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Methadon soll Chemotherapie effektiver machen

(cae). Methadon könnte in Kombination mit Chemotherapeutika ein wirksames Krebsmedikament sein. Darauf weisen präklinische Versuche hin. Entsprechende klinische Studien könnten in etwa drei Jahren beginnen.

Claudia Friesen, Leiterin des Molekularbiologischen Forschungslabors am Institut für Rechtsmedizin der Universität Ulm, erforscht seit sechs Jahren in vitro und in Tierversuchen die Wirkung von Opioiden auf Krebszellen, insbesondere Leukämie- und Glioblastomzellen (siehe DAZ 2009, Nr. 43, S. 8). Gegenüber Buprenophin, Fentanyl, Codein und Morphin wies Methadon hinsichtlich Wirkung und unerwünschte Wirkungen das günstigste Profil auf, sodass sich die Forschungen auf diese Substanz konzentrierten.

Ob Opioide eine Apoptose auslösen und damit zytotoxisch wirken, hängt von der Anzahl der Opioidrezeptoren auf der Zelle ab. Krebszellen bilden überdurchschnittlich viele Opioidrezeptoren, sodass hier ein potenzieller Angriffspunkt besteht. Zwar entfalten Opioide allein keine zytotoxischen Wirkungen, wenn sie in therapeutischen Dosen verabreicht werden. Sie können aber die Wirksamkeit von Chemotherapeutika wie Doxorubicin steigern und verlängern. Denn eine Krebszelle, deren Opioidrezeptoren durch Liganden aktiviert sind, nimmt aus ihrer Umgebung eine größere Menge des Chemotherapeutikums auf. Zudem wird die Effluxpumpe, die den Arzneistoff aus der Krebszelle wieder hinausbefördert, gebremst.

Nachdem Methadon an die Opioidrezeptoren gebunden hat, werden inhibitorische G-Protein-gekoppelte Rezeptoren aktiviert, die die Adenylatcyclase hemmen, sodass die Konzentration von zyklischem Adenosinmonophosphat (cAMP) in der Zelle sinkt. Ein niedriger cAMP-Spiegel macht die Zelle empfindlicher für Doxorubicin, sodass die Apoptose leichter eingeleitet wird. Da Doxorubicin bei Leukämiezellen die Bildung neuer Opioidrezeptoren stimuliert, besteht hier ein doppelter Synergismus beider Arzneistoffe.

In Hospizen und Palliativstationen in Westfalen-Lippe wird schwer kranken Krebspatienten heute schon Methadon verabreicht. Ob es sich bei durchschnittlichen Krebspatienten so positiv auswirkt, wie die präklinischen Versuche versprechen, muss eine klinische Studie zeigen. Dabei dürfte auch das Suchtpotenzial von Methadon eine Rolle spielen. Denn obwohl Methadon als Medikament zur Entzugstherapie bekannt ist, macht es bei längerer Einnahme süchtig.


Quelle: Presseinformation des Universitätsklinikums Ulm vom 10. Juni 2013.

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