Gesundheitspolitik

Es geht nicht nur ums Sparen

IQWiG-Leiter will Bestandsmarkt weiter prüfen

BERLIN (ks) | Der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Prof. Dr. Jürgen Windeler, hält eine Nutzenbewertung von Arzneimitteln des Bestandsmarktes weiterhin für notwendig. Allerdings weniger aus Kostengründen, sondern weil es im Interesse der Patienten sei, die Spreu vom Weizen zu trennen, sagte er letzte Woche der „Berliner Zeitung“. Es sei zwar vertretbar, dass Union und SPD die Bestandsmarktbewertung in der derzeitigen Form aufgeben wollen – sie müsse aber in einem anderen Rahmen fortgeführt werden.

Der im schwarz-roten Koalitionsvertrag verankerte Plan, die Nutzenbewertung von Arzneimitteln des Bestandsmarktes aufzugeben – also von solchen patentgeschützten Arzneimitteln, die vor dem AMNOG-Stichtag 1. Januar 2011 auf den Markt kamen – ist auf Zuspruch gestoßen. Der Unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken, hatte wiederholt die rechtlichen und praktischen Probleme dieses Instruments beklagt. Die betroffenen pharmazeutischen Unternehmen sind ebenfalls erleichtert. Dennoch: Nicht jeder findet diesen Weg richtig.

Auch Windeler hat seine Bedenken – wenngleich er sich nicht ausdrücklich gegen den Koalitionsvertrag und auch nicht gegen den G-BA stellt. Gegenüber der „Berliner Zeitung“ räumte er ein, dass die Bewertung des Bestandsmarktes aufwendiger sein mag als die frühe Nutzenbewertung neuer Arzneimittel. Dies dürfe aber kein Grund sein, auf sie zu verzichten. Die Pläne von Union und SPD sind für ihn daher „vertretbar, wenn diese Nutzenbewertung dann im Rahmen bestehender oder neu zu schaffender rechtlicher Möglichkeiten erfolgt“. Anders als die Politik suggeriere, gehe es bei der Bestandsmarktbewertung nicht nur darum, Geld einzusparen. „Vielmehr brauchen wir die Bewertung, um erstmals feststellen zu können, ob die vielen zigtausend Arzneimittel auf dem deutschen Markt überhaupt einen Nutzen für die Patienten haben“, so Windeler. Es sei überfällig, diese Überprüfung systematisch anzugehen. „Wir müssen im Interesse der Patienten in der Lage sein, die Spreu vom Weizen zu trennen.“ Bislang mangele es hier an Transparenz.

„Schlechtere Generika brauchen wir nicht“

Die Frage der Kosten sei zwar nicht unwichtig – aber sie sei für die Patienten nicht entscheidend. Daher lässt Windeler auch das Argument nicht gelten, dass sich die Nutzenbewertung angesichts des baldigen Patentablaufs ohnehin nicht lohne. Dann können zwar Generika kommen, die viel günstiger sind. Doch Windeler betont: „Schlechtere Generika brauchen wir auch nicht.“ 

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