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Industrie: Selbstkontrolle nutzt

BERLIN (ks). Mögen die gesetzgeberischen Initiativen gegen korruptives Verhalten im Gesundheitswesen – speziell im Zusammenhang mit Vertragsärzten – auch schleppend voran gehen: In der pharmazeutischen Industrie sieht man mit der seit einigen Jahren etablierten Selbstkontrolle viel gewonnen. Letzte Woche stellte der Verein "Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V." (FSA) seinem Jahresbericht 2012 vor – und zog eine positive Bilanz. Drei rechtskräftige Entscheidungen fällte die Schiedsstelle des FSA.

Im vergangenen Jahr sei das Bewusstsein der Öffentlichkeit, dass eine freiwillige Selbstkontrolle bei der Korruptionsbekämpfung nützlich und notwendig ist, weiter geschärft worden, so der FSA. Anlass gab es schließlich genug: Das Urteil des Bundesgerichtshofs, nach dem Vertragsärzte nach den geltenden Normen des Strafrechts nicht wegen Bestechlichkeit bestraft werden können, sorgte für eine breite öffentlich und politische Debatte. Zudem kündigte im Sommer 2012 der europäische Dachverband der forschenden Pharma-Unternehmen (EFPIA) an, einen Transparenzkodex einzuführen, nach dem künftig alle geldwerten Zuwendungen von Pharmaunternehmen an Ärzte veröffentlicht werden sollen.

Gerade Letzteres ist für den FSA auch im Jahr 2013 ein Thema. Der Verein kündigte an, sich für ein ethisch einwandfreies Pharma-Marketing einzusetzen und den Grundsatz der Transparenz weiter auszubauen. "Die Mitgliedsunternehmen des FSA handeln stets nach der Maxime der Transparenz. Auf die Einführung des Kodex sind sie daher gut vorbereitet", so FSA-Geschäftsführer Dr. Holger Diener. Der FSA beteilige sich aktiv an der Ausgestaltung der Regelungen und sorge dafür, dass der Kodex überwacht und durchgesetzt werde. Der Transparenzkodex soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden.

Fehlverhalten melden!

Der FSA hatte sich 2012 mit einigen Fällen zu befassen, in denen es um möglicherweise nicht mehr tragbare Zuwendungen von Pharmafirmen an Ärzte ging. Dem aktuellen Jahresbericht zufolge wurden im letzten Jahr 22 Beanstandungen vorgelegt, davon zehn durch Mitgliedsunternehmen, vier von der FSA-Geschäftsführung. Acht kamen von Dritten, vier waren anonym – für den FSA eine positive Entwicklung, schließlich hatte er immer wieder auch die Öffentlichkeit aufgefordert, Fehlverhalten zu melden. Bei allen Beanstandungen ging es um Verstöße gegen den FSA-Kodex Fachkreise – etwaige Verstöße gegen den FSA-Kodex Patientenorganisationen wurden hingegen nicht gemeldet.

Bis zum Jahresende waren 19 Verfahren abgeschlossen – fünf davon betrafen Beanstandungen aus dem Vorjahr. In vier Fällen erfolgten Abmahnungen mit anschließender Unterlassungserklärung der Unternehmen. In drei Fällen ergingen Entscheidungen wegen Kodexverstößen. Zwölf Verfahren wurden wegen Unzulässigkeit oder Unbegründetheit eingestellt. Zum 31. Dezember 2012 waren noch acht Verfahren anhängig. Davon, so der FSA, wurden inzwischen sieben Fälle durch Abmahnungen und entsprechende Unterlassungserklärungen beendet.

Der FSA will auch im laufenden Jahr Unternehmen, Ärzteschaft, Patientenorganisationen und Medien auffordern, Fehlverhalten zu melden. Beanstandungen können schnell und unbürokratisch auf der Homepage www.fs-arzneimittelindustrie.de eingereicht werden.

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