Management

Age Management: Zusammenarbeit der Generationen

Toleranz zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern fördern – unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen

Häufig wird bei der Einstellung die jüngere Bewerberin vom Apotheker bevorzugt. Ältere Kollegen in der Apotheke machen sich deshalb so ihre Gedanken, wenn die Jüngere gut ausgebildet und mit neuem Wissen ausgestattet beginnt. Die junge Generation hat andere Fähigkeiten, einen andere Art, Kunden zu beraten und tritt selbstbewusst auf. Die 50-plus-Generation reagiert nachdenklich auf junge Einsteiger und vergisst schnell, welchen Stellenwert "Erfahrung" hat. Beim Vergleich der Generationen stellt man eher fest, was man nicht kann und wo es Defizite gibt. Wenn sich die über Fünfzigjährigen ihrer Stärken bewusst sind, bleibt ihre Motivation und Leistung erhalten. Für den Apotheker heißt es, die Leistungen der Älteren zu betonen, weil sich gerade diese Altersgruppe schnell ausgegrenzt fühlen könnte.

Viele Apotheken haben sich noch zu wenig mit den typischen Merkmalen älterer Mitarbeiter befasst und orientieren sich bei den Anforderungen überwiegend an den Jüngeren. Allerdings haben die Apotheken erkannt, dass ein Mix aus Jüngeren und Älteren die Ideallösung sein wird. Schließlich bringen Ältere mehr Erfahrung mit und große Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem sind sie – gerade wegen des fortgeschrittenen Alters – weniger bereit, sich abwerben zu lassen. Ihre Firmenbindung ist weit größer als in jungen Jahren.

Was Ältere besser können

Mit zunehmendem Alter wachsen ihre Berufserfahrung, aber auch die Urteilsfähigkeit und das selbstständige Denken. Darüber hinaus ist die emotionale Stabilität höher, Jüngere unterliegen stärker Stimmungsschwankungen als ältere. Arbeitsmediziner haben bei Untersuchungen festgestellt, dass mit vorgerücktem Alter das Verantwortungsbewusstsein steigt. Mit den Jahren gewinnen Ältere den Überblick und erfassen Zusammenhänge bei der täglichen Arbeit besser. Mit zunehmendem Alter wächst die Zahl derjenigen, die ihren Gesundheitszustand selbst als "gut" und "sehr gut" einschätzen.

Ältere Mitarbeiter aus Sicht der Kunden

Es kommt darauf an, dass jeder sein Alter akzeptiert, was bei dem Jugendkult im Berufsleben nicht immer leicht ist. Das ist Voraussetzung, damit auch die Kunden Mitarbeiter mit über 50 akzeptieren. Ganz irrig ist die Annahme, dass jüngere Kunden automatisch jüngere Mitarbeiter in der Apotheke bevorzugen. Und genauso falsch ist es, dass die Senioren unter den Kunden immer nur den Rat älterer Mitarbeiter annehmen. Wenn Kunden die Wahl haben, suchen sie sich das bekannte Gesicht aus oder machen es vom Blickkontakt abhängig, an wen sie sich wenden, aber nicht vom Alter der Mitarbeiter.

Leistung im Laufe der Jahre

Wer bei sich selbst nachlassende Fähigkeiten feststellt, darf nicht vergessen, dass andere Fähigkeiten mit dem Alter auch zunehmen (s. Kasten "Das ändert sich im Lauf der Jahre"). Es kommt darauf an, die durch Jahre erworbene Erfahrung auszuspielen und nicht vor der jungen Generation zu resignieren.

Es ist aber auch eine Frage der Toleranz beider Generationen, sich gegenseitig zu akzeptieren. Das negative Gerede der einen Gruppe über die andere trägt nicht zum guten Betriebsklima bei. Dabei stellt jeder hintenherum nur fest, was der andere nicht kann.

Das ändert sich im Lauf der Jahre


Bei älteren Mitarbeitern nehmen diese Eigenschaften zu:

Berufserfahrung, Verantwortungsbewusstsein, Urteilskraft, Ausgeglichenheit, Gesprächsfähigkeit, Sorgfalt und Zuverlässigkeit, selbstständiges Arbeiten.


Bei den Älteren nehmen auch einige Eigenschaften ab:

Sehkraft, Beweglichkeit, Reaktionstempo, Widerstandsfähigkeit gegenüber Dauerbelastung, Kurzzeitgedächtnis, Fähigkeiten, unter Zeitdruck zu arbeiten.

Bedenken vor Neuerungen nehmen

Oft brauchen Ältere bei neuen Produkten längere Eingewöhnung. Wenn gute Einarbeitung geboten wird, steigt die Akzeptanz und die Sicherheit bei der Kundenberatung. Die Lernfähigkeit ändert sich mit zunehmendem Alter. Die Art der Informationsaufnahme ist bei den Älteren anders und dauert etwas länger. Außerdem sind sie kritischer gegenüber neuen Produkten der Pharmazie.

Oft sind es auch die Betroffenen selbst, die sich zu viele Gedanken machen, und Probleme auf sich zukommen sehen, wenn es um etwas Neues geht. Es kommt sehr darauf an, wie der Apotheker seine Mitarbeiter unterstützt und dafür sorgt, dass Jüngere auch die nötige Toleranz zeigen, wenn es um Generationsunterschiede geht.

Die reifen Jahrgänge haben höhere Ansprüche an ihren Arbeitsplatz. Motivation bedeutet ihnen mehr, und die Arbeitszufriedenheit ist oft genauso wichtig wie das Gehalt (s. Kasten "Wer über 50 ist, wünscht sich").

Wer über 50 ist, wünscht sich:


Platz 1: Interessante, abwechslungsreiche Tätigkeit

Platz 2: Gutes Verhältnis zum Apotheker und KollegInnen

Platz 3: Stressfreies Arbeitstempo, ohne Hektik

Platz 4: Selbstständiges Arbeiten ohne dauernde Kontrollen

Platz 5: Guten Kontakt zu Stammkunden

Platz 6: Geringe nervliche Belastung

Platz 7: Gute Arbeitsplatzbedingungen

Platz 8: Einflussnahme auf Entscheidungen

Tipps an den Apotheker

Die eigene Einstellung zum älteren Personal prägt das Verhalten. Wer davon ausgeht, dass Ältere weniger leisten, wird ihnen auch weniger zutrauen und keine anspruchsvollen Aufgaben übertragen. Und die Betreffenden erbringen dann auch tatsächlich weniger Leistung. Für den Apotheker ist das betriebsspezifische Wissen des Älteren am wertvollsten. In altersgemischten Teams kommen die Stärken der Jüngeren und Älteren besonders zur Geltung.

Die Generation 50-plus legt Wert auf gute Beziehungen zu allen und besonders auf Vertrauen in deren Leistungsfähigkeit. Allerdings ist auch eine ausgeglichene Work-Life-Balance von Bedeutung. Wer älter ist, tut sich bei Überstunden oder Krankheitsvertretung schwer, macht dann auch mehr Fehler als jüngere Kollegen. Zusätzliche Belastungen machen nervös, Betroffene sprechen aber nicht darüber.

Älter werden – Meinungen anderer


"Alt ist man, wenn man an der Vergangenheit mehr Freude hat als an der Zukunft."

John Knittel


"Die Jüngeren rennen zwar schneller, aber die Älteren kennen die Abkürzung."

Ursula von der Leyen


"Im Alter versteht man es, Unglücksfälle zu verhüten, in der Jugend sie zu ertragen."

Arthur Schopenhauer


Teilzeitbeschäftigung ist eine gute Möglichkeit, Ältere noch weiter zu beschäftigen. In vielen Fällen gibt es zunächst Widerstand, vor allem, weil kürzere Arbeitszeiten auch mit weniger Einkommen zusammenhängen. Hierbei ist es hilfreich, sich auf andere Apotheken zu beziehen, in denen ältere MitarbeiterInnen auch in Teilzeitarbeit tätig sind. Gleichzeitig heißt es, diesen klarzumachen, dass weniger Arbeit kein Schwächezeichen ist, vielmehr eine neue Herausforderung, an die sich bereits viele Ältere gewöhnt haben. Wenn die Apothekenleiterin oder der Apothekenleiter selbst älter sind, wird es unproblematisch sein, über dieses Thema zu sprechen. Sind sie jedoch viel jünger, tun sich die reiferen Jahrgänge schwer, ihre nachlassenden Fähigkeiten in einem Gespräch zu äußern. Da kommt schnell die Meinung auf, dass man zur Last für die Apotheke wird und nicht mehr ernst genommen wird. Die Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter kann lange erhalten bleiben, wenn die Anforderungen dem Alter angepasst werden.

Bei Stellenangeboten können Apothekenleiterinnen oder -leiter auch Wiedereinsteigern, die meist älter sind, die Chance auf einen Arbeitsplatz bieten. Auch der Hinweis in der Ausschreibung "Teilzeitarbeit möglich" ermutigt Wiedereinsteiger.


Rolf Leicher, Kommunikationstrainer, Oberer Rainweg 67, 69118 Heidelberg,

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