Arzneimittel und Therapie

Neues, lang wirksames Antihypertonikum

Azilsartan senkt zuverlässig 24-h-Blutdruck

Azilsartanmedoxomil (Edarbi®) ist ein weiterer Angiotensin-II-Rezeptorantagonist zur Therapie der essenziellen Hypertonie bei Erwachsenen. Es wird in einer Dosis von 20 bis 80 mg einmal täglich eingenommen, alleine oder in Kombination mit anderen Antihypertonika. Azilsartan ist für neu diagnostizierte Hypertoniker und für Patienten geeignet, die die Zielwerte unter einer Monotherapie mit einem ACE-Hemmer oder einem anderen AT1-Rezeptorblocker nicht erreichen.

Azilsartan

Bei Patienten, deren Blutdruck mit der niedrigeren Dosis nicht ausreichend gesenkt werden kann, kann die Dosis auf maximal 80 mg einmal täglich erhöht werden. Maximale blutdrucksenkende Effekte werden nach vier Wochen erreicht. Bei ungenügender Blutdrucksenkung kann Azilsartan mit anderen Antihypertensiva, einschließlich Diuretika (wie Chlortalidon und Hydrochlorothiazid) und Calciumkanalblockern kombiniert werden. In Kombination mit Diuretika werden in der Regel 40 mg Azilsartan pro Tag verwendet.

Azilsartanmedoxomil ist ein Prodrug zur oralen Anwendung. Es wird rasch im Magen-Darmtrakt und/oder während der Resorption in den wirksamen Teil Azilsartan hydrolysiert. Die geschätzte absolute orale Bioverfügbarkeit von Azilsartanmedoxomil beträgt etwa 60%. Die maximale Plasmakonzentration (Cmax) von Azilsartan wird 1,5 bis 3 Stunden nach der oralen Gabe von Azilsartanmedoxomil erreicht. Die Bioverfügbarkeit von Azilsartan wird durch Nahrungsmittel nicht beeinflusst.

Azilsartan wird in zwei primäre Metaboliten verstoffwechselt, die nicht pharmakologisch aktiv sind. Das Hauptenzym, das für den Metabolismus von Azilsartan verantwortlich ist, ist CYP2C9. Azilsartan wird zu ungefähr 55% in den Faeces und ungefähr 42% im Urin ausgeschieden. Die Eliminationshalbwertszeit von Azilsartan beträgt ungefähr elf Stunden, die renale Clearance beträgt ungefähr 2,3 ml/min. Steady-state-Plasmakonzentrationen von Azilsartan werden innerhalb von fünf Tagen erreicht, eine weitere Akkumulierung bei wiederholter täglicher Anwendung findet nicht statt.

Blockade des AT1-Rezeptors

Azilsartan ist ein für den AT1-Rezeptor selektiver Angiotensin-II-Antagonist. Angiotensin II ist das primäre vasoaktive Hormon des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) und bewirkt unter anderem Vasokonstriktion, Aldosteronsynthese und -freisetzung, Herzstimulation und die renale Natrium-Reabsorption.

Die Blockade des AT1-Rezeptors hemmt das negative regulatorische Feedback von Angiotensin II auf die Reninsekretion, jedoch reichen der daraus resultierende Anstieg der Reninaktivität im Plasma und der Angiotensin-II-Spiegel im Blut nicht aus, um die antihypertensive Wirkung von Azilsartan auszugleichen.

Gute Wirkung

Azilsartan wurde in sieben Phase-III-Studien mit rund 6000 Patienten mit essenzieller Hypertonie untersucht. Nach den Ergebnissen dieser Studien wirken 80 mg Azil-sartan pro Tag stärker auf den mittleren 24-h-Blutdruck und den systolischen Blutdruck als 40 mg Olmesartan, 320 mg Valsartan und 10 mg Ramipril pro Tag.

Vorsicht bei Nieren- und Leberfunktionsstörungen

Das Auftreten unerwünschter Wirkungen lag in den klinischen Studien auf Placeboniveau. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Schwindel, ein Anstieg der Kreatinphosphokinase im Blut und Diarrhö.

Vorsicht ist geboten bei hypertensiven Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstörung und terminaler Nierenfunktionsstörung, da hier keine Therapieerfahrungen mit Azilsartan vorliegen. Azilsartan lässt sich durch Hämodialyse nicht aus dem Blutkreislauf entfernen. Bei Patienten mit leicht bis mäßig eingeschränkter Nierenfunktion ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Bei Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung wird die Anwendung von Azilsartan wegen mangelnder Daten nicht empfohlen. Bei Patienten mit leichter bis mäßiger Leberfunktionsstörung wird eine engmaschige Überwachung empfohlen. Bei einer leichten bis mäßigen Störung der Leberfunktion und bei Patienten über 75 kann die Anfangsdosis auf 20 mg reduziert werden.

Vorsicht ist bei gleichzeitiger Anwendung von nicht-steroidalen entzündungshemmenden Arzneimitteln (NSAIDs) angezeigt, einschließlich selektiver COX-2-Hemmer, Acetylsalicylsäure (> 3 g/Tag) und nicht-selektiver NSAIDs. Wenn Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten gleichzeitig mit NSAIDs gegeben werden, kann es zu einer Abschwächung der antihypertensiven Wirkung kommen. Außerdem kann die gleichzeitige Anwendung von Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten und NSAIDs zu einem erhöhten Risiko einer Verschlechterung der Nierenfunktion und eines Anstiegs des Serum-Kaliumspiegels führen. Daher werden eine ausreichende Hydrierung der Patienten und eine Überwachung der Nierenfunktion nach Beginn der Behandlung empfohlen.

Die gleichzeitige Gabe von kaliumsparenden Diuretika, Kaliumpräparaten oder kaliumhaltigen Elektrolytsubstitutionen oder anderen Arzneimitteln (z. B. Heparin) kann den Kaliumspiegel im Serum erhöhen. Eine Kontrolle des Serum-Kaliumspiegels sollte, soweit erforderlich, durchgeführt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wie bei allem Sartanen wird die Anwendung von Azilsartan während des ersten Schwangerschaftstrimesters nicht empfohlen. Während des zweiten und dritten Schwangerschaftstrimesters ist die Anwendung kontraindiziert. Sollte während der Therapie mit einem Sartan eine Schwangerschaft eintreten, sollte es so schnell wie möglich abgesetzt werden.


Steckbrief: Azilsartan


Handelsname: Edarbi

Hersteller: Takeda Pharma GmbH, Aachen

Einführungsdatum: 15. Januar 2012

Zusammensetzung: 1 Tablette enthält 20, 40 oder 80 mg Azilsartanmedoxomil-Kalium. Sonstige Bestandteile: Mannitol (Ph.Eur.) (E 421), Fumarsäure (E 297), Natriumhydroxid, Hyprolose (E 463), Croscarmellose-Natrium, mikrokristalline Cellulose (E 460), Magnesiumstearat (E 572)

Packungsgrößen, Preise und PZN: Edarbi 20 mg: 28 Tabletten, PZN 9252973, 32,40 Euro; 56 Tabletten, PZN 9252996, 52,90 Euro; 98 Tabletten, PZN 9253004, 82,21 Euro. Edarbi 40 mg: 28 Tabletten, PZN 9253027, 36,69 Euro; 56 Tabletten, PZN 9253033, 61,19 Euro, 98 Tabletten, PZN 9253056, 96,27 Euro. Edarbi 80 mg: 28 Tabletten, PZN 9253079, 43,09 Euro; 56 Tabletten, PZN 9253085, 73,14 Euro; 98 Tabletten, PZN 9253116, 116,44 Euro.

Stoffklasse: Antihypertonika; Angiotensin-II-Antagonist. ATC-Code: C09CA09.

Indikation: Zur Behandlung der essenziellen Hypertonie bei Erwachsenen

Dosierung: Anfangsdosis: einmal täglich 40 mg, in Sonderfällen 20 mg; kann auf maximal 80 mg einmal täglich erhöht werden.

Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile; zweites und drittes Schwangerschaftstrimester

Nebenwirkungen: Schwindel, Diarrhö, erhöhte Kreatinphosphokinasespiegel

Wechselwirkungen: Die gleichzeitige Anwendung mit Lithium wird nicht empfohlen. Vorsicht ist bei gleichzeitiger Anwendung von nicht-steroidalen entzündungshemmenden Arzneimitteln (NSAIDs) angezeigt, einschließlich selektiver COX-2-Hemmer, Acetylsalicylsäure >3 g/Tag) und nicht-selektiver NSAIDs; eine ausreichende Hydrierung der Patienten und eine Überwachung der Nierenfunktion nach Beginn der Behandlung werden empfohlen. Die gleichzeitige Gabe von kaliumsparenden Diuretika, Kaliumpräparaten oder kaliumhaltigen Elektrolytsubstitutionen oder anderen Arzneimitteln (z. B. Heparin) kann den Kaliumspiegel erhöhen; eine Kontrolle des Serum-Kaliumspiegels sollte, soweit erforderlich, durchgeführt werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen: Bei Patienten, deren Gefäßtonus und Nierenfunktion überwiegend von der Aktivität des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems abhängig sind, ist Vorsicht geboten. Ein übermäßiger Blutdruckabfall könnte bei Patienten mit ischämischer Kardiomyopathie oder ischämischer zerebrovaskulärer Erkrankung zu einem Myokardinfarkt oder Schlaganfall führen. Bei Patienten mit deutlichem Volumen- und/oder Salzmangel kann zu Beginn der Behandlung mit Azilsartan eine symptomatische Hypotonie auftreten; eine Anfangsdosis von 20 mg sollte erwogen werden. Bei Patienten mit primärem Hyperaldosteronismus wird die Anwendung von Azilsartan nicht empfohlen. Die gleichzeitige Einnahme von Azilsartan mit kaliumsparenden Diuretika, Kaliumpräparaten, kaliumhaltigen Elektrolytsubstitutionen oder anderen Arzneimitteln, die den Kaliumspiegel erhöhen können (z. B. Heparin), kann bei hypertensiven Patienten zu einer Erhöhung des Serum-Kaliumspiegels führen; eine Kontrolle des Kaliumspiegels sollte, soweit erforderlich, durchgeführt werden. Bei Patienten, die unter Aorten- oder Mitralklappenstenose oder hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie leiden, ist besondere Vorsicht angezeigt.



Quelle
Fachinformation Edarbi®, Stand Dezember 2011.
White WB, Weber MA, Sica D, et al.: Effects of the angiotensin receptor blocker azilsartan medoxomil versus olmesartan and valsartan on ambulatory and clinic blood pressure in patients with stages 1 and 2 hypertension. Hypertension 2011; 57(3): 413-420.
Bakris GL, Sica D, Weber M, et al.: The comparative effects of azilsartan medoxomil and olmesartan on ambulatory and clinic blood pressure. J. Clin. Hyperten. 2011; 13(2): 81-88. 
Sica D, White WB, Weber MA.: Comparison of the novel angiotensin II receptor blocker azilsartan medoxomil vs valsartan by ambulatory blood pressure monitoring. J. Clin. Hyperten. 2011; 13: 467-472.


hel



DAZ 2012, Nr. 5, S. 54

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