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Nach der Honorarrunde ist vor der Honorarrunde

WOLFSBURG (tmb). ABDA-Präsident Friedemann Schmidt nutzte den Niedersächsischen Apothekertag am 9. Juni in Wolfsburg für einen Rück- und Ausblick zur Berufspolitik. Schmidt erklärte die Honorarrunde 2012/2013 für abgeschlossen, zog ein differenziertes Fazit, gab die Richtung für die Zukunft vor und forderte eine breitere Vergütungsbasis. Außerdem antwortete er auf Fragen zu seinen persönlichen Positionen.
ABDA-Präsident Friedemann Schmidt gab auf dem Niedersächsischen Apothekertag einen berufspolitischen Überblick.
Foto: DAZ/tmb

Nach übereinstimmenden Einschätzungen der politischen Akteure sei die Honorarrunde 2012/2013 jetzt beendet. "Das war es für diese Runde", folgerte Schmidt und blickte auf die Ergebnisse. Das Fixhonorar wurde erstmals erhöht, und dies sei seit Jahrzehnten die erste substanzielle Erhöhung gewesen, weil die Apotheker früher nur von höheren Preisen profitiert hätten. Zum Vorwurf, von 2006 bis 2011 Änderungen "verschlafen" zu haben, erinnerte Schmidt an die damaligen Diskussionen zu verschiedenen Honoraraspekten. Diese hätten politische Forderungen nach einer Erhöhung des Fixums damals jeweils unmöglich gemacht. Das Ergebnis der Erhöhung des Fixums ab 2013 könne wegen der angewendeten Berechnungsmethode nicht erfreuen, weil Umsatzsteigerungen vollständig abgezogen wurden. "Wir halten dies für leistungsfeindlich."

Kassenabschlag lieber gesetzlich

Der Kompromiss zum Kassenabschlag sei angesichts der Ausgangslage "nicht nur akzeptabel, sondern erfolgreich", wertete Schmidt. Wer den Kassenabschlag ganz abschaffen wolle, leide unter Realitätsverlust. Denn dies sei kein Großkundenskonto, sondern ein politisch intendiertes Instrument, um einen Abstand zwischen GKV und PKV herzustellen. Die Konsequenz aus dem jüngsten Kompromiss zum Kassenabschlag ist für Schmidt deutlich: Ab 2016 solle es einen gesetzlich festgelegten Abschlag geben. "Das wollen wir gemeinsam vortragen", so Schmidt, denn Kassen und Apotheker wollten sich künftig nicht wieder vor Gericht streiten müssen.

ANSG als Vorbild

Schmidt würdigte das ANSG als gut, obwohl es kompliziert sei. Denn es schaffe erstmals eine Vergütung, die unabhängig von der Abgabe von Packungen ist. Ein Packungsfixum gebe einen falschen Anreiz. "Wir brauchen weitere Anreize für Qualität, Leistung und Sicherstellung", forderte Schmidt. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen erklärte Schmidt für 2014 und die weitere Zukunft: "Wir sollten alles unternehmen für eine Verbreiterung der Vergütungsbasis." Das packungsbezogene Honorar habe strukturell fatale Folgen, denn die Apotheken müssten größer werden, um wirtschaftlich zu sein, und dies könne für die flächendeckende Versorgung nicht gut sein. "Darum brauchen wir neue Vergütungen für Leistungen," folgerte Schmidt.

Als Fazit seines Rückblicks erklärte er: "Es ist schade um jede Apotheke, die das AMNOG nicht überstanden hat." Doch für die verbleibenden Apotheken beschrieb Schmidt auch positive Aspekte. 2011 und 2012 seien wirtschaftlich zwar verlorene Jahre gewesen, aber ordnungspolitisch habe es viele gute Entscheidungen gegeben. Mit Blick auf die künftige politische Entwicklung erklärte Schmidt, die Apotheker würden dafür kämpfen, dass die Verantwortung für Arzneimittel eine apothekerliche Aufgabe bleibe: "Sie ist nicht teilbar und nicht disponibel."

In der anschließenden Diskussion stellte sich Schmidt den Fragen der Apothekertagsteilnehmer und präsentierte sich als authentischer Vertreter klarer Positionen. Auf die Frage nach seiner Einschätzung gegenüber kleinen Apotheken verwies er auf eine Aussage von BAK-Präsident Dr. Andreas Kiefer: "Qualität hängt nicht von der Größe ab." Dem könne er sich anschließen. Schmidt erklärte weiter, er habe bei einer Veranstaltung des Bundes der Pharmaziestudierenden, auf die sich die Frage wohl beziehe, klar zur Selbstständigkeit geraten, weil dies lebenswert sei. Er habe aber auch empfohlen, eine Apotheke solle einen zweiten Apotheker tragen können. Denn die junge Generation habe andere Wertvorstellungen zur Einteilung von Lebens- und Arbeitszeit. 60 Stunden Arbeit pro Woche seien da nicht gefragt. Zu seinen Äußerungen gegenüber dem Berufsnachwuchs erklärte Schmidt: "Junge Apotheker haben Anspruch auf eine ehrliche Antwort, und die habe ich gegeben."

Auf eine Frage nach Schmidts ablehnender Position zum breiten Einsatz von Mikronährstoffen sicherte er zu, dies künftig noch deutlicher als seine persönliche Meinung zu kennzeichnen, erklärte aber auch: "Ich gebe nicht auf, meine eigene Meinung zu haben und zu äußern."

Einen weiteren Bericht zum Niedersächsischen Apothekertag finden Sie unter der Rubrik "Aus den Ländern".

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