Aus den Ländern

Museumsfreunde in Görlitz

Es ist bereits eine über 20-jährige Tradition, dass sich die Mitglieder des Fördervereins des Deutschen Apotheken-Museums alle zwei Jahre in Heidelberg oder einer anderen kulturhistorisch interessanten Stadt Deutschlands zur Mitgliederversammlung treffen. Dieses Jahr hatte der Vorstand vom 26. bis 28. April nach Görlitz eingeladen.
Museumsfreunde vor dem Renaissance-Portal der ehemaligen Rats-Apotheke.
Foto: Graepel

Neuerwerbungen im Museum

Die Mitgliederversammlung fand im Schlesischen Museum statt, das zuvor besichtigt wurde. Der Kassenbericht spiegelte auch die späten Auswirkungen der Wirtschaftskrise der Jahre 2008/09 wider. Die Mitgliederzahl sank leicht auf 434 (Ende 2012). Der Verein kann aber weiterhin mit über 25.000 Euro jährlich das Deutsche Apotheken-Museum unterstützen, das nach dem Bericht seiner Direktorin Dr. Elisabeth Huwer wieder mehrere Exponate erwerben konnte. Zu den Neuzugängen zählen u. a. das Gemälde "Apothekergarten" aus dem Besitz von Johann August Wilhelm Kunitz (1784 – 1859) sowie dessen Porträt und das seiner Frau, eine den heiligen Lukas darstellende Votivtafel aus dem 18. Jahrhundert, ein Goethebrief, die historische Sammlung Asta mit zahlreichen Fayencen und Majoliken, ein Glasfenster, der Nachlass des Morphinentdeckers F. W. Sertürner und das Stammbuch des Mosbacher Apothekers Johann Gottlob Strauß (1806 – 1862) mit Eintragungen von 1821 bis 1830. Gut vorangeschritten ist auch die Inventarisierung des Museums; in der Datenbank sind mittlerweile über 21.000 Datensätze enthalten.

Der Förderverein unterstützte das Museum auch bei der Restaurierung der Figur des Heiligen Sebastian (18. Jh., Sicherung der Farbe), der Offizin der Kronen-Apotheke Ulm (Schellack-Glanz erneuert), von 126 Holzdosen und des Goethe-Briefes. Die Errichtung eines Fotoarbeitsplatzes hat sich nach Aussage der Museumsdirektorin bewährt.

Erfreulicherweise ist im Deutschen Apotheken-Museum weiterhin eine konstant hohe jährliche Besucherzahl von 500.000 bis 600.000 zu verzeichnen.

Ehemalige Rats-Apotheke am Untermarkt mit zwei Sonnenuhren von 1550.
Foto: Graepel

Sehenswertes Görlitz

1071 erstmals erwähnt, ist Görlitz heute die östlichste Stadt Deutschlands und gilt mit fast 4000 denkmalgeschützten Häusern als das "größte Flächendenkmal" der Bundesrepublik. Die im 2. Weltkrieg stark zerstörte Stadt wurde seit 1990 zu 75% restauriert und diente in den letzten drei Jahren als hervorragende Filmkulisse für 72 Filme, darunter auch viele Hollywood-Streifen. Das 1851 errichtete Theater wird als "kleine Semper-Oper" bezeichnet.

Die ersten Apotheker wurden bereits im 14. Jahrhundert erwähnt, die älteste Offizin war die historische Rats-Apotheke; der Bau von etwa 1550 am Untermarkt Ecke Peterstraße ist heute ein Café. Am Obermarkt mit seinen repräsentativen Bauten lag die 1829 gegründete ehemalige Löwen-Apotheke, an die eine Gedenktafel erinnert. Zu erwähnen ist noch die heutige Paracelsus-Apotheke (früher Kronen-Apotheke), deren einstmaliger Besitzer Günther Friedländer (1902 – 1975) nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte und die Produktionsstätte der Firma Teva in Jerusalem aufbaute.

Die meisten Tagungsteilnehmer nahmen an einer Stadtführung sowie an Ausflügen nach Bautzen (bekannt durch seinen Senf; historisches Stadtbild) und nach Zittau (großes Fastentuch von 1472 mit 90 biblischen Szenen) teil. Die nächste Tagung des Fördervereins findet 2015 in Konstanz am Bodensee statt.


Peter Hartwig Graepel

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