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DocMorris geht an Zur Rose

Schweizer zahlen 25 Millionen für die holländische Versandapotheke

STUTTGART (wes). Die Schweizer Versandapotheke Zur Rose AG wird die niederländische Versandapotheke DocMorris N.V. sowie die Marke DocMorris für 25 Millionen Euro kaufen. Nach eigenen Angaben steigt Zur Rose mit dem Kauf zum "mit Abstand größten Medikamentenversand in Deutschland" auf. Zu den Konsequenzen des Kaufs auf die bisherigen Aktivitäten der Zur Rose AG in Deutschland äußerte sich das Unternehmen nicht.

Im deutschen Markt ist die Zur Rose AG bisher mit der in Halle an der Saale ansässigen Zur Rose Pharma GmbH aktiv, die einen Großteil ihres Umsatzes mit der Belieferung der Versandapotheke "Zur Rose" macht. Dieses Geschäftsmodell, bei der die Apotheke nahezu sämtliche Arbeitsschritte dem Dienstleister Zur Rose Pharma GmbH überlässt, ist hoch umstritten. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Sachsen-Anhalt der Apotheke im Oktober 2010 die Versanderlaubnis entzogen hatte, entschied das Bundesverwaltungsgericht 2011, dass die Apotheke weiter versenden darf.

Für Celesio macht der Verkauf eine außerplanmäßige Wertminderung um rund 30 Millionen Euro nötig, gab das Unternehmen bekannt. Der Verkaufspreis beläuft sich lediglich auf etwas mehr als ein Zehntel des Kaufpreises von rund 200 Millionen Euro, für den Celesio DocMorris 2007 erworben hatte.

Rezeptboni sinken

Nach Inkrafttreten der 16. Novelle des Arzneimittelgesetztes (AMG) musste die DocMorris-Versandapotheke ihr Bonusmodell für verschreibungspflichtige Arzneimittel ändern. Mit dieser Änderung ließen sich die Holländer Zeit bis zum tatsächlichen Inkrafttreten des Gesetzes am 26. Oktober. Die Begründung: Die notwendigen Software-Änderungen ließen sich nicht schneller bewerkstelligen. Bereits im August hatte der Gemeinsame Senat der obersten Gerichtshöfe entschieden, dass das deutsche Arzneimittelpreisrecht auch für ausländische Versandapotheken gelte. Bisher erstattete DocMorris N.V. pro Arzneimittel 2,50 Euro, zukünftig wird es nur noch 1 Euro sein. Allerdings können DocMorris-Versandkunden weiterhin Boni bis zu 15 Euro pro Rezept bekommen, wenn sie sich an einem "Arzneimittelcheck" beteiligen. Diese Prämie sei ein "Dankeschön" dafür, dass sich die Kunden an einer Maßnahme der "Qualitätssicherung" beteiligen.

"Wildern" bei den Markenapotheken

Bereits kurz nach dem Bekanntwerden des Verkaufs von DocMorris begann das Werben um die bisherigen DocMorris-Markenapotheken in Deutschland. So bot die Kooperation farma-plus allen DocMorris-Apotheken an, unter das Dach der Kooperation zu schlüpfen und verschickte "Standortreservierungen". Nach Angaben von DocMorris/Celesio können alle DocMorris-Markenapotheken die Marke weiter nutzen, solange ihr Franchise-Vertrag läuft. Celesio gab aber bekannt, diesen Apotheken ein attraktives Angebot machen zu wollen, an einer neuen Apothekenpartnerschaft teilzunehmen.



DAZ 2012, Nr. 44, S. 32

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