Gesundheitspolitik

Schmidt beantwortet kritische Fragen

Berlin (jz/lk). ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hat auf die in einem Offenen Brief von einigen "Protest-Apothekern" gestellten kritischen Fragen reagiert: In seiner Antwort äußert er sich unter anderem zum neuen Leitbild des Apothekers, den "Frontalangriffen" der Kassen und zur Frage der Honorierung. Zwölf Apotheker um Gabriela Aures und Ann Kathrin Kossendey hatten die ABDA-Führung um Stellungnahme gebeten u. a. zu den kürzlich veröffentlichten Positionen des GKV-Spitzenverbandes über die Relevanz der Apotheken und ihre Rolle für die Arzneimittelsicherheit.

Zum Fortschritt in Sachen "Apotheker 2.0" erklärt Schmidt, dass es keinen festen Termin zur "Fertigstellung" oder "Implementierung" gebe. Die Apothekerschaft beschäftige sich seit 20 Jahren mit der Neuausrichtung des Berufs und dem Ziel, mehr Verantwortung für die Apotheker in der Arzneimittelversorgung zu erreichen. In den letzten 20 Jahren habe es zwar erhebliche Fortschritte gegeben, so Schmidt. Das Ziel sei aber keineswegs erreicht, und es seien weitere Schritte notwendig. Die Arbeitsergebnisse der Arbeitsgruppe Leitbild sollen auf dem Deutschen Apothekertag im September vorgestellt werden, kündigt er an.

Gefragt danach, wie die ABDA gegen die "Frontalangriffe" der GKV vorzugehen gedenke, konstatiert der ABDA-Präsident: "Die Apothekerschaft gegen ‚Frontalangriffe‘ zu verteidigen, ist gut geübte Praxis der Berufsvertretung seit mehr als 100 Jahren." Den Apothekern sei es gelungen, ihre strukturellen und ordnungspolitischen Grundsätze zu verteidigen: "Wir sind heute der einzige klassische freie Beruf mit einem nahezu uneingeschränkt wirksamen Fremdbesitzverbot und verfügen über eine weltweit beispielhafte Apothekenpflicht", schreibt Schmidt – das sei "zweifellos ein Ergebnis erfolgreicher Berufspolitik".

Gleichwohl gesteht er ein: "Dass nun der GKV-Spitzenverband in seinem Positionspapier zur Bundestagswahl sich ausgerechnet zum Fürsprecher eines von der Zeit überholten simplifizierenden Pseudoliberalismus macht, ärgert mich ebenso wie Sie." Auch wenn Schmidt den Wunsch nach einer "martialischen" Reaktion nachvollziehen kann, sollte der Aussage des GKV-Spitzenverbandes seiner Meinung nach gleichwohl nicht "durch lautes Gezeter unverdiente Aufmerksamkeit" verschafft werden. "Diesen Fehler haben wir in der Vergangenheit schon öfter gemacht und sollten ihn nicht wiederholen."

Auf die Frage nach der Rolle der Apotheker in Versorgung und Medikationsmanagement erklärt Schmidt, die Apotheken seien im ambulanten und stationären Bereich die "einzig relevante arzneimittelversorgende Institution in Deutschland" – und das werde auch so bleiben. Das Projekt "Medicheck" zwischen vdek und Hausärzteverband Sachsen-Anhalt sei auch nur "ein weiterer von vielen untauglichen Versuchen", dieses Zukunftsthema zu besetzen. Der "Vorsprung" der Apotheker liege in der Einbeziehung der Selbstmedikation und dem im Vergleich zur Arztpraxis niedrigschwelligeren Zugang. Am meisten profitierten Patienten aber von einer Zusammenarbeit beider Heilberufe, wie sie im ABDA-KBV-Modell erprobt werden solle. Hinsichtlich der Berechtigung einer Honorierung erklärt Schmidt: Nach Kenntnis der ABDA werde keine Leistung des Medikationsmanagements kostenfrei erbracht – zudem sei sie auch keineswegs Bestandteil des in der Apothekenbetriebsordnung fixierten "Pflichtleistungskataloges".

Die kritischen Apotheker wollten von der ABDA zudem wissen, welche (neuen) Aufgabenfelder künftig von den Apotheken besetzt werden sollen und wie die entsprechende Vergütung gewährleistet werden soll. Darauf antwortet Schmidt, dass von der ABDA eine "Alternative zur bisherigen packungsbezogenen Vergütung" nicht erwogen oder angestrebt werde. "Uns geht es um eine Ergänzung des bisherigen Vergütungssystems um konkret leistungsbezogene Elemente." So sollen Anreize zum Ausbau wissensbasierter pharmazeutischer Dienstleistungen gesetzt und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit von Apotheken gesichert werden.

Mit Antwort unzufrieden

Mit den Antworten Schmidts zeigen sich die Autoren des Offenen Briefs wiederum nicht zufrieden. Der ABDA-Präsident habe "leider keine unserer berechtigten und ernst gemeinten Fragen" beantwortet. "Sie und die gesamte Führungsriege der ABDA müssen lernen, dass wir uns nicht mehr mit solchen Beruhigungspillen zufriedengeben. Antworten, die auf einen Placeboeffekt bei den Empfängern hoffen, sind daher obsolet", so die verärgerte Reaktion der "Protest-Apotheker".

Da ihnen sehr an einer konstruktiven Sachdiskussion gelegen sei, erhalte der ABDA-Präsident erneut Gelegenheit, die gestellten Fragen nochmals konkret und mit klaren, nachprüfbaren Aussagen zu beantworten, "wie es sich für den Präsidenten einer Spitzenorganisation, die eine Branche mit Milliardenumsatz vertritt, gehört". Es liege sicher auch im ABDA-Interesse, dass das derzeitige Bild in weiten Teilen der Apothekerschaft von der ABDA als rostigem Tanker, der zu schwerfällig sei, um in einer schnelllebigen Branche agieren (und nicht nur reagieren) zu können, korrigiert werde.

Die Protest-Apotheker fordern, dass die ABDA bis zum Ende des Jahres 2013 einen Zeitplan und ein Konzept vorlegt, gestützt durch eine Umfrage, "wo sich die Kollegen in 5 oder 10 Jahren sehen". Die ABDA solle bis zum diesjährigen Deutschen Apothekertag (DAT) ein Konzept erarbeiten, mit welcher Personalie und mit welchem Budget zukünftig eine Mitarbeit der ABDA im Gemeinsamen Bundesausschuss gesichert werde.

Weiter wird gefordert, dass die ABDA bis Ende des Jahres ein weiteres Konzept vorlegt, wie die Vergütung der Zukunft aussehen könne. Dieses soll gestützt werden durch eine Umfrage, wie sich die Kollegen in Zukunft ihre Honorierung vorstellten: Packungszahl, Fallzahl, Zusatzleistungen, evtl. eine Gebührenordnung? Die ABDA solle auch eine Umfrage unter der Apothekerschaft zum Leitbild durchführen und damit ein Meinungsbild erstellen. Die Basis müsse mit einbezogen werden. Die Umfragen sollen so durchgeführt werden, dass die Ergebnisse auf dem DAT bekannt gegeben werden und bei der angekündigten Generaldebatte "gemeinsam mit allen und für alle diskutiert" werden könnten.

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