Tierpharmazie

Hautpilzerkrankungen bei Hund und Katze

Von Sabine Wanderburg | Auch Tiere können an Pilzinfektionen erkranken. Oftmals übertragen sie diese auf Menschen, so dass das Zoonosepotenzial nicht unterschätzt werden sollte. Im Gegensatz zum Menschen ist das klinische Bild sehr variabel. Daher gehören Dermatophytosen bei Tieren – je nach Symptomen – sowohl zu den am häufigsten über- als auch unterdiagnostizierten Hauterkrankungen. Den besten Therapieerfolg verspricht eine Kombination aus topischer und systemischer Therapie sowie Umgebungsbehandlung. Wie beim Menschen auch ist die konsequente Behandlung wichtig, damit es nicht zu Reinfektionen kommt.

Die häufigsten Hautpilzerreger sind Microsporum canis (bei der Katze fast ausschließlich, beim Hund etwa zu 70%), Microsporum gypseum und Trichophyton mentagrophytes. Katzen sind oft asymptomatische Träger und Überträger von M. canis, während T. mentagrophytes vor allem von Nagetieren übertragen wird und M. gypseum sein Reservoir im Boden hat. Die Infektion erfolgt direkt von Tier zu Tier oder indirekt über Vektoren, z. B. Pflegeutensilien, Liegeplätze, Transportkörbe oder Kleidung. Pilzsporen können in der Umgebung bis zu 18 Monate infektiös bleiben. Auch asymptomatische Tiere, zu denen vor allem Langhaarkatzen zählen, können eine Dermatophytose übertragen. Ob ein Kontakt mit Hautpilzen zur Infektion führt, hängt von vielen Faktoren und nicht zuletzt vom Immunsystem des Tieres ab. Prädisponierende Faktoren sind lange Haare bei Katzen, Stress, intensiver und wiederholter Kontakt mit infizierten Tieren, Alter (sehr junge oder alte Tiere), Hautverletzungen, Immunsuppression durch Vorerkrankungen, z. B. feline infektiöse Peritonitis (FIP), feline Leukämie (FeLV-Infektion), feline Immunschwäche (FIV-Infektion), Parasitenbefall, bzw. immunsupprimierende Arzneimittel wie Corticoide und Zytostatika. All diese Faktoren beeinflussen auch die Therapiedauer, so dass ihre Optimierung ein wichtiger Baustein der Behandlung ist.

Abb. 1: Katze mit kreisrunden, sich zentrifugal ausbreitenden haarlosen Stellen am Kopf, hervorgerufen durch Microsporum canis .
Fotos: Renate Hämmerling, Neuburg/Inn

Vielfältige, aber unspezifische Symptome

Leider kommt es bei Hund und Katze oft nicht zu typischen runden, sich zentrifugal ausbreitenden haarlosen Stellen. Zudem fehlt in den meisten Fällen der bei Menschen charakteristische Juckreiz, solange keine bakteriellen Sekundärinfektionen eintreten. Betroffen sind meist Kopf und Vorderbeine. Gerade bei Katzen sind die Symptome oft dezent und unspezifisch. Schuppen, struppiges Fell, vermehrtes "Haaren" oder kleine akneähnliche Papeln bzw. Pusteln sind dann die einzigen sichtbaren Anzeichen. Da selbst "pilztypische" Symptome von einer Demodikose (Befall mit Demodex-Milben) oder einer bakteriellen Follikulitis äußerlich nicht zu unterscheiden sind, ist eine Pilzinfektion keine "Blickdiagnose". Zudem können viele Katzen, besonders Langhaarkatzen, völlig normal und symptomlos aussehen. Bei Hunden kommt es manchmal zu einem Kerion, einer lokalisierten, knotenartigen, erosiven Entzündung, vor allem an Nase und Pfoten. Eine Onychomykose (Pilzinfektion der Krallen) ist selten. Bei Katzen, vor allem Perserkatzen, kommen gelegentlich Pseudomyzetome vor, tiefe Pilzinfektionen mit abszessartigen Veränderungen, die durch Fremdkörperreaktionen auf durch Pilzinfektion zerstörte Haarbälge entstehen.

Glossar


FIP: Die feline Infektiöse Peritonitis (FIP) wird durch das feline Coronavirus (FCoV) ausgelöst. Man unterscheidet die klassische "feuchte" Form mit Aszites oder Pleuraerguss und eine "trockene" Form mit knotigen Veränderungen vor allem im Bauchraum, aber auch in anderen Organen.

FeLV: Das feline Leukämievirus (FeLV) ist ein katzenspezifisches Gamma-Retrovirus, das zur Katzenleukämie führen kann. Das klinische Bild der Erkrankung ist sehr variabel. Ein Teil der Tiere entwickelt bösartige Tumoren des lymphatischen Systems, andere schwere Veränderungen des Blutbilds, Immunschwäche und Nierenerkrankungen.

FIV: Das feline Immundefizienz-Virus (FIV) aus der Familie der Retroviren führt zum Immundefizienzsyndrom der Katzen (umgangssprachlich "Katzen-Aids"). Das Virus schwächt das Immunsystem und löst Folgeerkrankungen aus, die zum Tod führen. Es ähnelt dem Auslöser von Aids beim Menschen, ist aber für diesen ungefährlich.

Sichere Diagnose durch Pilzkultur

Da eine Pilzinfektion bei "pilztypischen" runden, haarlosen Läsionen überdiagnostiziert, bei allen untypischen Verläufen jedoch unterdiagnostiziert wird, ist die Quote der klinischen Fehldiagnosen hoch. Auch der Einsatz einer "Schwarzlicht"-Lampe ist kein sicheres Diagnostikum. Nur etwa die Hälfte aller Microsporum-canis -Stämme fluoresziert grünlich unter der Schwarzlichtlampe, alle anderen Dermatophyten nicht. Zudem können z. B. Salben oder Shampoos zu falschen Resultaten führen. Auch die mikroskopische Untersuchung ausgezupfter Haare birgt Fehlerquellen, so dass das Anlegen einer Pilzkultur die sicherste Nachweismethode ist. Durch die mikroskopische Untersuchung der gewachsenen Pilzkolonien kann zudem die Pilzart differenziert werden.

Abb. 2: Oft sind die Symptome einer Hautpilzinfektion nur dezent und unspezifisch. Schuppen, struppiges Fell, vermehrtes "Haaren" oder kleine akneähnliche Papeln bzw. Pusteln können die einzigen sichtbaren Anzeichen sein und mit anderen Erkrankungen verwechselt werden.

Komplexe Therapie

Bei gesunden Tieren kann es innerhalb von einigen Monaten zu Selbstheilungen kommen. Trotzdem sollte eine diagnostizierte Dermatophytose immer behandelt werden, denn die Ansteckungsgefahr für Menschen und andere Tiere ist groß. Die Kombination von topischer und systemischer Therapie sowie Umgebungsbehandlung verspricht den besten Behandlungserfolg. Wenn oben genannte prädisponierende Faktoren eine Rolle spielen, vor allem in Mehrkatzenhaushalten, Katzenzuchten und Tierheimen, ist eine rigorose Umgebungsbehandlung notwendig, um Pilzinfektionen dauerhaft in den Griff zu bekommen und wiederholte Reinfektionen zu vermeiden.

Topische Therapie reduziert das Ansteckungsrisiko

Eine "punktuelle" Behandlung mit Salben oder Cremes reicht als alleinige Therapie nicht aus, da sich die Pilzsporen nicht nur an veränderten Hautstellen, sondern überall im Fell befinden. Zu empfehlen sind daher Waschbehandlungen des ganzen Tieres. Das Fell sollte vorher eventuell auf einige Millimeter gekürzt (nicht geschoren!) werden. Enilconazol (Imaverol®, Fa. Lilly) ist für Hunde und Pferde zugelassen und auch für Katzen geeignet, wenn diese nach der Waschung einen Halskragen tragen, bis das Fell wieder getrocknet ist, damit sie die Lösung nicht ablecken. Dies soll mögliche Nebenwirkungen wie Speicheln, Anorexie, Gewichtsverlust, Erbrechen, Muskelschwäche und Erhöhung der Alaninaminotransferase (ALT) verhindern. Die Waschbehandlung sollte zweimal wöchentlich über vier bis fünf Wochen durchgeführt werden. Alternativ können mit gutem Erfolg Shampoos mit einer Kombination aus Chlorhexidin (2%) und Miconazol (2%) (Micocep®, Fa. cp-pharma, Malaseb®, Fa. Albrecht) oder Waschlösungen mit Lime sulfur (Calciumpolysulfidmischung, Lime plus Dip®, Fa. DermaPet) verwendet werden. Da die topische Therapie allein selten zu einer klinischen und mykologischen Heilung führt, sollte sie mit einer systemischen Therapie kombiniert werden.

Systemische Therapie eliminiert die Erreger

Itraconazol (Itrafungol®, Fa. Lilly) ist derzeit das einzige in Deutschland für Tiere zugelassene Präparat zur systemischen Behandlung von Pilzinfektionen. Die Zulassung gilt allerdings nur für Katzen. Itraconazol reichert sich in der Epidermis und den Haaren an, so dass eine wöchentliche Pulstherapie (sieben Tage Therapie, sieben Tage Pause, sieben Tage Therapie usw.) durchgeführt werden kann. Es ist Mittel der Wahl zur systemischen Therapie sowohl bei Katzen als auch bei Hunden. Weitere systemisch wirksame Alternativen zeigt die Tabelle. Das über viele Jahre lang eingesetzte Griseofulvin wird heute kaum noch verwendet. Die Therapie sollte so lange durchgeführt werden, bis zwei Kontrolluntersuchungen im Abstand von zwei Wochen negativ sind. Insgesamt muss mit einer Therapiedauer von sechs Wochen bis mehreren Monaten gerechnet werden. Wichtig ist die Behandlung aller empfänglichen Kontakttiere, auch wenn sie asymptomatisch sind, vor allem bei Infektionen mit M. canis.

Systemische Therapie von Pilzerkrankungen.

Wirkstoff
zugelassene
Veterinärpräparate
Dosierung
Nebenwirkungen
Itraconazol
Itrafungol® Lösung
5 mg/kg Körpergewicht täglich über sieben Tage, dann sieben Tage Pause usw. (wöchentliche Pulstherapie)
für Katzen zur Behandlung von M.-canis -Infektionen zugelassen, deutlich weniger Nebenwirkungen als Ketoconazol
Ketoconazol
Hund 10 mg/kg Körpergewicht
gastrointestinale Nebenwirkungen, lebertoxisch, hemmt P450 Enzym CYP3A und P-Glykoprotein, nicht bei Katzen anwenden!
Fluconazol
10 mg/kg Körpergewicht täglich
Terbinafin
20 bis 30 (bis 40) mg/kg Körpergewicht täglich
gastrointestinale Nebenwirkungen, selten erhöhte Leberwerte
Griseofulvin
5 bis 10 mg/kg Körpergewicht täglich, ultramikronisierte Form mit fettreicher Mahlzeit
teratogen, Knochenmarksuppression (besonders bei Katzen mit FIV, FeLV), gastrointestinale Nebenwirkungen
Quelle: Mayer, U. 2011; Rüfenacht, S.; www.vetpharm.uzh.ch

Impfung nur als zusätzliche Maßnahme

Insol® (Fa. Boehringer Ingelheim) ist eine für Pferde, Hunde und Katzen zugelassene inaktivierte Vakzine gegen Infektionen mit Microsporum canis, M. gypseum, Trichophyton mentagrophytes, T. equinum, T. sarkisovii sowie T. verrucosum. Zwei (bis drei) Injektionen im Abstand von jeweils zwei Wochen sollen für neun Monate das Risiko einer klinischen Pilzinfektion reduzieren sowie bei erkrankten Tieren die Abheilung der klinisch sichtbaren Hautveränderungen beschleunigen. Da vakzinierte Tiere jedoch Krankheitsüberträger bleiben, ist die Impfung allenfalls als zusätzliche Maßnahme für Problembestände oder bei Tieren mit starken Läsionen, jedoch nicht zur alleinigen Therapie geeignet.

Umgebungsbehandlung verhindert Reinfektion

Essenzieller Bestandteil einer erfolgreichen Therapie ist die Dekontamination der Umgebung, da es sonst immer wieder zu Reinfektionen kommt. Da die Pilzsporen unter günstigen Bedingungen jahrelang überleben können, ist die gründliche Umgebungsbehandlung wichtig, aber auch schwierig, zeit- und kostenaufwendig. Viele Desinfektionsmittel wirken fungizid, in der Praxis haben sich 0,2% Enilconazol (Imaverol®) und 1:10 verdünnte Chlorbleiche bewährt. Alle Gegenstände, die infektiös sein können, z. B. Spielzeuge, Kratzbäume, Pflegeutensilien, Näpfe oder Decken sollten vernichtet werden, falls sie nicht desinfiziert werden können. Alle Oberflächen sollten gründlich gesaugt und mit einer fungiziden Lösung gewischt werden. Dampfstrahler können verwendet werden, wenn die Temperatur auf der behandelten Oberfläche (nicht bei Austritt aus dem Gerät!) mindestens 43°C beträgt. Das ist bei vielen Geräten nicht der Fall. Ein Problem stellen Teppiche, Vorhänge, Bettzeug und Matratzen dar, wenn sie nicht desinfiziert werden können. Der Umfang der Behandlung und die dabei möglichen Schwierigkeiten sollten bereits im Vorfeld mit dem Tierbesitzer besprochen werden.


Quelle

Rüfenacht S. Dermatophytose bei Hund und Katze – große Unterschiede in Klinik und Therapie. In: Kleintiermedizin 2012; 2, Terra-Verlag Konstanz.

Mayer U. Keine Blickdiagnose – Pilzerkrankungen bei Hund und Katze. In: hundkatzepferd 2011; 3, www.hundkatzepferd.com.

Mayer U. Therapieoptionen – Dermatophytose bei Hund und Katze. In: hundkatzepferd 2011; 4, www.hundkatzepferd.com.

Wichtige Hauterkrankungen, www.tierklinik-birkenfeld.de.

13. Desinfektionsmittelliste der DVG für die Tierhaltung (Stand: Oktober 2012), www.dvg.net.


Anschrift der Verfasserin

Tierärztin Sabine Wanderburg, Seeweg 5a, 23701 Süsel

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