Arzneimittel und Therapie

Impfung für chronische Schmerzen verantwortlich?

Während noch vor kurzem Australien über Erfolge seines nationalen Impfprogramms im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs berichtet hat, setzt nun Japan überraschend die Empfehlung für eine HPV-Impfung im Rahmen des Japan´s Preventive Vaccination Law aus. Hintergrund sind Berichte über das Auftreten von schweren chronischen Schmerzzuständen in zeitlichem Zusammenhang mit einer HPV-Impfung.

Das japanische Impfprogramm gegen Gebärmutterhalskrebs mit den Impfstoffen Gardasil® und Cervarix® war seit 2010 bis April dieses Jahres propagiert worden. Anlass zur Sorge geben Berichte über das Auftreten schwerer chronische Schmerzsymptome, die möglicherweise mit den HPV-Impfungen in Verbindung stehen könnten. Insgesamt soll es sich um 43 Verdachtsfälle handeln.

Der Cervarix®-Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) spricht in diesem Zusammenhang von dem Verdacht auf ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (complex regional pain Syndrom, CRPS). Ihm liegen dazu für Cervarix® vier Fallberichte aus Japan und sechs Fallberichte aus dem Vereinigten Königreich vor. Diese Meldungen sind vor dem Hintergrund von sechs Millionen vertriebenen Cervarix®-Impfstoffdosen in Japan und acht Millionen im Vereinigten Königreich zu sehen. Die Symptome eines CRPS sind zunächst unspezifisch und können sich unter anderem in brennenden Ruheschmerzen, Schmerzüberempfindlichkeit, Muskelschwäche bis hin zu eingeschränkter Bewegungsfähigkeit äußern. Ein CRPS kann nach einer Nerven- oder Weichteilverletzung auftreten. Verläuft die Heilung nicht störungsfrei, kann ein Circulus vitiosus zwischen Schmerz und überschießender Sympathikusreaktion in Gang gesetzt werden.

In Japan hat Anfang März 2013 ein Zeitungsbericht über ein 14-jähriges Mädchen für großes Aufsehen gesorgt, bei dem ein CRPS in zeitlichem Zusammenhang mit einer HPV-Impfung im Jahr 2009 aufgetreten ist und das jetzt auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Ein Expertenkomitee hatte daraufhin die Datenlage begutachtet und war zu dem Schluss gekommen, dass zwar keine grundlegenden Sicherheitsbedenken vorliegen, aber zusätzliche Daten von den Herstellern notwendig seien. Bei einem zweiten Treffen am 14. Juni 2013 wurde beschlossen, die offizielle Empfehlung für die HPV-Impfung durch die japanischen Behörden solange aufzuheben, bis mehr Informationen über die Ursache und Häufigkeit des chronischer Schmerzzustände vorliegen.

GSK betont, dass das nationale HPV-Programm in Japan nicht gestoppt worden ist. Die Impfstoffe sind weiterhin im Handel. Von Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts wurde mitgeteilt, dass die EMA in engem Kontakt mit den japanischen Behörden steht, um weitere Informationen zu erhalten und gegebenenfalls Maßnahmen zu prüfen. Chronische Schmerzzustände scheinen bislang nicht in Zusammenhang mit einer HPV-Impfung gebracht worden zu sein. In den Fachinformationen werden sie nicht als Impfreaktion aufgeführt.


du

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