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Spielen Apotheken in der Prävention eine Rolle?

BERLIN (jz). In ihrer Präventionsstrategie hat die Koalition die Apotheker inzwischen berücksichtigt: Sie sollen dem Bundesgesundheitsministerium in einer "Ständigen Präventionskonferenz" Bericht über aktuelle Präventionsfortschritte erstatten. Unabhängig von dem in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Referentenentwurf, wandte sich die "Förderinitiative Prävention" in einem Offenen Brief an Daniel Bahr (FDP). Ihre Vorsitzende, Jutta Rewitzer, bittet den Gesundheitsminister darin, die Apotheker in die Präventionsstrategie der Bundesregierung einzubeziehen.

Mitte Dezember 2012 hatte die Koalition ein Eckpunktepapier zur Gesundheitsprävention beschlossen, in dem die Apotheker mit keinem Wort erwähnt wurden. Die Enttäuschung in der Apothekerschaft war groß: "Das ist eine Frechheit", erklärte der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts für Prävention im Gesundheitswesen (WIPiG), Dr. Helmut Schlager. Hätten doch Politiker in der Vergangenheit mehrfach zugesichert, die apothekerlichen Präventionsdienstleistungen in die Präventionsstrategie einzubeziehen. Johannes Singhammer (CSU) versprach, dass dies im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens noch nachgeholt werde.

Höchste Zeit für Einsatz

Doch nur warten und hoffen wollten die Apotheker nicht. In einem Offenen Brief wandte sich Rewitzer als Vorsitzende der Förderinitiative, die aus zwölf Apothekerkammern und Apothekerverbänden und zahlreichen anderen Institutionen aus dem Apothekenwesen besteht, daher an den Gesundheitsminister. "Auch wenn in Zeiten ungeklärter Notdienstpauschalen, massiver Streitigkeiten zum GKV-Rabatt und zahlreicher anderer offener Baustellen das Thema Prävention nicht an erster Stelle im Ranking der Prioritäten stehen mag", schreibt sie, sei es dennoch "höchste Zeit" sich an ihn zu wenden.

Denn Prävention sei nicht allein Aufgabe der Ärzteschaft: "Wird der Arzt alleine genannt, dann mag dies im Sinne der GKV sein, die sich vor der Nennung weiterer Leistungserbringer fürchtet ‚wie der Teufel vor dem Weihwasser‘ (was unschwer zu erkennen ist am GKV-Leitfaden Prävention, aus dem die Apotheker seit Jahren trotz mehrfacher Anstrengungen ausgegrenzt werden)", so Rewitzer. Einzelne Ärztevertreter pochten auch darauf, dass die Früherkennung von Krankheiten eindeutig dem medizinischen Leistungsspektrum zuzuordnen sei. Aber derlei Ansichten lassen aus ihrer Sicht "das wertvolle Potenzial der Apothekerschaft und auch anderer Berufsgruppen völlig außen vor!"

Ein weiteres Argument der Förderinitiative: Die entsprechenden Aufgaben seien den Apothekern im vergangenen Jahr sogar ausdrücklich vom Gesetzgeber in die neue Apothekenbetriebsordnung geschrieben worden. Und zwar "aus gutem Grund", so Rewitzer. Sie appelliert daher an Bahr, trotz des Wahljahrs die Anliegen der Initiative und damit der ganzen Apothekerschaft zu berücksichtigen. "Denn sonst gälte auch zukünftig für dieses Thema der viel zitierte Satz: ‚Alle wollen es; die es könnten, sollen nicht; die, die es sollen, können es nicht!‘"

Entwurf in Bearbeitung

Über den ersten Referentenentwurf für ein Gesundheitsförderungs- und Präventionsstärkungsgesetz, der die Apotheker zumindest erwähnt, wurde in der vergangenen Woche unterdessen in der Koalition erstmalig beraten. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums konnte jedoch noch keinen Termin nennen, wann der Entwurf in die Anhörung gehen wird. Zum Offenen Brief der Förderinitiative hieß es aus dem Ministerium lediglich: "Zu Offenen Briefen äußern wir uns grundsätzlich nicht."



DAZ 2013, Nr. 4, S. 14

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