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Forum Beruf in Bonn

Wohin nach dem Pharmaziestudium?

Etwa 150 Pharmaziestudierende besuchten am 11. Januar das "Forum Beruf" in Bonn, um Orientierungshilfen beim Einstieg ins Berufsleben zu erhalten. Zehn Apotheker stellten ihnen ihre jeweiligen Tätigkeiten kurz vor und gingen dabei u. a. auf folgende Aspekte ein: persönliche Qualifikation, Nutzen einer Promotion, eventuelle Teilzeitbeschäftigung, Konkurrenz durch andere Berufe und Chancen im künftigen Gesundheitswesen.

Sie gaben gute Tipps: Kammerpräsident Lutz Engelen, Dr. Hubertus Folttmann, Nicole Hohn, Dr. Hans-Jürgen Hamann, Prof. Dr. Ulrich Jaehde, Manfred Krüger, Benjamin Seibt, Dr. Armin Hoffmann (von links). Foto: Wolfgang Beckers

Zu Beginn erläuterte Prof. Dr. Ulrich Jaehde, Bonn, die Vorteile einer Mitgliedschaft in der DPhG. Dann referierten Kammerpräsident Lutz Engelen und Manfred Krüger, beide Leiter einer öffentlichen Apotheke, über die Chancen in der Offizinpharmazie.

Öffentliche Apotheke

"Füllen auch Sie das Leistungsversprechen des roten Apotheken-A mit Leben!", forderte Engelen den beruflichen Nachwuchs auf. Der demografische Wandel sei für Apotheker die große Herausforderung der Zukunft. Aufgrund der Multimedikation leiden ältere Menschen relativ häufig unter arzneimittelbezogenen Problemen und erwarten Hilfe in der Apotheke. Der Apotheker müsse sein im Studium erworbenes klinisch-pharmazeutisches Fachwissen durch Weiterbildung ausbauen. Laut einer aktuellen und repräsentativen Studie des Instituts für Handelsforschung wünschen die meisten Patienten eine individualisierte, kompetente und wohnortnahe pharmazeutische Versorgung.

Krüger sprach sehr offen über die ökonomischen Probleme – "die raue Wirklichkeit" – der Offizinpharmazie. Der Wettbewerb werde immer härter, und der Versandhandel nehme zu. Andererseits seien das Medikationsmanagement und indikationsbezogene, spezialisierte Dienstleistungen zukunftsträchtige Aufgaben der öffentlichen Apotheke. Die Mitarbeiter benötigen außer fachlichen Kenntnissen ein gutes Kommunikationsvermögen, Teamfähigkeit, Führungseigenschaften sowie betriebswirtschaftliche und Marketing-Kenntnisse.


Was ist Forum Beruf?


Die Apothekerkammer Nordrhein, die Regionalgruppe Rheinland der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) und das Alumni-Netzwerk der Universität Bonn veranstalten das Forum Beruf einmal jährlich abwechselnd an den Universitäten Bonn und Düsseldorf.

Krankenhausapotheke

"Hier ist kein Tag wie der andere", berichtete Krankenhausapothekerin Nicole Hohn, Aachen. Auch in großen Kliniken arbeite niemand nur in seinem Spezialgebiet. Jeder müsse die Aufgabengebiete Arzneimittelausgabe und -information, Rezeptur/Defektur, Sterilherstellung, Zytostatikaabteilung, Analytik und Tätigkeit auf Station kennenlernen, um flexibel einsetzbar zu sein. Durch kompetente Arzneimittelinformation könne man die Ärzte entlasten. Auch die Bereiche Pharmakovigilanz und Pharmakoökonomie spielen im Krankenhaus eine wichtige Rolle. Die Mitarbeit bei klinischen Studien sowie an Leitlinien ist möglich.

Im persönlichen Gespräch beantworteten die Referenten viele Fragen. Foto: Wolfgang Beckers

Industrie

"Apotheker sind gute Projektmanager", so die Erfahrung von Dr. Hans-Jürgen Hamann, Bayer Animal Health GmbH. Als naturwissenschaftlicher Generalist könne der Apotheker sich gut in neue Zusammenhänge einarbeiten, die Hintergründe schnell verstehen und interdisziplinäre Teams gut moderieren. Viele Apotheker arbeiten in der Qualitätssicherung, der Arzneimittelherstellung oder der Entwicklung von Arzneiformen, während in der Analytik, Zulassung und medizinisch-wissenschaftlichen Information eine höhere Konkurrenz durch andere Berufsgruppen besteht. Insgesamt bewertete Hamann die Beschäftigungssituation für Apotheker in der pharmazeutischen Industrie als gut. Eine Promotion ist wünschenswert. Gute Englischkenntnisse sind ebenso gefragt wie Flexibilität und Organisationstalent.

Zulassung usw.

"Gute Aussichten" gebe es auch im Bereich Regulatory Affairs", so Dr. Annette Koggel von der Firma Lohmann & Rauscher. Sie schilderte die Aufgaben der Abteilung Medical & Regulatory Affairs für Medizinprodukte: In der Pre-market-Phase sind die regulatorischen Anforderungen einzuhalten sowie klinische Studien zu organisieren und durchzuführen. In der On-market-Phase gibt die Abteilung den wissenschaftlichen Input für Broschüren und Schulungen, und in der Post-market-Phase beantwortet sie Fragen von Kunden und Behörden und fungiert als Sicherheitsbeauftragte.

Tätigkeiten bei einer KV

Dr. Holger Neye, Leiter der Pharmakotherapieberatung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein, meinte: "Apotheker sollten in möglichst vielen Nischen vertreten sein." Wenn es z. B. darum geht, mit den Krankenkassen einen Vertrag zur Verbesserung der Versorgung von Osteoporosepatienten auszuhandeln, sollten auch Apotheker mit ihrem Fachwissen beteiligt sein. Apotheker bei einer kassenärztlichen Vereinigung beraten u. a. die KV-Ärzte bei der sinnvollen Verordnung von Arzneimitteln und informieren sie über Gesetzesänderungen oder neue Arzneimittel-Richtlinien.

Auch die Behörden …

… bieten interessante berufliche Möglichkeiten, so Dr. Valerie Strassmann vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Alle Stellenangebote finden sich unter www.bund.de. Eine Promotion ist häufig erwünscht, ebenso Englisch- und EDV-Kenntnisse. Auch über "social skills" wie Teamfähigkeit und die Fähigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit sollte der Bewerber verfügen.

Bundeswehr

"Zurzeit gibt es 230 Apotheker bei der Bundeswehr, davon sind 30% Frauen", berichtete Oberfeldapotheker Thomas Bertelmann. Neben den Aufgaben, die der Apotheker auch in der Zivilgesellschaft wahrnimmt, ist er bei der Bundeswehr zusätzlich für die lebensmittelchemische Überwachung verantwortlich und der Logistiker des Sanitätsdienstes. Mut, Einsatzfreude, Neugierde, körperliche Fitness, interdisziplinäres Handeln und Englischkenntnisse sollte der Bewerber mitbringen.

Universität und Forschung

"Wenn der Doktorand am Ende zu seinem Thema mehr Wissen hat als der Doktorvater, ist das allen Beteiligten nur recht", schmunzelte Prof. Dr. Klaus Mohr, Bonn. Wissenschaft bedeute kritisches Hinterfragen, ständiges Lernen und das neue Wissen auch zu kommunizieren. Ein Masterstudium bietet die Möglichkeit, die persönliche Neigung zur wissenschaftlichen Arbeit zu erproben. Für eine Doktorarbeit, so die Einschätzung des Doktoranden Andreas Bock, muss man mit drei Jahren Labortätigkeit und etwa einem halben Jahr Schreiben rechnen. Man habe keine geregelten Arbeitszeiten und müsse zeitweise sehr viel persönlichen Einsatz zeigen. Als Nachwuchswissenschaftler sammelt man Auslandserfahrung, arbeitet eigenständig, gründet einen Arbeitkreis, wirbt Drittmittel ein und publiziert. Als Professor schließlich genießt man ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Unabhängigkeit.

Nach den Vorträgen konnten die Studierenden sich am "Markt der Möglichkeiten" im Gespräch mit weiteren Fachleuten informieren. Es gab viele Tipps, Anregungen und gute Gespräche.


Internet


Die Charts zu den Vorträgen finden Sie hier:

www.aknr.de/fortbildung/forumberuf/ veranstaltung/index.php


Dorothee Müssemeier und Dr. Sabine Viefhues



DAZ 2012, Nr. 6, S. 121

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