Arzneimittel und Therapie

Krank nach dem Urlaub?

Reiserückkehrer kompetent beraten

Tourismusexperten zufolge sind die Deutschen nach wie vor „Reiseweltmeister“. Bei Aktivurlauben werden immer häufiger auch entlegene und medizinisch schlecht versorgte Regionen bereist. Doch auch ein Urlaub in Europa birgt gesundheitliche Risiken, wie beispielsweise lokale Ausbrüche von West-Nil-Fieber in Italien zeigen. Die Apotheke sollte daher für die Beratung von Reiserückkehrern mit Krankheitssymptomen gut gerüstet sein.

Schlafprobleme nach Flügen über mehrere Zeitzonen hinweg oder eine Erkältung nach häufig wechselndem Aufenthalt im Freien und in klimatisierten Räumen zählen zu den eher harmlosen „Reiseandenken“. Rückkehrer aus (sub)-tropischen Ländern können jedoch auch mit Erregern schwerer Infektionskrankheiten wie Malaria oder Denguefieber infiziert sein. Bei manchen Erkrankungen machen sich die Symptome erst nach mehreren Wochen bemerkbar; an einen Zusammenhang mit dem Urlaub wird dann kaum noch gedacht.

Tipp

Nicht nur für die medizinische Beratung und Impfungen vor der Reise, sondern auch bei gesundheitlichen Problemen nach der Rückkehr aus (sub)-tropischen Regionen sind die – meist an den Unikliniken angesiedelten - tropenmedizinischen Zentren eine wichtige Anlaufstelle. Eine Liste der in Deutschland tätigen Einrichtungen mit den Kontaktdaten findet sich unter www.die-reise-apotheke.de/tropenmedizinische_zentren.html. Die Kosten für Reiserückkehrer-Untersuchungen werden in der Regel in vollem Umfang von den Krankenkassen übernommen.

Gezielt fragen

Die Frage „Waren Sie kürzlich verreist?“ empfiehlt sich insbesondere bei

  • wiederkehrendem Fieber
  • anhaltenden Verdauungsproblemen,
  • Erschöpfungszuständen
  • juckenden oder schlecht heilenden Stellen auf der Haut, auch auf den Fußsohlen

Bei Fieberschüben sollte immer eine Malaria in Betracht gezogen werden. Eine aktuelle Karte mit den Malaria-Verbreitungsgebieten findet sich z.B. auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG), www.dtg.de. Für Durchfallerkrankungen kommt eine Vielzahl von Erregern infrage (siehe Tab.). Nicht zuletzt können Magen-Darm-Beschwerden auch durch engen Kontakt des Betroffenen mit einer Person, die eine entsprechende Region bereist hat, verursacht sein.

Die häufigsten Reisemitbringsel

Foto: C. Bruhn
„Cook it, peel it or forget it!“ ist die wichtigste Regel, um Durchfallerkrankungen zu vermeiden. Getränke sollen nur aus original verschlossenen Behältnissen und Wasser nur nach Abkochen getrunken werden.

Einer kürzlich veröffentlichten Studie einer australischen Arbeitsgruppe zufolge zählen Magen-Darm-Symptome, Fieber und Hauterkrankungen zu den häufigsten Beschwerden, unter denen Reiserückkehrer leiden. Die Wissenschaftler konnten für ihre Untersuchung Daten von 42.173 erkrankten Reisenden nutzen, die im Zeitraum 2007 bis 2011 durch 53 reisemedizinische Zentren in 24 Ländern in das GeoSentinel Surveillance Network eingegeben worden waren. Die Auswertung ergab, dass Asienreisende am häufigsten (33%) erkrankten, gefolgt von Reisenden nach Afrika südlich der Sahara (27%). Magen-Darm-Infektionen waren mit 34% die häufigsten Erkrankungen in der untersuchten Personengruppe. Infektionen mit Campylobacter, Salmonellen und Shigellen waren dabei am häufigsten bei Rückkehrern aus Südostasien, der Subsahara-Region, dem Mittleren Osten und Nordafrika aufgetreten. Giardien-Infektionen wurden am häufigsten bei Personen, die ihren Urlaub im südlichen Zentralasien verlebt hatten, registriert.

Bei Afrika-Reisenden war Malaria die häufigste Infektion, die Fieber hervorgerufen hatte (29%). Denguefieber dagegen war am häufigsten bei Rückkehrern aus Südostasien, Lateinamerika und der Karibik gemeldet worden. 19,5% der Reisenden hatten Hautsymptome, am häufigsten infolge von Tierbissen, Insektenstichen oder Infektionen. Bei 8% der Hauterkrankungen war Larva migrans cutanea (s. Tab.) als Ursache diagnostiziert worden, bevorzugt bei Reisenden, die aus Südostasien, Afrika südlich der Sahara, Lateinamerika und der Karibik zurückgekehrt waren.

SARS, MERS und SARI

Verwirrende Begriffsvielfalt bei Atemwegserkrankungen

Schwere Atemwegsymptome, verbunden mit Fieber, können nach Reisen nach Asien oder auf die arabische Halbinsel auftreten. Erreger der 2003 durch die WHO definierte Erkrankung SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome) ist das Corona-Virus. 2012 tauchte der Begriff MERS (Middle East Respiratory Infection) auf, der für eine Infektion mit dem Erreger nCoV (novel Coronavirus) steht. Der Begriff SARI (Severe Acute Respiratory Infection) wird für viral bedingte Lungenentzündungen verwendet.

Bei Personen, die sich in ihrem Urlaub eine impfpräventable Erkrankung, z.B. Influenza, Typhus oder Hepatitis A, zugezogen hatten, war nur etwa jeder Fünfte (20%) vor Reiseantritt beim Arzt gewesen. In der Gesamtpopulation hatten nur 40% vor Urlaubsantritt einen Arzt aufgesucht. Hier besteht nach Ansicht der Autoren dringend Verbesserungsbedarf: Viele Erkrankungen könnten durch eine angemessene Beratung, Chemoprophylaxe oder Impfung verhindert werden. 

Quelle

CRM Centrum für Reisemedizin GmbH, Düsseldorf. www.crm.de

Leder K et al. GeoSentinel Surveillance of Illness in Returned Travelers, 2007–2011. Ann Intern Med. (2013) 158(6): 456–468.

Hon KL. Travel Medicine and Infectious Disease. Online 1. Juli 2013, http://dx.doi.org/10.1016/j.tmaid.2013.06.005

Burchard GD et al. Reisediarrhoe. Dtsch Med Wochenschr (2013) 138: 1673–1686.

Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten, Robert Koch-Institut, Berlin (2011), www.rki.de

 

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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