondern werden sich vielmehr inhaltlich hervorragend ergänzen.

Finanzierung durch „Paten“

Die Goethe-Universität ist als Stiftungsuniversität sehr stark auf Spenden angewiesen. Für den Arzneipflanzengarten Riedberg konnte mit der Firma Engelhard bereits ein Großspender gewonnen werden. Dennoch fehlen zur Realisierung der Anlage noch ca. 40.000 Euro. Dieser Betrag soll jetzt über ein Crowdfunding-Projekt mittels Arzneipflanzenpatenschaften eingeworben werden: Firmen, Vereine und auch Privatpersonen können mit einer einmaligen Spende die Patenschaft für eine Arzneipflanze ihrer Wahl übernehmen. Eine persönliche Patenschaft ist für 300 Euro, eine institutionelle Patenschaft für 1000 Euro möglich, aber auch höhere Beiträge sind willkommen. Für diese Spende stellt die Goethe-Universität eine steuerlich anrechenbare Spendenquittung aus.

Zusätzlich werden die Paten auf der Homepage des Arzneipflanzengartens und auf den Informationsschildern bei der jeweiligen Pflanze namentlich genannt, außer dass der Spender dies ausdrücklich nicht wünscht. Die genauen Bedingungen sind zusammen mit der Liste der knapp 200 möglichen Paten-Arzneipflanzen auf der Homepage zu finden:

http://www.pharmazie.uni-frankfurt.de/Arzneipflanzengarten-Riedberg/

Eröffnung im Jubiläumsjahr der Goethe-Universität

Der gesamte Wissenschaftsgarten inklusive Arzneipflanzengarten wird im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag der Goethe-Universität am 1. Juni 2014 feierlich eröffnet. Zu dieser Feier kommen dann nicht nur die verantwortlichen Planer, sondern hoffentlich auch möglichst viele Arzneipflanzenpaten, die zusammen die Eröffnung „ihres“ Arzneipflanzengartens feiern wollen. Dass in einer Stadt zwei Arzneipflanzengärten existieren, ist sicherlich schon ungewöhnlich. Dass sich drei Generationen Professoren am Institut für Pharmazeutische Biologie zusammenfinden, die gemeinsam ein derartiges Projekt in Angriff nehmen, kommt aber sicherlich auch nicht alle Tage vor. 

Senior-Prof. Theo Dingermann

Prof. Robert Fürst

Prof. em. Georg Schneider

Dr. Ilse Zündorf

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