Prisma

Auch Fettzellen brauchen Schlaf

Schlafmangel macht dick. Dieser Zusammenhang ist bereits seit längerem bekannt. Warum das so ist, haben US-amerikanische Wissenschaftler nun herausgefunden. Sie konnten zeigen, dass Adipozyten bei Schlafentzug ihre Fähigkeit verlieren, auf Insulin zu reagieren.

Bei Schlafmangel schlägt der Zeiger der Waage gerne nach oben aus. Nun wurde auf Zellebene festgestellt, warum das so ist. Foto: frank peters – Fotolia.com

Für ihre Studie, die in "Annals of Internal Medicine" veröffentlicht wurde, untersuchten die Wissenschaftler um Matthew J. Brady sieben gesunde, normalgewichtige, freiwillige Probanden – sechs Frauen und einen Mann. Sie durchliefen zunächst eine Testphase, in der sie pro Nacht 8,5 Stunden schliefen. Anschließend wurde ein Bluttest durchgeführt, der Aufschluss über den Insulinstoffwechsel geben sollte, und per Biopsie Fettgewebe aus dem Bauch entnommen. In einer zweiten Testphase schliefen die Probanden vier Nächte lang jeweils nur 4,5 Stunden. Wiederum wurden Blut und Fettgewebe entnommen und untersucht. Die Verpflegungsart und -menge war in beiden Testphasen identisch. Allerdings unterschied sich die Reaktion der Probanden auf die Nahrungszufuhr. In der Phase mit wenig Schlaf war ihre Insulinsensitivität um durchschnittlich 16 Prozent verringert. Die entnommenen "müden" Adipozyten reagierten sogar um rund 30 Prozent weniger auf Insulin als im ausgeschlafenen Zustand. Die Studienergebnisse sind den Autoren zufolge ein erster molekularbiologischer Beleg für einen Zusammenhang zwischen Schlaf und der Regulation des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels im Organismus. Sie vermuten, dass er durch weitere Aspekte verstärkt werden kann. So sind Adipozyten unter anderem auch für die Produktion von Leptin verantwortlich, das bei Ausschüttung Sättigung signalisiert. Wenn "müde" Adipozyten auf Insulin schlechter reagieren, könnte auch die Leptinfreisetzung gestört sein und eine Sättigung damit später eintreten. Gute Gründe also, auf ausreichend Schlaf zu achten – für Wohlbefinden und eine schlanke Linie.


ral


Quelle: Broussard, J. L. et al.: Ann. Intern. Med. 2012; 157(8): 549 – 557



DAZ 2012, Nr. 43, S. 8