Gesundheitspolitik

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön

Andreas Kaapke

Immer wieder stehen in Kleinstunternehmen Fragen an, ob es sinnvoll ist, einen Betriebsausflug zu organisieren. Insbesondere im Einzelhandel und damit auch in Apotheken ist dies deshalb nicht einfach, da die Öffnungszeiten insgesamt einem Betriebsausflug nicht gerade in die Karten spielen. An sechs Tagen in der Woche haben Apotheken in der Regel geöffnet. Sollte die Apotheke nicht – wie es immer noch vorkommt – an einem Nachmittag in der Woche geschlossen haben, müsste eigens zum Zweck des Ausfluges das Ladenlokal geschlossen werden. Aber soll man deshalb auf etwas verzichten, weil es schwer ist und einen höheren Aufwand bedingt?

Denn bekannt ist auch, dass ein Betriebsausflug in der Regel den Zusammenhalt im Team stärkt und es ermöglicht, auch mal mehr über den Kollegen und die Kollegin zu erfahren. Aber einen Sonntag zu nehmen, kostet viele Mitarbeiter Überwindung. Nicht weil sie in Sorge sind, dass dann noch ein weiterer Tag verloren ginge – hier kann der Apothekenleiter ja für einen Stunden-Ausgleich sorgen – sondern weil es der einzige freie Tag ist, der der Familie oder Freunden vorbehalten bleibt. Einige Befürworter empfehlen deshalb dem Apothekenleiter, die Familien der Beschäftigten mit einzuladen. Dann verpufft aber die Idee der Teambildung, da erfahrungsgemäß eher die Familie im Fokus des Bediensteten steht als die Kolleginnen und Kollegen.

Manch einer kompensiert den schwer zu organisierenden Betriebsausflug, indem er, anstatt einen großen Tagesausflug anzubieten, vier Mal im Jahr zum Essen einlädt und dies die sogenannten "Quartalsrunden" nennt. Eine gute Idee, denn ein Abend nach Ladenschluss ist für alle machbar und wenn die Termine lange genug vorher angegeben wurden, sind diese Meetings auch für jeden einplanbar. Aufpassen muss man hier nur, dass man nicht immer den gleichen Wochentag nimmt, denn manche Mitarbeiter engagieren sich in Vereinen, sei es in Orchestern, Sportvereinen oder auch in Kirchengemeinden, so dass man immer am gleichen Tag stattfindende Essen zulasten einzelner Mitarbeiter anbieten würde.

Besonders wichtig ist es, dass der Apothekenleiter bei dem Event dabei ist. So er eine Familie hat, kann diese auch gerne dazu stoßen, weil es praktisch als Hommage an die Mitarbeiter gewertet wird, wenn Frau/Mann und gegebenenfalls Kind(er) mit am Start sind. Die gesamte Unternehmerfamilie gibt sich quasi die Ehre – gut so.

Will man es nicht beim Essen belassen, kann auch ein Theater-, Kino- oder sonstiger Eventbesuch auf dem Programm stehen. Aber auch hier muss bedacht sein, dass das der Teambildung nur eingeschränkt dient. Denn egal welches kulturelle Highlight ansteht, gesprochen werden kann dort nicht und dies sollte ja gerade nicht zu kurz kommen. Eine Kombination aus Kulturevent und Essen ist manch einem Mitarbeiter nach getaner Arbeit zu viel, also muss sich der Apothekenleiter entscheiden.

Hilfreich ist eine Weihnachtsfeier oder als Alternative eine Jahresauftaktfeier, weil sie alle nochmals einschwört, entweder auf der Grundlage des abgelaufenen Jahres sich Ziele für das Folgejahr zu setzen oder zu Beginn des anstehenden Jahres, um sich gegenseitig zu motivieren. Aber eines sollte dem Inhaber klar sein: Solche Veranstaltungen dienen auf keinen Fall dazu, Kritik und Frust abzulassen, dies wäre eine völlig verfehlte Plattform. Natürlich darf auch das eine oder andere selbstkritische Wort fallen und es soll nicht alles glattgebügelt werden, was Falten wirft, aber eine Feier ist eine Feier und sollte als solche auch genutzt werden. Es gibt im apothekerlichen Alltag genug Gelegenheiten, Verbesserungspotenziale im Team oder bei Einzelnen anzusprechen und anzumahnen.

Und solche Veranstaltungen sollten liebevoll geplant werden. Keiner möchte abgefertigt werden. Es ist besser, gar keinen Betriebsausflug (bzw. Alternativveranstaltung) durchzuführen als eine, bei der man spürt, dass es eher eine Belastung darstellt. Manchmal reicht es, wenn der Chef für alle kocht, eine Bowle ausgibt oder einen Glühwein braut.

Deshalb kann die Empfehlung nur heißen, sich etwas für die Mitarbeiter auszudenken. Denn sie sind das Kapital der Apotheke und müssen wertgeschätzt und mit solchen Maßnahmen motiviert werden. Mitarbeiter sind sehr sensibel, was derlei Maßnahmen anbetrifft und können sehr wohl erahnen, ob etwas mit Herz oder etwas nur aus Kalkül heraus angeboten wird. Und dann muss es auch keine Seefahrt sein!


Andreas Kaapke

Andreas Kaapke ist Professor für Handelsmanagement und Handelsmarketing an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Stuttgart, und Inhaber des Beratungsunternehmens Prof. Kaapke Projekte. E-Mail: a.kaapke@kaapke-projekte.de



AZ 2013, Nr. 13/14, S. 2

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