Arzneimittel und Therapie

Neuropathischer Schmerz

Oxycodon/Naloxon: weniger Schmerz, weniger opioidtypische Nebenwirkungen, mehr Lebensqualität

Die Fixkombination aus retardiertem Oxycodon und retardiertem Naloxon (Targin®) gilt als gut verträglich. Eine aktuelle Studie zeigte nun, dass sie den neuropathischen Schmerz wirksam reduziert, auch bei Patienten, die bereits mit einem Opioid vorbehandelt waren. Die gastrointestinalen Beschwerden gingen zurück, und die Lebensqualität stieg deutlich.

Etwa 50% der Patienten mit neuropathischen Schmerzen sind nicht ausreichend medikamentös behandelt. Ein wichtiges Standbein im Behandlungsregime neuropathischer Schmerzen sind Opioide, auch als Kombinationspartner, so Dr. Uwe Junker, Remscheid, auf einer von der Mundipharma GmbH unterstützten Pressekonferenz in Frankfurt. "Andere Substanzen wie trizyklische Antidepressiva oder Calciumkanalmodulatoren sind oft aufgrund von Nebenwirkungen für eine suffiziente Analgesie nicht hoch genug dosiert." Als sehr gut verträgliches Opioidpräparat gilt die Fixkombination aus retardiertem Oxycodon und retardiertem Naloxon. Ihre Wirksamkeit bei neuropathischem Schmerz untersuchte eine aktuell publizierte prospektive Beobachtungsstudie, die knapp 1500 Patienten mit neuropathischen Schmerzen unterschiedlicher Genese einschloss. Die mittlere Schmerzintensität lag zu Beginn der Studie auf der numerischen Ratingskala bei 5,7, obwohl ein Großteil der Patienten mit einem Opioid vorbehandelt war. Unter der Fixkombination besserte sich die Schmerzintensität signifikant, unabhängig von der Vorbehandlung. Bei Opioid-naiven Patienten reduzierte sich die Schmerzintensität auf der numerischen Ratingskala von 6,1 auf 2,8, bei Patienten, die mit einem schwachen Opioid vorbehandelt waren, von 5,9 auf 2,8 und bei denjenigen, die im Vorfeld bereits ein starkes Opioid erhalten hatten, von 5,3 auf 3,6, erläuterte Junker die Ergebnisse.

Lebensqualität deutlich verbessert

Der Wechsel der Medikation ging aber nicht nur mit einer weiteren Schmerzreduktion einher. Auch Nebenwirkungen waren seltener. Die Darmfunktion besserte sich. Intensität und Häufigkeit anderer gastrointestinaler Beschwerden wie Abdominalschmerz, Erbrechen und Schwindel gingen zurück. Als "schönstes Ergebnis" bezeichnete Junker allerdings den Anstieg der schmerzbezogenen Lebensqualität (7 Items der schmerzbezogenen Funktionsbeeinträchtigung als Bestandteil des Fragebogen Schmerz, Brief Pain Inventory BPI-SFII) um 49%. Dabei verbesserte sich auch der Schlaf um 50%, die Stimmung um 49%. Depressive Verstimmung und sozialer Rückzug wurden ebenfalls günstig beeinflusst.

Kritischer Blick auf Aut idem

Die Effektivität von Opioiden hängt wesentlich von ihrer Galenik ab, so Prof. Dr. Henning Blume, SocraTec R&D GmbH Oberursel. Mit Blick darauf kritisierte er den Austausch wirkstoffgleicher Opioidpräparate in Deutschland auf Basis der Aut-idem-Regelung. "Da sich die am Markt befindlichen Präparate in ihren biopharmazeutischen Eigenschaften unterscheiden, besteht das Risiko, beim Austausch die optimale Therapieeinstellung zu verlieren", so Blume.


Apothekerin Dr. Beate Fessler



DAZ 2012, Nr. 42, S. 101

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