Arzneimittel und Therapie

Do-it-yourself-Nachweis von HIV-Infektionen?

Speicheltest genauso zuverlässig wie Bluttest

Der Nachweis einer HIV-Infektion erfolgt bislang mit einem Bluttest, ein Speicheltest zur Bestimmung ist umstritten. Während die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA die Genehmigung für den ersten HIV-Speicheltest in den USA schon im Jahre 2004 erteilte, ist er in Deutschland bislang nicht zugelassen. Eine Metastudie, die die weltweiten Ergebnisse von fünf Datenbanken auswertete, zeigt jetzt die Zuverlässigkeit des Tests, die der des jetzigen Bluttests zum Nachweis von Antikörpern gegen HIV-1 und HIV-2 kaum nachsteht.
Ein Speicheltest zum Nachweis einer HIV-Infektion ist in Deutschland bislang nicht zugelassen. Eine Megastudie zeigt jetzt die Zuverlässigkeit des Tests, der nahezu der des Bluttests entspricht.

Die Diagnostik der HIV-Infektion basiert auf dem Nachweis spezifischer Antikörper, die etwa zwei bis zehn Wochen nach der Infektion im Serum nachweisbar sind. Der Nachweis der Antikörper erfolgt zunächst in einem Antikörper-Suchtest und bei positiver Reaktion mit einem nachfolgenden Bestätigungstest. Im ersten Schritt wird in einem ELISA (enzyme-linked immunosorbent assay) geprüft, ob Antikörper gegen virale Antigene vorliegen. Die meisten der in Deutschland verwendeten ELISA sind Kombinationsteste, die gleichzeitig HIV-1- und HIV-2-Antikörper erkennen. Die auf dem Markt befindlichen HIV-Nachweistests der 4. Generation entdecken sowohl Antikörper als auch das p24-Antigen, ein Protein im Kapsid von HIV-1. Mit einem zweiten, hochspezifischen Test, dem sogenannten Immunoblot oder Westernblot, wird die Spezifität der Bindung der Antikörper an die viralen Proteine geprüft.

In Deutschland bislang kein Speicheltest zugelassen

Ein Speicheltest zum Nachweis einer HIV-Infektion ist in den USA seit 2004 zugelassen. In Großbritannien ist ebenfalls ein Speicheltest zugelassen, in Deutschland bislang nicht. In einer kanadischen Metastudie wurden jetzt die Ergebnisse von fünf weltweiten Datenbanken zur Sensitivität des Speicheltests OraQuick® HIV1/2 ausgewertet. Dabei lag dieser Test mit zusammengefasst 98% Sensitivität nur knapp unter der von HIV-Bluttests. In Populationen mit hohem Risiko betrug er sogar 99%, in Populationen mit geringerem Risiko rund 97%. Die Wissenschaftler betonen allerdings die Notwendigkeit einer begleitenden Beratung zum Test.

Aufgrund seiner grundsätzlichen Akzeptanz und seines einfachen Gebrauchs ist der HIV-Speicheltest in den USA mittlerweile sehr populär. Das Ergebnis des nicht-invasiven und schmerzfreien Tests liegt innerhalb von 20 Minuten vor. HIV-Tests, auch Schnelltests, dürfen in Deutschland nach dem Medizinproduktegesetz nur durch Ärzte in Verkehr gebracht bzw. angewendet werden. Die Abgabe an Laien ist illegal. Im Internet angebotene "HIV-Heimteste" zur "Selbstdiagnose" verfügen über keine CE-Kennzeichnung. Positive Ergebnisse mit solchen Tests bedürfen dringend einer fachkundigen Kontrolle durch ein Labor, welches CE-gekennzeichnete Tests einsetzt. Da die Abgabe von HIV-Tests an Laien nach dem Medizinproduktegesetz untersagt ist, ist auch der Vertrieb von Schnelltests im Internet in der Regel illegal.


Quelle
Pant Pai, N.; et al.: Head-to-head comparison of accuracy of a rapid point-of-care HIV test with oral versus whole-blood specimens: a systematic review and meta-analysis. Lancet Infect. Dis. 2012; Online-Vorabveröffentlichung, Doi:10.1016/S1473-3099(11)70368-1 vom 24. Januar 2012.

HIV/Aids. Ratgeber des Robert Koch-Instituts für Ärzte, Stand 25. März 2011. www.rki.de


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 5, S. 63

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