Prisma

Cannabis hilft nicht jedem

Patienten mit chronischen Schmerzen, bei denen gängige Wirkstoffe wie Opioide nicht anschlagen, profitieren manchmal von Cannabis, da der Schmerz als erträglicher empfunden wird. Bei anderen zeigt die Rauschdroge bzw. isolierte Inhaltsstoffe keine oder nur eine geringe Wirkung. Hinweise auf mögliche Ursachen fanden britische Wissenschaftler mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie.

In dem verblindeten Experiment cremten zwölf gesunde Männer bestimmte Hautareale mit einer 1%igen Capsaicin-haltigen Creme bzw. einer wirkstofffreien Grundlage ein. Als Schmerzmittel erhielten sie entweder Tabletten mit 15 mg delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) oder ein Placebo. Mit jeder der vier möglichen Kombinationen aus Creme und Tablette führte man Tests durch und erstellte Aufnahmen mittels der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRI). Erwartungsgemäß erzeugte die Capsaicin-haltige Creme bei allen Probanden einen brennenden Schmerz, auch nach der Einnahme von THC. Doch unter delta-9-Tetrahydrocannabinol sah man eine große Variabilität beim Schmerzempfinden. So berichteten sechs der zwölf Probanden unter THC, dass die Schmerzen zwar noch vorhanden, doch deutlich erträglicher seien. Die fMRI-Aufnahmen zeigten bei diesen Teilnehmern eine verminderte Aktivität in Bereichen des limbischen Systems wie dem Gyrus cinguli und der Corpora amygdaloideum. Diese Hirnareale sind zuständig für die emotionale Bewertung und Verarbeitung von Schmerzen. Bei Probanden, die trotz THC-Einnahme der Schmerz quälte, waren diese Bereiche in ihrer Aktivität nicht vermindert. Falls diese Ergebnisse in umfangreicheren Studien mit chronischen Schmerzpatienten bestätigt werden können, wäre es eines Tages möglich vorherzusagen, welche Schmerzpatienten auf Cannabinoide ansprechen, hoffen die Forscher.


Quelle: Lee, C.M.: Pain (2013) 154(1), 124-134; DOI: 10.1016/j.pain.2012.09.017.


cb



DAZ 2013, Nr. 1/2, S. 8

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.