Prisma

Warum der Mittelfinger "auf der Leitung steht"

Jeder Körperteil besitzt im Gehirn einen eigenen Nervenzellbereich – im Kopf ist also eine komplette Karte des Körpers gespeichert. Die Bedeutung dieser Karten ist noch weitgehend unklar. Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben nun ein wenig Licht ins Dunkel gebracht.

Ein Team um Priv.-Doz. Dr. Hubert Dinse untersuchte die Karte hinsichtlich der Fingerfunktionalität. Sie konnten belegen, dass hemmende Einflüsse benachbarter "Fingernervenzellen" die Reaktionszeit eines Fingers beeinflussen. Finger am Rand – also Daumen und kleiner Finger – reagieren deswegen schneller als der Mittelfinger, der dem "Störfeuer" von je zwei Nachbarn pro Seite ausgesetzt ist. Durch gezieltes Lernen lässt sich dieser Geschwindigkeitsnachteil jedoch ausgleichen.

Die Bochumer Arbeiten stellen erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen den sog. lateralen Inhibitionsprozessen und Entscheidungsprozessen her. Sie zeigen, dass Lernprozesse, die kortikale Karten verändern, weitreichende Auswirkungen nicht nur für einfache Unterscheidungsaufgaben, sondern für Entscheidungsprozesse haben können, die bisher sog. "höheren" kortikalen Arealen zugeschrieben wurden.


ral


Quelle: Wilimzig, C. et al.: PNAS, Online-Vorabpublikation, DOI: 10.1073/pnas.1114250109



DAZ 2012, Nr. 6, S. 6

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