Prisma

Smog kostet 2,5 Milliarden Lebensjahre

(jb). 30 Jahre stellte die chinesische Regierung den Menschen im Norden des Landes kostenlos Kohle zum Heizen zur Verfügung. Heute ist dort die Feinstaubbelastung um ein Vielfaches höher als im Süden.

Chinesen, die im Norden des Riesesreichs leben, sterben im Schnitt fünfeinhalb Jahre früher als ihre Landsleute im Süden. Hochgerechnet auf die 500 Millionen Einwohner der Region ergibt das eine Lebenszeitverkürzung von 2,5 Milliarden Jahren. Ursache ist die hohe Feinstaubbelastung, die nördlich des Flusses Huai mit Werten von durchschnittlich 184 µg/m3 55 Prozent höher ist als im Süden bei ansonsten vergleichbaren Lebensbedingungen. Für ihre Beobachtungen, die sie kürzlich im Fachmagazin PNAS veröffentlichten, werteten die Wissenschaftler Daten aus den Sterberegistern der Jahre 1981 bis 2000 aus. Die Analyse ergab, dass in der Region, die 30 Jahre lang von 1950 bis 1980 im Rahmen eines staatlichen Programmes mit Kohle zum Heizen versorgt wurde (Huai-Fluss-Politik), vermehrt Todesfälle mit kardiorespiratorischer Ursache auftraten. Die Wissenschaftler berechneten, dass jeder Anstieg der Feinstaubbelastung um 100 µg/m3 die Lebenserwartung um drei Jahre verkürzt. Zwar ist hierzulande die Luft erheblich sauberer – der Grenzwert, der nicht öfter als 35 mal im Jahr überschritten werden darf, beträgt 50 µg/m3. Dennoch ergab eine Studie von Greenpeace vom März 2013, dass im Jahre 2010 hiesige Kohlekraftwerke den Menschen 33.000 Lebensjahre raubten.


Quelle: Chen Y et al. PNAS, Published online before print July 8, 2013, doi: 10.1073/pnas.1300018110

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