Wirtschaft

Boehringer Ingelheim wächst weiter

Umsätze in Deutschland um 1,3 Mrd. Euro gestiegen – Solide Finanzen sichern die Unabhängigkeit

INGELHEIM (hb). Sehr zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2012 gab sich die Geschäftsleitung von Boehringer Ingelheim bei der Jahrespressekonferenz des Konzerns am 24. April 2013 in Ingelheim aufgrund des Wachstums im Markt, des operativen Ergebnisses und der Fortschritte in der Pipeline. Der Fokus des Unternehmens soll auch in Zukunft auf Innovationen aus der eigenen Forschung und Entwicklung und auf dem Erhalt der Unabhängigkeit liegen.

Prof. Dr. Andreas Barner, Vorsitzender der Unternehmensleitung, ist mit dem Geschäftsjahr 2012 zufrieden.

Nach Darlegung von Prof. Dr. Andreas Barner, Vorsitzender der Unternehmensleitung und Leiter der Unternehmensbereiche Personal und Forschung, Entwicklung und Medizin, hat Boehringer Ingelheim das letzte Jahr mit einem Anstieg der Umsatzerlöse um + 11,5% (währungsbereinigt + 6,3%) auf 14,7 Mrd. Euro abgeschlossen. Das Betriebsergebnis beläuft sich auf 1,853 Mrd. Euro, was einer Umsatzrendite von 12,6% entspricht. Der Rückgang der Erträge gegenüber dem Vorjahr (2,272 Mrd. Euro) wurde maßgeblich von Einmaleffekten verursacht. So wurden die Gesamtaufwendungen in Forschung und Entwicklung in 2012 noch einmal um mehr als + 11% auf insgesamt knapp 2,8 Mrd. Euro gesteigert (19% der Umsatzerlöse). In Sachanlagen hat das Unternehmen im vergangenen Jahr 562 Mio. Euro investiert, 23% mehr als 2011. Nach Zahlen von IMS bleibt Boehringer Ingelheim nicht nur das größte pharmazeutische Unternehmen Deutschlands (global Rang 13) sondern auch eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen weltweit.

Grundsolide finanziert

Wie der Leiter des Unternehmensbereichs Finanzen, Hubertus von Baumbach, bekräftigte, sollen eine solide Eigenkapitalstruktur und Finanzierung die Unabhängigkeit des Unternehmensverbandes Boehringer Ingelheim auch in Zukunft sichern. Für das vergangene Jahr weist der Konzern 6,2 Mrd. Euro EUR Eigenkapital, eine Eigenkapitalquote von 35,7% aus.

Plus 7,1% im Rx-Sektor

Das Wachstum im Jahr 2012 wurde zwar vom gesamten Produktportfolio getragen, stärkste Säule des Konzernumsatzes sind mit einem Anteil von 78% jedoch die verschreibungspflichtigen Medikamente. Die Erlöse stiegen hier von 10,1 Mrd. Euro auf nun 11,4 Mrd. Euro (währungsbereinigt +7,1%). Basis dieses Erfolges waren vor allem die beiden Neueinführungen Pradaxa und Trajenta (siehe auch Tabelle 1).



Mit Pradaxa wurden in allen zugelassenen Indikationen in über 90 Ländern bis jetzt mehr als 1,6 Mio. Patientenjahre an Erfahrung gesammelt und damit die größte klinische Erfahrung unter allen neuartigen oralen Gerinnungshemmern. Trajenta zur Therapie des Typ-2-Diabetes wird zwar mittlerweile in 40 Ländern rund um die Welt vertrieben, nicht aber in Deutschland, da der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entschieden hat, den Zusatznutzen des Präparates nicht anzuerkennen und die Festlegung eines Erstattungspreises auf dem Niveau generischer Sulfonylharnstoffe laut Barner für ein forschendes Pharmaunternehmen wirtschaftlich nicht darstellbar ist. "Wir können nicht in Deutschland mit deutschem Kostenniveau forschen und zu griechischen Preisen verkaufen," sagte Barner.

Auch OTC wächst

Auch das Geschäft mit nicht rezeptpflichtigen Arzneimitteln ist weiter gewachsen: Mit einem beachtlichen Anstieg von währungsbereinigt + 4,7% und Umsatzerlösen von 1,5 Mrd. Euro macht der OTC Sektor mittlerweile einen Anteil von 10% der Umsatzerlöse des Unternehmens aus und sichert Boehringer Ingelheim weltweit den 7. Platz in der Selbstmedikation. Zu den Spitzen-Marken siehe Tabelle 2.


Tabelle 2: Internationale OTC-Kernmarken

Präparat
Marktposition
Umsatzerlös
in 2012 in Euro
Wachstum
gegenüber dem Vorjahr
Buscopan
1
212 Mio.
+ 18,2%
Dulcolax
1
193 Mio.
+ 8,5%
Mucosolvan
2
166 Mio.
+ 2,1%
Pharmaton
2
136 Mio.
- 2,0%
Bisolvon
3
107 Mio.
+ 6,8%

Tiergesundheit und Biopharmazeutika

Im Geschäft mit Produkten der Tiergesundheit konnte im Jahr 2012 erstmals Umsätze von über 1 Mrd. Euro erwirtschaftet werden (währungsbereinigt + 3,8% gegenüber dem Vorjahr). Boehringer Ingelheim behauptet sich in diesem Markt mit einem Marktanteil von 5,9% auf dem sechsten Rang.

In dem aus drei Säulen bestehenden Geschäftsbereich Biopharmazeutika, Auftragsfertigung, Entwicklung neuer biologischer Wirkstoffe aus der eigenen Forschung sowie Biosimilars wurden in 2012 ausschließlich Erlöse aus der Auftragsfertigung erzielt. Bei einem Wachstum von +5,8% erreichte das Biopharmazeutika-Geschäft Jahresumsätze von 549 Mio. Euro (4% der Konzernumsätze).

Bekenntnis zum Standort Deutschland

Boehringer Ingelheim zählt zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen weltweit.Hier die Konzernzentrale in Ingelheim.
Fotos: H. Blasius

Was die Umsatzerlöse nach Regionen anbelangt, so liegt der Schwerpunkt weiterhin auf den etablierten Märkten USA, Japan und Deutschland (knapp 60% der Gesamtumsätze). Die Umsätze in Deutschland stiegen auf 1,3 Mrd. Euro (+ 8,7%), in Japan auf 2,1 Mrd. Euro (+ 15,3%) und in den USA auf 5,6 Mrd. Euro (+ 15,1%). Obwohl Boehringer Ingelheim mittlerweile mehr als 90% seiner Umsätze im Ausland erwirtschaftet, bleibt das Bekenntnis zum Standort Deutschland ungebrochen. Hierzulande werden ca. 42% aller Gesamtinvestitionen getätigt, und mehr als 50% der Forschungs-und nicht klinischen Entwicklungsausgaben fallen in Deutschland an.

Highlights aus der Pipeline

Im Jahr 2013 plant Boehringer Ingelheim, mit Afatinib einen neuen Wirkstoff zur Behandlung von Lungenkrebs in den Markt einzuführen. Neben Diabetes soll die Onkologie die zweite neue medizinische Säule des Unternehmens werden. Weitere Neueinführungen mit hohem therapeutischem Fortschritt sind in onkologischen Indikationen (Nintedanib, Volasertib) sowie für Asthma (Tiotropium), COPD (Olodaterol, Olodaterol plus Tiotropium) und Diabetes (Empagliflozin) und Hepatitis-C (Faldaprevir, BI 207127) geplant. Auch Optionen zur Behandlung seltener Krankheiten wie der idiopathischen Lungenfibrose (Nintedanib) befinden sich in der Pipeline. Bis zum Jahr 2017 soll etwa die Hälfte des Umsatzes mit neuen Produkten erzielt werden.

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