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Gedanken zum Leitbild für Apotheker

ADEXA – Die Apothekengewerkschaft setzt sich dafür ein, alle Berufe in öffentlichen Apotheken attraktiv und zukunftssicher zu gestalten. Nachdem die PKA-Ausbildung novelliert wurde und Eckpunkte für die PTA-Ausbildung vorliegen, geht es jetzt um ein neues Leitbild für Apotheker. Das Ziel ist eine stärkere Patientenorientierung. Der Weg dorthin ist umstritten.

In den letzten Jahren hat sich ein Paradigmenwechsel vollzogen: Pharmazeuten sind nicht mehr der verlängerte Arm von Ärzten. Vielmehr greifen sie aktiv ein, um Arzneimitteltherapien optimal zu gestalten: hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen und Wechselwirkungen, aber auch hinsichtlich der Compliance der Patienten. Über solche Aspekte diskutiert die ADEXA-Fachgruppe ApothekerInnen, um ein neues Leitbild aus der Sicht von Angestellten zu entwickeln.

Studium: patientenorientiert statt theorielastig

"Das Studium muss der Tatsache Rechnung tragen, dass sich Berufsbilder weiterentwickeln", fordert ADEXAs Erste Vorsitzende Barbara Neusetzer. Künftig stehen patientenorientierte Konzepte im Mittelpunkt. "Hochschulen thematisieren klinische Pharmazie momentan noch ganz unterschiedlich", ergänzt Fachgruppenleiterin Eva-Maria Plank. Die Inhalte sollten an allen Hochschulstandorten harmonisiert werden.

Auch eine Reform des dritten Ausbildungsabschnitts ist dringend erforderlich, wie eine Umfrage von ADEXA ergab. Viele Teilnehmer waren sowohl mit den begleitenden Unterrichtsveranstaltungen als auch mit der Ausbildung in öffentlichen Apotheken unzufrieden. Ideen gäbe es zur Genüge: "PhiPs könnten beispielsweise mit Arbeitszirkeln durch das praktische Jahr begleitet werden", sagt Plank. In Baden-Württemberg werden bereits Wiedereinsteiger und PhiPs gemeinsam nach diesem Modell unterrichtet.

Approbationsordnung ändern …

Ob die Approbationsordnung angepasst werden sollte, das diskutieren Hochschullehrer zurzeit sehr kontrovers. Prof. Dr. Hartmut Derendorf in Gainesville, Florida, moniert den fehlenden Kontakt von Pharmaziestudierenden mit Patienten, während sie Tag für Tag im Labor stehen und Analysen machen. Er fordert ein effektives Medikationstherapiemanagement (MTM) im ambulanten und stationären Bereich: zum Wohle der Patienten, aber auch, um Kosten zu sparen. Mit diesem Argument könnten Apotheker berechtigte Honorarforderungen gegenüber Krankenkassen vertreten (siehe Bericht in DAZ 2013, Nr. 13, S. 55).

… oder lieber beibehalten?

Prof. Dr. Bernd Clement in Kiel, Vorsitzender des Verbandes der Professoren an pharmazeutischen Hochschulinstituten (VdPPHI), rät von einer Änderung der Approbationsordnung dringend ab und befürchtet sogar "fatale Folgen". Seiner Meinung nach stünde sofort wieder die Fachhochschul- und Bachelor-Master-Diskussion im Raum. Zudem sieht er die Notwendigkeit, sich von anderen Naturwissenschaftlern deutlich abzugrenzen, die schon heute eine starke Konkurrenz in Bereichen wie Analytik, Wirkstoffdesign, Synthese oder Pharmakokinetik sind. Technische Fakultäten hingegen liebäugeln mit der Arzneiformenlehre. Auch Clement sieht die Notwendigkeit patientenorientierter Konzepte, will sie aber in der Weiterbildung realisieren. Fachapotheker für Allgemeinpharmazie sollten aufgewertet werden, was Fragen zur Honorierung durch GKVen aufwirft. "ADEXA hält eine Verankerung im Gehaltstarifvertrag ebenfalls für denkbar", so Barbara Neusetzer.

Weiterentwicklung fördern

Neusetzer weist darauf hin, dass die Diskussion um ein neues Leitbild oftmals aus dem Blickwinkel von Apothekenleitern geführt wird. Ein Trugschluss: Laut ABDA-Zahlen arbeiten derzeit rund 65 Prozent aller Apotheker im Angestelltenverhältnis. "Ich fördere die Aus- und Fortbildung meiner Mitarbeiter", heißt es beispielsweise im Leitbild der Sächsischen Landesapothekerkammer. Arbeitgeber müssen eine Basis schaffen, auf der sich Angestellte entwickeln können – hier bieten sich primär Rahmen- und Gehaltstarifverträge an. Bei aufwendigen Weiterbildungen zum Fachapotheker u. a. sollte auch über neue Honorierungsmodelle für Angestellte nachgedacht werden – schließlich investieren sie dafür viel Zeit und Geld.

Patientenorientierung als Ziel

Mit besserer Ausbildung oder Weiterbildung allein wird es nicht getan sein. In der Praxis lassen sich patientenorientierte Konzepte nur durch weitreichende Änderungen wie das ABDA-KBV-Modell umsetzen – was technisch und berufspolitisch derzeit noch Probleme bereitet. Auch sollten engere Kontakte zu Ärzten geknüpft werden. Apotheker in den USA sind Partner der Ärzte auf Augenhöhe. Sie optimieren die Arzneimitteltherapie und schulen multimorbiden Patienten im Medikationsmanagement. Genau hier stoßen Apotheker in Deutschland noch an ihre Grenze. In den nächsten Jahren werden sie neue Modelle zur Honorierung mit Krankenkassen diskutieren müssen.

Langfristige Planungen

Über Nacht lässt sich kein neues Leitbild erarbeiten und umsetzen. Allen Beteiligten ist klar, dass die Reise in Richtung Patientenorientierung gehen muss. Über welche Pfade die Reise zum Ziel führt, ist eine andere Frage. Auf dem Deutschen Apothekertag 2013 ist für Diskussionen zum Leitbild ein ganzer Tag vorgesehen.


Michael van den Heuvel

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