Gesundheitspolitik

Gehaltvoll

Dr. Benjamin Wessinger

Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in deutschen Apotheken dürfen sich über ein höheres Gehalt freuen. Die Gewerkschaft ADEXA und der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) haben sich auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Zwar herrscht in Deutschland für Apotheken keine Tarifbindung (das heißt, nur wenn der Apothekenleiter Mitglied des ADA und der Angestellte ADEXA-Mitglied ist, gilt der Tarifvertrag automatisch), aber in sehr vielen Arbeitsverträgen wird auf die Tarifgehälter Bezug genommen. In diesen Fällen steigen die Gehälter nun (siehe nebenstehenden Bericht).

Die Apothekenleiter sind darüber naturgemäß nicht nur begeistert. Viele sehen die erhoffte Besserung der wirtschaftlichen Situation ihrer Apotheke in Gefahr.

Aber muss deswegen gleich in den entsprechenden Internetforen (auch dieser Zeitung) gedroht werden, nun "dank der Gewerkschaft" eben keine Auszubildende mehr einzustellen oder freiwillige Leistungen zu streichen?

Denn eines muss man sagen: Wirklich üppig sind die Gehälter für Apotheken-Angestellte auch nach der jetzigen Erhöhung nicht.

Ein Assistenzarzt in einer kommunalen Klinik verdient im ersten Berufsjahr 3884 Euro monatlich. Eine approbierte Apothekerin kommt nach neuem Tarif auf 3174 Euro. Im vierten Jahr verdient der Assistenzarzt bereits 4488 Euro pro Monat, die Apothekerin liegt dann bei 3275. Ein Oberarzt steigt im ersten Jahr mit 6335 Euro pro Monat ein – ein Gehaltsniveau, das Apotheker im Angestelltenverhältnis nach Gehaltstarifvertrag nicht einmal annähernd erreichen können. Bei 3850 Euro ist Schluss, dieses Gehalt erreichen Apotheker mit elf Berufsjahren.

Die Arbeitgeber müssen die Gehälter ihrer Mitarbeiter wirtschaftlich stemmen können, das steht außer Frage. Ebenso, dass mit der Honorierung der Apotheken etwas nicht stimmen kann, wenn selbst moderate Lohnerhöhungen nicht aufgebracht werden können.

Aber wie wirkt es sich wohl auf die Motivation des Teams aus, wenn nun Apothekenleiter öffentlich mit solcher Vehemenz gegen eine Gehaltserhöhung wettern?

Die Apotheke – jede einzelne und als Branche – steht und fällt mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir werden noch größere Schwierigkeiten bekommen, gute und engagierte junge Leute für den Apothekerberuf zu begeistern, wenn sich die Gehaltsschere zu anderen akademischen Berufen (s. Beispiel oben) weiter öffnet.


Benjamin Wessinger

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