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"VitaBote"startet in Hamburg

Otto-Tochter und Apotheken kooperieren beim Botendienst

BERLIN (ks). Nun ist auch das Hamburger Versandunternehmen Otto ins Apothekengeschäft eingestiegen. Die VitaBote GmbH, eine Gesellschaft der Otto Group, tritt dabei als Vermittler zwischen Kunden und Vor-Ort-Apotheken auf: Sie stellt eine Webseite zur Verfügung, über die Kunden Arzneimittel und Gesundheitsartikel online bestellen können. Innerhalb weniger Stunden, so wird versprochen, erfolgt eine kostenfreie Lieferung per Boten durch eine in der Nähe gelegene Apotheke. Zunächst ist die neue Dienstleistung auf Hamburg beschränkt.

Seit letzter Woche ist die Webseite www.vitabote.de zugänglich. Interessierte Kunden können hier ihre Postleitzahl eingeben und mit etwas Glück wird ihnen eine nahegelegene Apotheke genannt, bei der sie ihre Bestellung aufgeben können. Bislang sind erst zehn Hamburger Apotheken mit von der Partie. Oftmals erscheint daher nur der Hinweis: "Diese Postleitzahl können wir derzeit noch nicht beliefern." Hat man eine Apotheke gefunden, wird auf der Internetseite zunächst für die OTC-Topseller geworben. Es kann aber auch nach Hersteller, Wirkstoff, Name und Preis nach dem passenden Medikament gestöbert werden. In der Pressemeldung der VitaBote GmbH wird von einem individualisierbaren Shopbereich gesprochen, in dem die Apotheke ihr Angebot frei gestalten und beispielsweise auf spezielle Serviceleistungen hinweisen kann. Noch ist die Individualität schwer auszumachen.

Keine Rx-Lieferung ohne Rezeptvorlage

Nach der Bestellung von OTC oder Gesundheitsartikeln werde innerhalb weniger Stunden beliefert, heißt es. Alternativ kann die Bestellung zur Abholung in der Apotheke reserviert werden. Die Lieferung durch einen Boten übernimmt die Apotheke, ohne dass für den Kunden zusätzliche Gebühren fällig werden. Der komplette Bestellvorgang, einschließlich der Bezahlung der Medikamente, wird über VitaBote abgewickelt. Der Kunde kann wählen, ob er über das Online-Bezahlsystem PayPal, mit der Kreditkarte oder per Sofortüberweisung zahlen will. Zudem besteht die Möglichkeit, die Bestellung bei der Lieferung bzw. Abholung bar zu zahlen. Auch die Bestellung von rezeptpflichtigen Medikamenten ist möglich. Allerdings ist dann ein zusätzlicher Schritt zwischen dem Abschluss der Bestellung und der Auslieferung notwendig: Der Apotheke muss die Verordnung vorgelegt werden. Hat sie das Rezept geprüft, kann die Bestellung an den Botendienst übergeben werden.

Florian Hermsdorf, Geschäftsführer von VitaBote, ist vom Mehrwert des neuen Angebotes überzeugt: "Kunden werden es schätzen, auf das Angebot ihrer Vor-Ort-Apotheke nun auch im Internet zugreifen zu können und eine schnelle Lieferung zu bekommen." Wer krank ist und das Bett nicht verlassen kann, dem falle auch der Gang in die Apotheke schwer. "Da ist einem geholfen, wenn man von zu Hause bestellen kann und die Medikamente wenig später geliefert werden", so Hermsdorf. Versandapotheken – auf deren steigende Umsätze der Geschäftsführer verweist – könnten in dringenden Bedarfsfällen keine passende Onlinelösung bieten. Hier soll mit dem VitaBoten Abhilfe geschaffen werden.

Grund- und Provisionsgebühr

Den Apotheken wiederum wird die Nutzung des Online-Vertriebskanals geboten. "Sie müssen kein eigenes Online-Angebot aufbauen, sondern können auf eine bereits vorhandene Plattform zurückgreifen," erklärt Hermsdorf. Das spare Kosten und die Apotheker könnten sich auf ihre eigentliche Aufgabe – die Beratung – konzentrieren. Auch das Online-und Offline-Marketing für die Bestellplattform übernimmt VitaBote für die Apotheken. Umsonst gibt es das natürlich nicht. Die genauen Konditionen will Hermsdorf jedoch nicht nennen. Klar ist nur: Es gibt eine gestaffelte monatliche "Partner Fee" – also Grundgebühr – deren Höhe von der Anzahl der Bestellungen abhängt. Hinzu kommt eine prozentuale Provisionsgebühr auf den Umsatz. "Wir haben den VitaBoten bewusst so gestaltet, dass die Investitionskosten für die Apotheker sehr gering sind. Wir wissen, dass die Apotheker genau kalkulieren müssen und sich keine verlustreichen Experimente leisten können", so Hermsdorf gegenüber der DAZ. "Ohne die Kosten beziffern zu wollen, kann ich sagen, dass sie deutlich geringer sind, als der Aufbau eines eigenen Online-Shops".

Hamburg als Anfang

Seinen Start macht VitaBote zunächst am Otto-Firmensitz Hamburg. Erklärtes Ziel ist es, in der ersten Jahreshälfte 2012 das gesamte Hamburger Stadtgebiet abzudecken. 50 bis 80 Partner wünscht man sich dazu – aber Hermsdorf zufolge könnten auch schon 20 bis 30 Apotheken ausreichen. Es ist jeweils Sache der Apotheke, zu entscheiden, wie weit ihr Lieferradius reichen soll. Läuft Hamburg, ist eine schrittweise Erschließung ländlicher Gebiete und weiterer Städte geplant, so Hermsdorf weiter.

Die Gewinnung von Kunden soll nun durch "umfangreiche externe Marketingaktivitäten und eine effiziente Nutzung der Otto Group-internen Kanäle" erfolgen. Neben klassischen Offline-Marketing-Kanälen, wie etwa Postwurfsendungen und Paketbeilagen, sollen auch online gezielt Kunden angesprochen werden. Ebenso setzt man auf Suchmaschinenmarketing und Bannerwerbung. Auch im Printbereich will man über klassische Anzeigen potenzielle Kunden werben.

Kammer: ein neues Präsentationsportal

Die Apothekerkammer Hamburg war bei der Vorbereitung des Projektes durch Gespräche eingebunden. Insbesondere hatte die Kammer auf die Probleme bei der geplanten Rx-Belieferung hingewiesen. Die hier geäußerten Bedenken sind offenbar angekommen. Auf die Rezeptvorlage wird im VitaBote-Konzept nicht verzichtet.

Der neue Präsident der Hamburger Apothekerkammer, Kai-Peter Siemsen, sagte gegenüber der DAZ, die Gespräche mit der VitaBote-Geschäftsführung seien noch nicht abgeschlossen, einen weiteren Termin gebe es bereits. Aus Siemsens Sicht handelt es sich bei dem neuen Unternehmen in erster Linie um ein "Präsentationsportal" für Apotheken, wie es sie auch schon anderweitig gebe.

Ob es von den Apothekern akzeptiert werde und sie bereit sind, dafür den geforderten Preis zu zahlen, müsse jeder für sich selbst entscheiden.



DAZ 2012, Nr. 5, S. 42