Arzneimittel und Therapie

Sport hilft nicht bei Depression

Bewohner von Altenpflegeheimen ohne Benefit

Bewegung tut in jedem Lebensalter gut. Dennoch gelang es in einer englischen randomisierten kontrollierten Studie bei Bewohnern von Altenpflegeheimen nicht, durch ein zweimal wöchentliches Sportprogramm sowie mehr körperliche Aktivität im Alltag deren depressive Symptome zu verringern.

Bewohner von Altenpflegeheimen leiden häufig unter depressiven Symptomen. Körperliche Aktivität gilt als vielversprechende Möglichkeit, um in dieser Population Depressionen vorzubeugen oder zu lindern. Die Autoren einer randomisierten kontrollierten Studie testeten die Hypothese, dass ein moderates Trainingsprogramm die depressiven Symptome der Senioren positiv beeinflussen könnte.

Sport, mehr Bewegung und Schulung des Personals

78 Pflegeheime im Nordosten von London sowie in Coventry und der Grafschaft Warwickshire wurden in die Studie eingeschlossen. Pro Einrichtung waren zwischen acht und 15 Bewohner über 65 Jahre – insgesamt 891 – Senioren beteiligt. Die Heime wurden einer Interventions- (n = 35) und einer Kontrollgruppe (n = 43) zugeteilt.

In der Interventionsgruppe fand unter Anleitung eines Physiotherapeuten zweimal wöchentlich ein 45-minütiges Gruppentraining mit einfachen, leicht handhabbaren Sportgeräten, unterstützt von geeigneter Musik, statt. Die Übungen wurden, wenn möglich, im Stehen, ansonsten im Sitzen ausgeführt. Außerdem vermittelte man den Teilnehmern und Pflegenden Anregungen, wie sie die körperliche Aktivität im täglichen Leben steigern können.

Das Pflegepersonal in der Interventionsgruppe erhielt zudem eine spezielle Schulung die das Ziel hatte, das Bewusstsein für depressive Erkrankungen zu erhöhen. Hintergrund dafür war sicherlich die Tatsache, dass die entsprechenden Symptome im Alter häufig von somatischen Beschwerden überlagert und daher nicht als solche erkannt werden. Die Schulung beinhaltete unter anderem eine Aufklärung über die Symptome der Krankheit und über Möglichkeiten, die Bewohner zu aktivieren, z.B. durch die Teilnahme an interaktiven Gruppenspielen. Das Pflegepersonal in den Heimen der Kontrollgruppe wurde ebenfalls geschult, sportliche Aktivitäten oder Unterweisungen der Bewohner fanden jedoch nicht statt.

Primärer Studienendpunkt war die Anzahl depressiver Symptome auf der Geriatrischen Depressionsskala (GDS-15). Außerdem wurden weitere Messinstrumente verwendet, wie beispielsweise der Mini-Mental-Status-Test zur Feststellung kognitiver Defizite sowie Tests zur Beurteilung der Lebensqualität (EQ-5D) oder der physischen Leistungsfähigkeit (short physical performance battery, SPPB).

Kein Benefit durch Sport

Der Beobachtungszeitraum betrug 12 Monate. Nach dieser Zeit lag der GDS-15-Score in der Interventionsgruppe geringfügig höher (d.h. schlechter) als in der Kontrollgruppe (0,13, 95% KI -0,33 bis 0,60). Bei den Bewohnern, die schon zu Studienbeginn depressiv waren, betrug der Unterschied 0,22 Punkte (95% KI -0,52 bis 0,05). Damit hatte die Studie klar gezeigt, dass die eingesetzten moderaten Sport- und Bewegungsprogramme ungeeignet waren, um bei den Bewohnern der Altenpflegeheime depressive Symptome zu vermindern.

Enttäuschung bei den Autoren

Die Studienautoren hatten sich von ihrer großangelegten robusten Studie wohl ein positiveres Ergebnis erhofft und ließen in der Diskussion der Ergebnisse ihre Enttäuschung durchblicken. Sie räumten jedoch ein, dass zwei ähnliche Studien aus vergangenen Jahren auch keinen Benefit für depressive bzw. demente Bewohner von Altenpflegeheimen zeigen konnten.

Möglicherweise, so ihre Vermutung, waren die Teilnehmer der Sportprogramme auch nicht mehr fit genug um die angebotenen Übungen effektiv ausführen zu können. Immerhin lag das durchschnittliche Alter zu Studienbeginn bei fast 87 Jahren, viele Teilnehmer konnten nur noch im Sitzen üben. Bei fitteren, kognitiv weniger beeinträchtigen Senioren könnten körperliche Aktivitäten möglicherweise effektiver sein, mutmaßen die Autoren.

Sie schließen nicht aus, dass die Interventionen positive Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System der Teilnehmer gehabt haben könnten. Dieser Effekt wurde jedoch in der Studie nicht gemessen, ebenso wenig wie ein möglicher positiver Einfluss der Interventionen auf die Arbeitsmoral in den Pflegeheimen.

Ein Kommentator der Studie empfahl, in zukünftigen Untersuchungen neue Ansätze auszuprobieren, wie beispielsweise den Einsatz von interaktiven Videospielen, oder auch mehrere Übungsformen miteinander zu kombinieren. 

Quelle

Underwood M, et al. Exercise for depression in elderly residents of care homes: a cluster-randomised controlled trial. Lancet (2013), 382: 41-49. online publiziert am 2. Mai 2013, doi: 10.1016/S0140-6736(13)60649-2.

Steffens DC: Exercise for late-life depression? It depends. Lancet (2013) 382: 4-5, online publiziert am 2. Mai 2013, doi: 10.1016/S0140-6736(13) 60860-0

Bilharz C. Depression im Alter. DAZ (2013) 6: 62–68.

 

Apothekerin Dr. Claudia Bruhn

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