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Überstunden in der Ausbildung weit verbreitet

Dass der Berufsnachwuchs in der Apotheke häufig zu Mehrarbeit herangezogen wird (siehe DAZ Nr. 5, S. 81), hat die Auswertung einer Online-Umfrage von ADEXA bestätigt. Über 40% der Teilnehmer – PhiP, PKA-Azubis und PTA-Praktikanten – müssen regelmäßig Überstunden machen, bei 27% kommen so sechs und mehr Stunden pro Monat zusammen. Dabei sind Überstunden in Ausbildungsverhältnissen eigentlich gar nicht erlaubt.

Bei den PhiP und PKA-Azubis gab fast jeder Zweite an, regelmäßig Mehrarbeit leisten zu müssen (jeweils 46%); bei den PTA-Praktikanten betrifft dies 27%.

Traurig, aber wahr: 17% der Befragten antworteten, dass sie keine Vergütung für ihre Mehrarbeit bekommen – weder in Freizeit noch finanziell. Das sind zudem überwiegend Teilnehmer, die relativ viele Überstunden ableisten müssen. "Leider hat sich mein Eindruck von Schulbesuchen bestätigt", sagt Michaela Freudenfeld, Leiterin des ADEXA-Referats Schulen & Unis. "Es gibt offenbar Apothekenleiter, die das Abhängigkeitsverhältnis ihrer Azubis ausnutzen für billige oder gar kostenlose Arbeitsleistung."

Minou Hansen, Rechtsanwältin bei ADEXA und auch Ansprechpartnerin für die Fachschaften, sieht die Arbeitgeber in der Pflicht: "Die angehenden PKA und die PhiP müssen sich neben ihrer Tätigkeit in der Apotheke auch auf Prüfungen vorbereiten. Wir haben in der Apotheke mit 40 Stunden ohnehin einen langen Arbeitstag. Danach muss auch Zeit fürs Lernen bzw. für Familie, Freunde und Freizeit sein."

"Wer seinen Berufsnachwuchs so behandelt, muss sich nicht wundern, wenn dieser so bald wie möglich in andere Bereiche abwandert", mahnt ADEXAs Zweite Vorsitzende Tanja Kratt. "Die Pharmaindustrie ist sicherlich kein Schlaraffenland, aber dort wird hohe Leistung auch angemessen honoriert."

Kratt fordert aber auch die Politik auf, durch dynamisch steigende Honorierung der Apotheken einen Aderlass beim Apothekenpersonal zu verhindern: "Wenn man die öffentliche Apotheke jahrlang schröpft, ist es kein Wunder, dass die Personaldecke gefährlich dünn wird. Trotzdem sollten Apothekenleiter nicht beim schwächsten Glied in der Kette ansetzen. Wer seine Apotheke mithilfe von unbezahlter Mehrarbeit der Auszubildenden sanieren will, ist kein guter Ausbilder und Unternehmer."


Dr. Sigrid Joachimsthaler


Kommentar

Gehaltstarifvertrag: Aussitzen ist keine Strategie


Die Apothekenleiter tun derzeit ihren Mitarbeitern genau das an, was sie der Politik vorwerfen: Sie zögern eine tarifliche Gehaltserhöhung hinaus. Dabei sind sie es, die letztlich die zwei verpatzten Verhandlungsrunden zum Kassenabschlag zu verantworten haben – ebenso wie den verschleppten Beginn des nächsten Schiedsverfahrens. Und auch das jahrelang nicht lautstark monierte Ausbleiben der Dynamisierung ist den Arbeitgebern anzulasten.

Nun gibt es aber immerhin schon die Erhöhung auf 8,35 Euro sowie die Aussicht auf die Notdienstpauschale ab Juli, die in einen vom Kabinett verabschiedeten Gesetzentwurf gegossen worden ist. Wäre es da nicht ein gutes Signal für die Politik, wenn jetzt die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die verdiente Gehaltserhöhung gewähren würden? Was könnte die Berechtigung der Forderungen des DAV besser unterstreichen als solch eine Zukunftsinvestition in das Personal und damit die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung? "Seht her, das machen wir im Vertrauen darauf, dass das ANSG vor der Sommerpause vom Gesetzgeber ratifiziert wird. Und weil wir die berechtigten Forderungen der MitarbeiterInnen anerkennen und dafür Sorge tragen, dass diese in der öffentlichen Apotheke bleiben und nicht in andere lukrativere Arbeitsplätze abwandern."

Ein kluges Argument, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Immerhin geht es um 131.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einer Zukunftsbranche, ohne die die alternde Bevölkerung wirklich "alt aussehen" würde.


Tanja Kratt, ADEXA, 2. Vorsitzende



DAZ 2013, Nr. 15, S. 75

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