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"Politiker-Speed-Dating"

Viel Prominenz beim Gehe Forum

BERLIN (wes). Auf dem Gehe Forum Gesundheitspolitik, das am 29. November in Berlin stattfand, gaben sich die Gesundheitspolitiker die Klinke in die Hand. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Jens Spahn, sprach scherzhaft vom "Politiker-Speed-Dating". Da zeitgleich im Bundestag Debatten und Abstimmungen anstanden, waren die anwesenden Bundestagsabgeordneten immer auf dem Sprung.

Hitzige Debatte Bei der Podiumsdiskussion auf dem Gehe Forum Gesundheitspolitik ging es hoch her. (v.l.) Michael Hennrich (CDU/CSU), Professor Herbert Rebscher (DAK), Peter Thelen (Handelsblatt), Christian Flössner (SaXonia Apotheke Dresden) und Peter Ditzel (DAZ). vorne: Jan-Detlef Wohlert, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Gehe. Foto: Gehe

Johannes Singhammer, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CSU, sprang den Apothekern bei den Abschlagsverhandlungen zur Seite. Er betonte nochmals, dass die Ausgangsbasis der Verhandlungen nur 1,75 Euro sein könne und drohte mit Konsequenzen, wenn die Selbstverwaltung nicht zu einer Einigung fähig sei. Dann müsse die Politik eine Entscheidung treffen. Er setze aber auf die Verhandlungen, denn "die Zufriedenheit steigt nicht immer, wenn die Politik das letzte Wort hat".

Spahn fordert Vorschläge

Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, bekräftigte die Drohung Singhammers. Wenn die Selbstverwaltung hier zu keiner Lösung finde, müssten "andere Mechanismen" gefunden werden. Spahn versprach den Apothekern zudem, dass die versprochene Notdienstpauschale "zeitnah kommt". Auf ein konkretes Datum wollte er sich aber nicht festlegen.

Spahn wiederholte seine Einladung an die Apotheker, ergänzende Vergütungen für neue Dienstleistungen und Verantwortlichkeiten zu schaffen. Wie schon auf dem Deutschen Apothekertag in München bekräftigte er aber, Vorschläge und Modelle müssten aus der Apothekerschaft kommen.

Auf die Frage, warum die Union auf den Vorschlag des "Apotheken-Bus" bestehe, erwiderte Spahn, dass der Begriff "Bus" in keinem Parteipapier vorkomme. Er sei eine Erfindung der Medien, die Rede sei immer von "fahrenden Angeboten" gewesen. Dabei könne es sich auch um den Botendienst einer Apotheke handeln – "denn Autos fahren doch wohl." Auch hier erwarte er von den Apothekern Ideen, wie die Arzneimittelversorgung immer dünner besiedelter Gegenden in Zukunft organisiert werden solle.

Bender: "Großhandel betreibt Ketten"

Für den Aufreger des Tages sorgte Birgit Bender (Bündnis 90/Grüne) mit dem Vorwurf, die pharmazeutischen Großhändler betrieben in Deutschland de facto bereits Apothekenketten, auch wenn die Abhängigkeiten keine formalen, sondern wirtschaftliche seien. "Es gibt in Deutschland bereits ordentliche Ketten mit einer Vertikalisierung in den Großhandel hinein", sagte Bender. Sie konnte ihre Vorwürfe, die von Gehe-Geschäftsführer Jan-Detlef Wohlert sofort scharf zurückgewiesen wurden, jedoch auch auf Nachfrage nicht präzisieren. "Sie wissen doch selbst, was ich meine", entgegnete Bender patzig. Zuvor forderte sie, das deutsche Gesundheitswesen müsse von seiner "Ärzte-Zentriertheit" wegkommen. Andere Berufsgruppen, vor allem Pflegeberufe und natürlich die Apotheker, könnten mehr Aufgaben und Verantwortung übernehmen. Den Interessenvertretern der Apotheker warf Bender vor, bei der Entwicklung von Zukunftsvisionen für das Gesundheitswesen "unterbelichtet" zu sein.

"Nur Abwehrkämpfe"

In der anschließenden Podiumsdiskussion warf der Vorstandsvorsitzende der DAK, Professor Herbert Rebscher, der Apothekerschaft vor, ständig die Klärung aller Probleme des Berufsstands durch die Politik zu fordern. Dabei seien es immer Apotheker gewesen, die die Veränderungen im Berufsbild angestoßen hätten – "von außen soll dann geklärt werden, was in der Apothekerschaft gärt." Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich pflichtete Rebscher bei, er habe noch nie erlebt, dass die Apothekerschaft gestalterisch tätig werde. Es würden nur Abwehrkämpfe geführt.

Trotz aller Bemühungen des DAZ-Herausgebers Peter Ditzel und des Dresdner Apothekers Christian Flössner zeigten sich Rebscher und Hennrich weitgehend unbeeindruckt von den Problemen der Apotheker, z. B. durch die Rabattverträge.



DAZ 2012, Nr. 49, S. 20

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