Arzneimittel und Therapie

Das Internetportal Embryotox

Informationen zu Arzneimitteln für Schwangere

Fachinformationen oder gängige Nachschlagewerke zur Pharmakotherapie geben selten zufriedenstellende Hinweise, ob ein Arzneimittel in der Schwangerschaft oder während der Stillzeit angewendet werden kann. Diese Informationslücke wird unter anderem durch das Internetportal Embryotox www.embryotox.de geschlossen, in dem Substanz- und Indikations-bezogene Daten abrufbar sind.

Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie informiert als öffentlich gefördertes, unabhängiges Institut über die Verträglichkeit der wichtigsten Arzneistoffe bei Müttern und werdenden Müttern in Schwangerschaft und Stillzeit. Darüber hinaus bietet www.embryotox.de Informationen über häufiger vorkommende Krankheiten bzw. Behandlungsindikationen mit Besonderheiten im Zusammenhang mit der Schwangerschaft. Foto: Kaspar Müller-Bringmann

Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie mit Sitz an der Charité in Berlin sammelt und bewertet seit über 20 Jahren Informationen zur Pharmakotherapie in der Schwangerschaft und während der Stillzeit. Das unabhängige, öffentlich geförderte Institut (Förderung unter anderem durch das Bundesministerium für Gesundheit und die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit) ermöglicht seit 2008 über ein Internetportal den raschen Zugriff auf umfangreiche Informationen. Wie Dr. Marc Oppermann, Berlin, beim 35. Heidelberger Fortbildungskongress am 24. November 2012 erläuterte, beruhen die dort ausgesprochenen Empfehlungen auf klinischen Erfahrungen, da aus ethischen Gründen keine randomisierten Studien mit Schwangeren und Stillenden durchgeführt werden. Die vorliegenden Daten ermöglichen es, in den meisten Fällen eine konkrete Therapieempfehlung auszusprechen. Darüber hinaus finden sich Hinweise, welche möglichen Folgen eine Medikamenteneinnahme haben kann, wenn das Vorliegen einer Schwangerschaft nicht bekannt war. Rund 12.000 Anfragen pro Jahr, die von Patienten oder Angehörigen der Heilberufe gestellt werden, unterstreichen den Bedarf einer solchen Informationsquelle. Die häufigsten Anfragen betreffen psychiatrische Erkrankungen, gefolgt von Fragen zu Infektionen und Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts.

Substanz- und Indikations-bezogene Abfragemöglichkeit

In der Datenbank sind über 300 Arzneimittel gelistet. Die Abfrage sowohl nach Medikamenten als auch nach Erkrankungen ermöglicht das rasche Auffinden einer Information. Die Eingabe des Wirkstoffes oder der Arzneimittelbezeichnung führt zu einer Monographie, die in mehrere Abschnitte gegliedert ist:

  • Charakterisierung des Wirkstoffs und seine Indikationsgebiete

  • Erfahrungen in der Schwangerschaft mit dem Wirkstoff (unterteilt in das 1. sowie in das 2. und 3. Trimenon und perinatal). Hier finden sich Angaben, welche Auswirkungen auf das Kind nach der Einnahme des Wirkstoffs bekannt sind (mit Angabe des Erfahrungsumfangs).

  • Empfehlungen zur Schwangerschaft; mit Ratschlägen, was bei einer Schwangerschaftsplanung unter einer bestimmten Therapie zu beachten ist, sowie Hinweise, mit welchen Konsequenzen nach Anwendung eines bestimmten Wirkstoffs in der Schwangerschaft zu rechnen ist. Ferner werden Hinweise auf besser erprobte Alternativen gegeben.

  • Anwendung während der Stillzeit; mit Angaben zur Pharmakokinetik des Wirkstoffs, zu möglichen Symptomen beim gestillten Kind und daraus resultierenden Empfehlungen zum Einsatz in der Stillzeit.

Die Suche nach Indikationen listet die infrage kommenden Wirkstoffe auf und verweist wiederum auf die entsprechende Monographie.

Mithilfe standardisierter Fragebögen kann eine direkte Anfrage an das Zentrum gestellt werden, die in der Regel rasch beantwortet wird. Es gibt drei Fragebögen:

  • zur Anfrage bei einer bestehenden Schwangerschaft (Medikamente, Erkrankungen, Impfungen)

  • zur Anfrage bei Planung einer Schwangerschaft (Fragebogen für Fachkreise)

  • zur Meldung eines möglichen Zusammenhangs zwischen einem in der Schwangerschaft eingenommenen Medikament und Auffälligkeiten beim Kind.


Apothekerin Dr. Petra Jungmayr



DAZ 2012, Nr. 49, S. 42

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