Gesundheitspolitik

Freie Apothekerschaft verärgert über Arzneimittel-Auktionen

Verein beklagt Untätigkeit von Politikern

Berlin (jz). Der Verein "Freie Apothekerschaft" beklagt die Untätigkeit der Politik: Seit Beginn des Jahres beobachte man Auktionen von apotheken- und verschreibungspflichtigen Arzneimitteln auf diversen Auktions- und Anzeigenportalen im Internet. Obwohl zahlreiche Bundestagsmitglieder laufend informiert worden seien, habe es bisher keine Reaktion gegeben – allein Jens Spahn (CDU) habe per Mail "lapidar" mitgeteilt, die Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz seien Ländersache.

Derlei Angebote gibt es immer häufiger – nicht nur bei ebay, auch auf diversen Plattformen. Der Verein entdeckte nach eigenen Angaben bei rund 100 Anzeigen und Auktionen "massive" Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. In etwa zehn Prozent seien Rx-Arzneimittel angeboten und verkauft worden – teilweise gebraucht. "Dieses Vorgehen birgt für die Käufer unkalkulierbare Risiken und Nebenwirkungen", warnen die Apotheker – gesundheitliche Schäden seien vorprogrammiert. In vier besonders gravierenden Fällen habe man bei den zuständigen Staatsanwaltschaften Anzeige erstattet – ein abschließendes Ergebnis stehe derzeit noch aus.

Laufend leitet der Verein die Vorfälle an die Bundestagsausschüsse für Gesundheit, Verbraucherschutz und Recht weiter. Über einen Verteiler werden außerdem Bundestagsabgeordente informiert. Darunter unter anderem Birgitt Bender (Grüne/Bündnis 90), Dr. Carola Reimann (SPD), Dr. Martina Bunge (Die Linke), Daniel Bahr (FDP), Jens Spahn (CDU), Wolfgang Zöller (CSU), Siegfried Kauder (CDU), sowie die Europa-Abgeordneten Dr. Anja Weisgerber (CSU) und Dr. Peter Liese (CDU). Doch bis auf Spahn habe es bisher keine Kontaktaufnahme zur Freien Apothekerschaft oder irgendeine andere Form der Reaktion gegeben, beklagt der Verein.

"Es ist mehr als erstaunlich, dass Apotheken in ihrer täglichen Arbeit mit allen nur möglichen Gesetzen (speziell mit der neuen Apothekenbetriebsordnung) kontrolliert und behindert werden", findet der Zusammenschluss selbstständiger Apotheker – bis hin zu Auflagen bei Umbauten, die finanziell die Existenz kosten könnten. "Bei der Apothekerschaft herrscht blankes Entsetzen über die Ignoranz der politisch Verantwortlichen. Bei einer derartigen Häufung von Gesetzesübertretungen würde jedem Apotheker sofort die Approbation entzogen, die Apotheke würde durch die zuständigen Behörden geschlossen." Onlineportale "scheinen jedoch eine politisch genehmigte Narrenfreiheit zu genießen".

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