DAZ aktuell

Prävention ohne Apotheken

BERLIN (jz). Nach jahrelangen Debatten hat sich die Koalition nun auf Eckpunkte für die angekündigte Strategie für mehr Krankheitsvorbeugung in Deutschland geeinigt. Apotheken spielen bei der Gesundheitsprävention aus Sicht von Union und FDP offenbar keine allzu große Rolle – im in der vergangenen Woche beschlossenen 16-seitigen Eckpunktepapier tauchen sie jedenfalls nicht auf. Wer die Hauptakteure sind, macht dagegen ein Statement zum Papier deutlich: "Prävention muss raus aus den Sonntagsreden und rein in die Köpfe, bei Patienten, Kassen und Ärzten", erklärte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn.

Als "wesentliche" Akteure der Prävention und Gesundheitsförderung werden die Apotheken im Eckpunktepapier dann auch nicht genannt, sondern "Bund, Länder, Kommunen und kommunale Einrichtungen wie Schulen und Kindertagesstätten, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Träger der gesetzlichen Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung, Haus- und Fachärzte, der Öffentliche Gesundheitsdienst, Unternehmen, Vereine und Initiativen". Ihre Ressourcen, Kompetenzen, Erfahrungen und Erfolge sollen künftig in einer beim Bundesgesundheitsministerium angesiedelten "Ständigen Präventionskonferenz" gebündelt und vertieft werden.

Check-ups, betriebliche Gesundheitsvorsorge & Co.

Es folgen weitere Vorschläge zur Verbesserung der Prävention: So soll unter anderem die Altersgrenze für U-Untersuchungen auf zehn Jahre angehoben, Gesundheits-Checks fortentwickelt und die Rahmenbedingungen für die betriebliche Gesundheitsförderung verbessert werden. Das Papier befasst sich auch mit den Folgen des demografischen Wandels. Um auf die steigende Zahl älterer Menschen zu reagieren, soll die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung den Bereich "gesund & aktiv älter werden" zu einem neuen Schwerpunkt ihrer Aufklärungsarbeit erklären. Außerdem wird angestrebt, die ärztliche Beratungskompetenz "besser als bisher" wirken zu lassen.

Das Papier soll laut Spahn die Beratung konkreter Gesundheitsziele im Bundestag bewirken, etwa die Senkung der Diabeteserkrankungen um 10 Prozent oder die psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz um 20 Prozent. Die Krankenkassen würden verbindlich verpflichtet, diese Ziele umzusetzen. Laut dem Papier sollen daher die im SGB V für Präventionsleistungen der Kassen vorgesehenen Mittel auf sechs Euro für jeden Versicherten angehoben werden, davon mindestens zwei Euro für die betriebliche Gesundheitsförderung und mindestens ein Euro für Leistungen für Interventionen, die primär auf Lebensräume zielen.

Enttäuschung beim Wipig

Beim Wissenschaftlichen Institut für Prävention im Gesundheitswesen (Wipig) reagierte man "zutiefst enttäuscht". "Das ist eine Frechheit", erklärte Wipig-Geschäftsführer Dr. Helmut Schlager gegenüber der DAZ. Seit Jahren setze man sich dafür ein, dass apothekerliche Präventionsleistungen entsprechend wertgeschätzt und vergütet werden. Und dann würden die Apotheker auf 16 Seiten nicht einmal erwähnt. In einem Gespräch zwischen dem Präsidenten der Bayerischen Landesapothekerkammer, Thomas Benkert, und Johannes Singhammer (CSU) habe der Gesundheitspolitiker jedoch zugesichert, der aufgekommene Eindruck, Apotheker spielten für die Prävention keine Rolle, sei falsch.

"Apotheker sollten sich nicht ausgeschlossen fühlen"

Gegenüber der DAZ erklärte Singhammer, die Apotheker sollten sich nicht ausgeschlossen fühlen, weil sie im Eckpunktepapier nicht auftauchen – auch andere Berufsgruppen würden dort nicht explizit genannt. "Apotheken sind ausdrücklich und herzlich eingeladen, bei der Prävention mitzuwirken", so Singhammer. Denn die Apotheken hätten bereits heute und auch in Zukunft eine wichtige Rolle im Bereich der Prävention: "Ohne Apotheken geht‘s nicht."

SPD fordert weiterhin Präventionsgesetz

Für die SPD-Bundestagsfraktion hat sich das jahrelange Warten auf die Präventionsstrategie der schwarz-gelben Regierung ebenfalls nicht gelohnt. "Ein bisschen mehr Geld von den Kassen und wohlklingende, aber wolkige Ankündigungen und Forderungen sind keine Strategie", kritisierten Angelika Graf und Bärbel Bas. Nur mit einem Präventionsgesetz ließen sich die derzeit vielfältigen Zuständigkeiten und das "Wirrwarr" der verschiedenen Programme und oft nur kurzfristigen Projekte lichten. Zudem liege Prävention in der Verantwortung der gesamten Gesellschaft – Finanzierung und Umsetzung bei den gesetzlichen Krankenkassen abzuladen, lasse wichtige Akteure jedoch außen vor.



DAZ 2012, Nr. 51, S. 30

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