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Jedes zweite Präparat ist gefälscht

WIESBADEN (daz). Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) warnt vor dem Kauf von Medikamenten im Internet. Denn jede zweite im Netz verkaufte Arznei sei gefälscht, vermeldete die Gesellschaft am 8. April beim Internisten-Kongress in Wiesbaden. Rund ein Fünftel der Fälschungen enthalte Stoffe, die zu körperlichen Schäden führen können.
Gar nichts oder zu viel Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz warnt, dass die Wirkstoffdosierung von online bestellten Arzneimitteln häufig nicht der Deklaration entspricht. Foto: DAZ/Reimo Schaaf

Angeboten werde alles – von Antibiotika bis zum Krebsmittel. "Diese Medikamente können zum Beispiel gar keinen Wirkstoff haben oder überdosiert sein", warnte Manfred Schubert-Zsilavecz vom Zentrum für Arzneimittelforschung an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Sogar für Experten seien manche Fälschungen kaum vom Original zu unterscheiden. Der Kauf von Medikamenten in den Apotheken sei dagegen überwiegend sicher, so Schubert-Zsilavecz. "Ein Restrisiko gibt es zwar auch da, doch die Gefahrenquelle Nummer eins ist das Internet." Auch wenn es legale Internetapotheken gibt: Es sei zweifelhaft, ob die Patienten die Angebote unterscheiden könnten.

Volker Kerrutt vom Zollkriminalamt in Köln betonte, dass der illegale Handel mit Arzneimitteln zu den lukrativsten kriminellen Einnahmequellen gehöre. Der gewöhnliche Drogenhandel kann bei Gewinnspannen von weit mehr als dem 200-Fachen – etwa für Sildenafil – nicht mithalten. Während jedoch der Rauschgifthandel weltweit verfolgt wird, fehlten bei der Bekämpfung des illegalen Arzneimittelhandels vergleichbare, international vereinbarte Normen, so Kerrutt. Insgesamt gehe die Tendenz beim Internethandel zu den klassischen Medikamenten und zu Dopingmitteln für den Breitensport, wie etwa Anabolika für den Muskelaufbau. Die meisten Produkte kämen aus China, Indien und Thailand. Im vergangenen Jahr hatte der Zollfahndungsdienst in Deutschland insgesamt fast fünf Millionen illegal hergestellte Tabletten und Ampullen sichergestellt, das waren damit deutlich mehr als im Jahr zuvor (3,64 Millionen).

Verbrauchern rät die DGIM, in jedem Fall von der Einnahme abzusehen, wenn einem Arzneimittel der Beipackzettel fehlt. Auch ungewöhnliche Beschaffenheit oder Farbe können auf eine Fälschung hindeuten. Doch die Möglichkeiten der Verbraucher sind begrenzt. Und so will die DGIM der Herstellung und Verbreitung gefälschter Medikamente auch durch eigene Initiative entgegenwirken. "Unser gemeinsames Ziel muss es sein, im deutschen und europäischen Raum Medikamente sicherer zu machen und deren Herkunft zurückverfolgbar zu gestalten", erklärte Dr. Franz-Josef Wingen, Sprecher der Korporativen Mitglieder der DGIM.

Auch die EU plant bekanntlich, bis zum Jahr 2017 zusätzliche Sicherungen einzuführen. Verbände der Arzneimittelhersteller, Großhändler und Apotheker in Deutschland haben deshalb das "securPharm-System" entwickelt: Danach trägt jede Packung eine Seriennummer, codiert in einem quadratischen Data-Matrix-Code. Das Projekt ist zu Jahresbeginn angelaufen.



DAZ 2013, Nr. 15, S. 18

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