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Freiberuflichkeit der Heilberufe erhalten

Fritz Becker warnt künftige Koalitionäre vor zu viel Einfluss aus Europa

BERLIN (ks) | Die im vergangenen Juni gegründete „Allianz der Heilberufe“, in der sich Apotheker, Ärzte und Zahnärzte zusammengetan haben, hat sich kurz vor dem Start der Koalitionsverhandlungen zu Wort gemeldet. Ihre Botschaft an Union und SPD: Das duale Krankenversicherungssystem und die Freiberuflichkeit der Heilberufe müssen erhalten bleiben.

Union und SPD sind in ihre Verhandlungen über eine Große Koalition eingestiegen. Was das für die Gesundheitspolitik bedeutet, ist noch nicht ganz klar. Der Beschluss des vorausgegangenen SPD-Parteikonvents mag darauf hindeuten, dass die Bürgerversicherung nicht das brennendste Thema für die Sozialdemokraten ist. Denn in einem Papier zählt der Konvent zehn Punkte auf, die er für „unverzichtbar“ hält, beispielsweise der Mindestlohn und die Finanzmarktregulierung. Die Bürgerversicherung bleibt hingegen unerwähnt. Das dürfte der Allianz der Heilberufe entgegenkommen. Denn von der Bürgerversicherung hält man in diesem Zusammenschluss – dem auch der Deutsche Apothekerverband (DAV) angehört – gar nichts.

Freie Berufe im Fokus der EU-Kommission

Eine weitere Sorge, die Ärzte und Apotheker umtreibt, sind Bestrebungen der Europäischen Kommission, die Vorschriften zu freien Berufen anzugleichen – etwa im Hinblick auf die Berufsqualifikationen. Die EU-Kommission hat die Freiberufler schon länger im Blick. 2004 konstatierte sie, dass bei ihnen aus wettbewerbspolitischer Sicht Handlungsbedarf bestehe. Selbst aktiv wurde die Kommission mit der Dienstleistungsrichtlinie, die allerdings die Heilberufe ausklammerte. Dagegen ist die Berufsanerkennungsrichtlinie gerade für Ärzte, Apotheker und andere Heilberufler von Belang und soll nun reformiert werden. Unter anderem sollen die Mindestausbildungszeiten der Gesundheitsberufe angeglichen werden. Die Apotheker haben noch größere Befürchtungen hinsichtlich einer Vereinheitlichung – schließlich sind die Systeme in Europa höchst unterschiedlich. Doch am Ende ist es Sache der Mitgliedstaaten solche Regelungen festzulegen.

Becker: Angriff auf Apotheken

Foto: ABDA
Fritz Becker will sich in seiner Funktion als stv. Sprecher der „Allianz der Heilberufe“ für den Erhalt des dualen Krankenversicherungssystems einsetzen.

„Die Forderung der Europäischen Kommission, das Berufsrecht der Gesundheitsberufe zu überprüfen oder abzuschaffen, ist auch ein Angriff auf die Qualität der pharmazeutischen Beratung durch gut ausgebildete Apotheker in Deutschland“, mahnt nun Fritz Becker, DAV-Vorsitzender und stellvertretender Sprecher der Allianz. Gerade ältere Menschen, die oft viele Medikamente benötigten, profitierten von der Beratung in der Apotheke. „Discounter, die auch Medikamente verkaufen, könnten das nicht leisten“, betont Becker. Wegen vermeintlicher Einsparungen würden Strukturen zerstört, die in einer älter werdenden Gesellschaft gebraucht würden. Der DAV-Chef verweist zudem auf den bürokratischen Aufwand, der in den letzten Jahren dramatisch angestiegen sei. Stichwort: Rabattverträge. Sie müssten etwa für Impfstoffe abgeschafft werden, fordert Becker. Nicht zuletzt betont er, dass Apotheker viel in das Medikationsmanagement investierten – durch eine qualifizierte Beratung. Und er stellt klar: „Zusätzliche Dienstleistungen in diesem Bereich sollten sich auch in unserer Vergütung abbilden.“

Schulterschluss zwischen Ärzten und Apothekern

Auch Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Verbands der niedergelassenen Ärzte NAV-Virchow Bund und Sprecher der Allianz der Heilberufe, unterstreicht: „Noch gibt es in Deutschland eine gute ambulante Versorgung. Menschen hierzulande haben eine freie Arztwahl und die niedergelassenen Mediziner können selbstständig mit den Patienten die Therapiewahl treffen.“ Dieses hohe deutsche Niveau stehe jedoch auf dem Spiel. Heinrich: „Die Einführung einer Bürgerversicherung würde dazu führen, dass viele Ärzte ihre Praxen aufgeben müssten. Lange Wartezeiten und große Entfernungen wären die unmittelbaren Folgen für die Patienten.“ Becker und Heinrich kündigen den weiteren Schulterschluss an: Sie würden künftig „ein gemeinsames Vorgehen abstimmen, sollte die flächendeckende Versorgung unsere Patienten und Kunden gefährdet sein“. 

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