DAZ aktuell

Es wird weiter ausgeschrieben

Novartis Vaccines bietet bei Ausschreibung in Sachsen-Anhalt nicht mehr mit

BERLIN (ks). Angesichts des Grippeimpfstoff-Desasters in der laufenden Saison hoffen viele Apotheker auf ein Aus für Rabattverträge in diesem speziellen Bereich. Besonders laut sind diese Stimmen verständlicherweise in den vom Novartis-Ausfall direkt betroffenen Landesteilen. Aber auch die Apothekerkammer Thüringen, in deren Region die Versorgung noch recht gut funktionierte, hat sich für einen Verzicht ausgesprochen. Und bei Novartis ist man die Rabattverträge über Grippeimpfstoffe offenbar ebenfalls satt. Bei einer Ausschreibung für die Versorgung von Sachsen-Anhalt in den nächsten beiden Impfsaisons hat sich der Konzern nicht beteiligt.

In Thüringen und Sachsen hatte die Barmer GEK für alle gesetzlichen Kassen die Versorgung mit Grippeimpfstoffen in der Saison 2012/13 ausgeschrieben. Nach gewissen Anlaufschwierigkeiten – ein Impfstoffhersteller verzögerte die Zuschläge durch ein Nachprüfungsverfahren – funktionierte die Belieferung durch die Ausschreibungsgewinner Sanofi Pasteur und Abbott. Ronald Schreiber, Präsident der Apothekerkammer Thüringen, sieht als Grund hierfür nicht zuletzt das "Engagement des Thüringer Apothekerverbandes in den Verhandlungen mit den Krankenkassen". Er ist sich aber wohl bewusst, dass es genauso gut die Apotheken seines Landes hätte treffen können: Es sei "auch ein wenig Glück mit im Spiel gewesen, denn der Arzneimittelhersteller, dessen Impfstoffe zumindest zeitweise nicht zur Verfügung standen, liefert sonst auch in den Freistaat aus", so Schreiber. Das Problem sieht er in erster Linie in den Rabattverträgen über Grippeimpfstoffe. Grundsätzlich verschließe man sich den Rabattverträgen als wirksames Kostensenkungsinstrument nicht. "Im Gegenteil, die Thüringer Apotheken sind zuverlässige Partner bei deren Umsetzung", so Schreiber. Allerdings dürfe dies nicht zulasten der vollumfänglichen Versorgung gehen – denn gerade bei der Grippe könne ein unzureichender Schutz fatale Folgen haben.

Barmer GEK zufrieden mit Rabattverträgen

Die Barmer GEK ist indessen sehr zufrieden mit ihren Rabattverträgen für Sachsen und Thüringen – aber auch hier räumt man ein, dass ein gewisses Quäntchen Glück mit im Spiel war. Zwar konnte die Kasse die Zuschläge für die laufende Saison erst recht spät, nämlich am 19. September 2012, erteilen. Doch wer sich vorher impfen lassen wollte, konnte ohne Probleme auf Impfstoffe anderer Hersteller zurückgreifen. Angesichts der Lieferengpässe in anderen Regionen musste die Barmer GEK zudem ein waches Auge darauf halten, dass keine Impfstoffe ihrer Rabattpartner, die in Sachsen und Thüringen gebraucht wurden, in andere Bundesländer abwanderten. Doch die Zusammenarbeit mit den Herstellern, den Ärzten und Apotheken lief hier offenbar gut. Die Ärzte waren angehalten, nur für vier Wochen im Voraus zu verordnen, um die Mengen gering zu halten und Verwürfe zu vermeiden. In der vergangenen Saison blieben in Thüringen rund 80.000 Impfdosen auf der Strecke – gerade in einer Situation, da es regional an Vakzinen mangelt, ist ein solcher Verwurf nicht zu rechtfertigen.

Nächste Ausschreibung in Sachsen-Anhalt

Mittlerweile steckt die Kasse schon im nächsten Vergabeverfahren für Grippeimpfstoffe. Wie die Kassen in Baden-Württemberg – die bereits die Zuschläge für die Grippeimpfstoffversorgung bis ins Jahr 2015 hinein erteilt haben – setzt die Barmer diesmal auf Verträge über zwei Saisons. Ihr Ausschreibungsgebiet ist allerdings nicht mehr Thüringen und Sachsen, sondern Sachsen-Anhalt. Bis Mitte November konnten Impfstoffhersteller ihre Angebote unterbreiten. Zumindest einer hat nicht mitgemacht: Novartis. Im Modell der Impfstoffausschreibungen und Exklusivverträge sehe man derzeit "für alle Beteiligten (Patienten, Krankenkassen, Ärzte, Apotheken, Lieferanten und Politik) deutlich mehr Risiken als Chancen", heißt es in einem erläuternden Brief des Geschäftsführers der Novartis Vaccines Vertriebs GmbH, Tobias Sunderer, an die Barmer GEK, der zur Kenntnisnahme auch an zahlreiche andere Kassen ging. Die aktuelle Situation zeige, dass derartige Exklusivverträge die Optionen, auf Lieferschwankungen schnell und effektiv reagieren zu können, erheblich einschränke. Zudem berücksichtigten sie nicht die medizinisch erforderliche Differenzierung des Nutzen-/Risikoprofils der verfügbaren Impfstoffe.

Dennoch will die Barmer GEK offensichtlich nicht an den Ausschreibungen rütteln. Zum laufenden Vergabeverfahren will man sich dort zwar nicht äußern. Grundsätzlich verweist der zuständige Abteilungsleiter aber darauf, dass das Gesetz Rabattverträge für Impfstoffe für Schutzimpfungen nun einmal vorsehe. Und diese Möglichkeit müsse eine Kasse für ihre Versicherten nutzen. Schließlich seien die Impfstoffpreise in Deutschland jahrelang die höchsten in der EU gewesen. Nun freut man sich, dass der Gesetzgeber gleich zwei Sparinstrumente geschaffen hat: den europäischen Durchschnittspreis und die Rabattverträge, die die ersteren natürlich nochmals unterbieten.



DAZ 2012, Nr. 48, S. 20

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