Gesundheitspolitik

Aktionstag: Viele Apotheken zogen mit

Kammern und Verbände zufrieden – Stadtapotheken blieben vielfach offen

Berlin (jz/diz). Apotheker in ganz Deutschland haben am 28. Februar für eine höhere Notdienstvergütung protestiert. Die ABDA hatte dazu aufgerufen, den Service zwischen 12 und 13 Uhr auf den Klappendienst zu beschränken, um über die schlechte finanzielle Vergütung des Notdienstes aufzuklären. Anders als bei den Protesten im letzten Jahr zeigten die Apotheker diesmal ein einheitlicheres und ein geschlosseneres Erscheinungsbild. "Die Apotheker sind bereit, im Interesse ihrer Patienten um den Nacht- und Notdienst zu kämpfen", bilanzierte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt den Aktionstag.

Leipzig: ABDA-Präsident Friedemann Schmidt erklärt den interessierten Apothekenkunden die Protestaktion.
Foto: ABDA

Zwar war der Protest in den einzelnen Bezirken verschiedentlich ausgeprägt was Dauer und Ausführung anbelangt – eine Stunde, zwei Stunden oder gar einen ganzen Vor- oder Nachmittag, vom Klappendienst über den Aushang von Plakaten bis hin zur Aufklärung der Kunden ohne Apothekenschließung. Die von Kammern und Verbänden gemeldeten Beteiligungszahlen zeigen aber ein Bild der Geschlossenheit: Teilnahmequoten von 70 Prozent (Bremen und Hamburg), 80 bis 90 Prozent (Baden-Württemberg), 85 bis 90 Prozent (Brandenburg), 90 bis hin zu 100 Prozent in einzelnen Gebieten des Saarlands und Thüringen. Überall in Deutschland wurden die Kunden auf das Anliegen der Apotheker hingewiesen – besonders in den ländlichen Regionen.


Berlin: Klappendienst in der Apotheke am Wittenbergplatz.
Foto: AZ/Sket

Kunden zeigen Verständnis

"Was, nur 2,50 Euro verdienen Sie zusätzlich, wenn Sie mir nachts ein Medikament geben? Dafür würde ich nicht aufstehen." Mit diesen und ähnlichen Sätzen zeigten die Patienten nach Angaben der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt Verständnis für die Apotheken-Aktion. Kunden in Nordrhein drückten laut Kammer und Verband die Daumen, dass der Protest etwas bewirken und die Apotheker damit etwas erreichen werden. Einer soll sogar haben: "Wir Kunden sollten uns wirklich beschweren beim Gesetzgeber, dass da nichts passiert." Auch gegenüber der AZ betonten mehrere Kunden vor teilnehmenden Berliner Apotheken, sie hätten Verständnis für die Aktion: "Sollen Sie ruhig einfordern, dass sie ordentlich bezahlt werden."


Dr. Jens-Andreas Münch, Präsident der AK Sachsen-Anhalt, im Gespräch mit Patienten.
Foto: AK Sachsen-Anhalt

Stadtapotheken eher kritisch

Doch nicht alle Apotheken beteiligten sich an der Protestaktion – in den Städten, besonders den größeren, wurde offenbar weniger mitgemacht als in der Fläche. Center-Apotheken verwiesen auf ihre vertraglichen Pflichten. Und auch sonst gab es unterschiedliche Gründe: So wurde auf den Kollegen verwiesen, der bereits im Vorfeld angekündigt habe, sich nicht zu beteiligen. Beklagt wurde auch die mangelnde Solidarität: Man könne die Apotheke nicht schließen und nur durch die Klappe bedienen, wenn die nächste Apotheke in 200 Meter Entfernung geöffnet hatte. Kein Kunde habe dafür Verständnis, wenn er nicht hineingelassen werde.


Duisburg: Auch bei Apotheker Heinz Hillen wurden die Kunden zur Mittagzeit nur noch an der Apothekentür bedient.
Foto: AK Nordrhein

Ein weiteres Argument: Warum jetzt noch einen solchen Warnstreik, wenn man sich bereits auf die Notdienstpauschale geeinigt habe? Darüber hinaus gab es Kritik an der Umsetzung der Aktion. So kritisierte eine Berliner Apothekerin, gerade zur Mittagszeit nehme sich in einer Großstadt niemand die Zeit, die Plakate zu lesen – die Kunden seien daher wegen der geschlossenen Türen einfach vorbei gelaufen. Eine andere beklagte, die Plakate seien für Kunden einfach nicht verständlich. Zudem habe sie die Sorge, die Apothekerschaft könnte durch die Aktion als geldgierig dastehen.




AZ 2013, Nr. 10, S. 1

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