Gesundheitspolitik

Andere Strukturen?

Dr. Benjamin Wessinger, DAZ-Chefredaktion

Es ist eine altbekannte Diskussion: Ist die Struktur unserer Berufsvertretung, insbesondere die Institution des "Dachverbandes" ABDA, der die grundlegend unterschiedlichen Rechtskonstrukte der Apothekerkammern und Apothekerverbände vereint, eigentlich (noch) sinnvoll?

Dabei muss man ja gar nicht so weit gehen wie manche Diskutanten in den Online-Foren, die nicht ohne eine gewisse Penetranz die ganze ABDA-Konstruktion als rechtswidrig bezeichnen. Aber hin und wieder zu überlegen, ob einmal gewählte Strukturen noch den Anforderungen genügen, kann sicher nicht schaden.

Der große Vorteil einer Dachorganisation wie der ABDA ist, dass die Apothekerschaft nach außen hin mit einer Stimme spricht. Politiker, Presse und auch andere Interessenvertretungen wissen, wer zuständig ist, wenn es um die Apotheke oder die Apotheker geht. Dieser Vorteil kann aber auch zum Nachteil werden, wenn vor Entscheidungen 34 Apothekerkammern und -verbände einvernehmlich eine gemeinsame Position festlegen müssen. Solche langsamen Entscheidungsfindungen sind in der schnelllebigen Politik- und Medienwelt nicht mehr zeitgemäß.

Dabei ist das Problem gar nicht die konkrete Zahl von 34 Organisationen. Ob sich 34 oder 28 Vorsitzende und Präsidenten abstimmen müssen, dürfte letztlich egal sein. (Wobei man schon die Frage stellen kann, warum es mehr Kammern und Verbände gibt als Bundesländer, und ob nicht einige ganz kleine Bezirke in größeren Einheiten aufgehen könnten.)

Die Frage ist vielmehr, wie man – unabhängig von der Anzahl der Mitgliedsorganisationen und auch unabhängig von der rechtlichen Konstruktion – eine schlagkräftige und professionell arbeitende Interessenvertretung organisiert. Und vielleicht ist "professionell" hier das Zauberwort.

So richtig es ist, dass der ABDA-Präsident als "oberster Apotheker" auch tatsächlich ein Apotheker ist, der die Probleme der Kollegen aus eigener Anschauung kennt, weil er selbst (wenigstens hin und wieder) in der Offizin steht – so muss er doch umso mehr von einer schlagkräftigen, professionellen, hauptamtlichen Truppe unterstützt werden. Und die Mitgliedsorganisationen müssen dieser Truppe die nötige "Beinfreiheit" einräumen.

Eine Diskussion über die Struktur der Standesvertretung könnte, bei allen dringenden aktuellen Problemen, durchaus gewinnbringend sein, wenn deren Arbeit dadurch effektiver wird.


Benjamin Wessinger



AZ 2013, Nr. 4, S. 1

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