Prisma

Niedriges Gehalt – hoher Blutdruck

(jb). Dass Menschen mit geringerem sozialökonomischem Status häufiger Bluthochdruck haben, wird seit Längerem diskutiert. Eine Untersuchung zeigte jetzt, dass speziell die Höhe des Lohns möglicherweise ein Indikator für das Hypertonierisiko ist.

Laut Arzneimittel-Atlas wurden in Deutschland 14.061 Tagesdosen Antihypertensiva verordnet. Sie verursachten fast 12% der gesamten Gesundheitsausgaben. Als mögliche Risikofaktoren für Bluthochdruck gelten niedriges (Aus-)-Bildungsniveau, schlechte Ernährung, generelles nicht-gesundheitsbewusstes Verhalten und Stress, verursacht durch unsichere Arbeits- und Lebenssituationen. Aufgrund dieser Risikofaktoren sollen Menschen mit niedrigem sozialökonomischem Status häufiger einen Bluthochdruck entwickeln. In der aktuellen Untersuchung wurden Daten der "Panel Study of income Dynamics" ausgewertet, einer Studie, die seit den 60er Jahren verschiedene Daten, wie Einkommen, Ausbildung, Versicherungsstatus US-amerikanischer Haushalte sammelt. Einbezogen wurden 5661 berufstätige Männer und Frauen zwischen 25 und 65. Ihre Löhne lagen zwischen 2,38 und 77 US-Dollar pro Stunde. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, dass jede Verdopplung des Lohnes im Jahr zu 0,6% weniger Hypertoniediagnosen führt. Im Laufe des Erwerbslebens senkt eine Gehaltserhöhung um 100% das Hypertonie-Risiko im Durchschnitt um 16%. Am stärksten profitierten Frauen zwischen 25 und 45 vom höheren Gehalt. Hier betrug die errechnete Risikoreduktion sogar 30 bis 35%. Kein statistisch signifikanter Zusammenhang konnte entgegen früherer Erhebungen zwischen Ausbildungsdauer und Hypertonierisiko festgestellt werden. Die Autoren empfehlen, den Blutdruck von Menschen mit niedrigerem Einkommen in Zukunft engmaschiger zu kontrollieren. Das Einkommen korreliert doch häufig mit dem sozialökonomischen Status. Diese Untersuchung stellt also bisherige Erkenntnisse nicht infrage. Welcher Faktor genau was bedingt, wird wohl weiterhin Gegenstand zahlreicher Untersuchungen bleiben.


Quellen: Leigh JP, Du J. Eur J Public Health. 2012 Dec; 22(6): 854 – 859. Arzneimittel-Atlas 2012



DAZ 2013, Nr. 3, S. 8