Selbstmedikation

Tipps zur Zahnhygiene zum Tag der Zahngesundheit

Wie oft wechseln Sie die Zahnbürste?

Eine kürzlich durchgeführte Studie der Universität Göttingen untersuchte erstmals über einen längeren Zeitraum von sechs Monaten, welchen Einfluss abgenutzte Handzahnbürsten auf die Mundhygiene hinsichtlich der Plaquebeseitigung und des Gingivazustandes haben. Sie zeigt, dass ein häufiger Zahnbürstenwechsel hilft, Zahnfleischentzündungen zu vermindern. Beim Putzen der Zähne mit abgenutzten Zahnbürsten können vermehrt Zahnfleischentzündungen auftreten, was das Risiko für weitere Zahnprobleme erhöhen kann.
Wird eine Zahnbürste länger als vier Monate benutzt, können vermehrtZahnfleischentzündungen auftreten. Sind durch eine falsche Putztechnik direkt am Zahnfleischrand, an den Zahnhälsen, im Zahnschmelz Rillen oder Furchen – sogenannte Putzdefekte – entstanden, so sollten weiche Zahnbürsten bevorzugt werden. Foto: womue – Fotolia.com

Der Einfluss abgenutzter Borsten auf die Mundhygiene war bislang wissenschaftlich nur unzureichend belegt. Der Nutzen der Zahnbürste für die Mundhygiene und die klinische Wirksamkeit zur Vorbeugung von Karies und Parodontalerkrankungen sind zwar unbestritten. Uneinigkeit herrscht in zahnmedizinischen Kreisen aber über die Frage, ob das Alter und die damit verbundenen Abnutzungserscheinungen einer Zahnbürste Einfluss auf deren Effektivität haben.

Bislang ging man davon aus, dass die Abnutzung und damit die verbundene Wirksamkeitsverminderung der Zahnbürste nicht als kritisch für die Plaqueentfernung sind. Der Zahnbürstenverschleiß schien demnach nicht von vorrangiger Bedeutung für die Notwendigkeit, die Zahnbürste häufig zu wechseln. Allerdings betrug in den meisten bisher vorliegenden Studien der Beobachtungszeitraum lediglich ein bis maximal vier Monate. Dabei konnte mit gebrauchten Zahnbürsten noch effektiv Plaque entfernt werden. Ein Einfluss auf den Zustand der Gingiva in Bezug auf die Nutzungsdauer blieb allerdings häufig unberücksichtigt.

Bessere Mundhygiene durch häufigen Zahnbürstenwechsel

In der neuen Studie, die an der Universität Göttingen in Kooperation mit Dr. Best durchgeführt wurde, wurde nun die Abnutzung von Handzahnbürsten verschiedener Borstenhärte und Bürstenkopfgröße über einen längeren, und zwar sechsmonatigen Beobachtungszeitraum hinsichtlich Plaquebeseitigung und Gingivazustand untersucht, wie Studienautor Dr. med. dent. Dirk Ziebolz auf dem Innovationsforum 2012 am 9. Mai 2012 in Hamburg berichtete. Die Wissenschaftler ließen Versuchspersonen ein halbes Jahr lang mit der gleichen Zahnbürste die Zähne putzen. In einer Vergleichsgruppe erhielten die Teilnehmer alle vier Wochen jeweils eine neue Zahnbürste. Zu Beginn der Studie wurde bei allen 96 Teilnehmern der Zustand der Zahngesundheit dokumentiert und in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Das Resultat: Bei den Testpersonen, die sechs Monate mit jeweils einer Zahnbürste putzten, war am Ende eine Zunahme der Zahnfleischentzündungen zu beobachten. Bei den "Monatswechslern" hingegen war zu jedem Zeitpunkt der Gesamtzustand der Mundhygiene besser als vor Studienbeginn, insbesondere beim Zahnbelag. Damit konnte in der Göttinger Zahnbürstenstudie nun gezeigt werden, dass mit zunehmender Abnutzung (mehr als vier Monate) die Effektivität der Handzahnbürsten hinsichtlich Plaquebeseitigung abnahm und vermehrt gingivale Entzündungen auftraten. Eine Überlegenheit eines Zahnbürstentyps mit bestimmter Borstenhärte (mittel oder weich) beziehungsweise Bürstenkopfgröße (Normkopf oder Kurzkopf) konnte nicht eindeutig festgestellt werden.

Alle drei bis vier Monate die Zahnbürste wechseln!

Zusammenfassend schlussfolgern die Untersucher, dass durch regelmäßigen Zahnbürstenwechsel etwa alle drei bis vier Monate eine gute Mundhygiene und Mundgesundheit erzielt beziehungsweise geschaffen oder erhalten werden kann.

Die Ergebnisse gewinnen an Bedeutung vor dem Hintergrund, dass die Deutschen ihre Zahnbürsten viel zu selten austauschen, wie Studien der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) zeigen [2]. Vor allem Familien nehmen einen Zahnbürstentausch im Durchschnitt nur alle fünf bis sechs Monate vor – das ist exakt der Zeitraum, für den die Göttinger Forscher die Zunahme von Zahnfleischentzündungen nachweisen konnten. Gleichzeitig überschätzen gerade Menschen, die sich zu selten eine neue Zahnbürste kaufen, die eigene Wechselhäufigkeit [3].

Weiche, mittlere oder harte Borsten?

Die Göttinger Studie zur Wechselhäufigkeit von Zahnbürsten hat hinsichtlich der Plaqueentfernung keine Überlegenheit eines Zahnbürstentyps mit bestimmter Borstenhärte festgestellt. Andere Untersuchungen haben sich dem Thema der Reinigungseffizienz von Handzahnbürsten mit Borsten verschiedener Härtegrade speziell gewidmet. So wurden in einer an der Universität Witten Herdecke durchgeführten randomisierten klinischen Studie an 120 gesunden Freiwilligen im Alter von 18 bis 62 Jahren die Effektivität manuell baugleicher Zahnbürsten mit unterschiedlicher Borstenhärte (hart, mittel, weich) in Bezug auf Plaqueentfernung und gleichzeitig ihr Einfluss auf die Vorbeugung von Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) und Abrasionen im Bereich des Zahnfleisches (Gingiva) untersucht [4].

Alle Probanden erhielten zu Beginn der Untersuchung eine professionelle Zahnreinigung zur Entfernung von Plaque und Zahnstein. Jeder Studienteilnehmer benutzte die gleiche Zahnpasta und eine neue Handzahnbürste gemäß seiner Gruppenzugehörigkeit (drei Gruppen mit je 40 Teilnehmern). Dabei handelte es sich um baugleiche manuelle Zahnbürsten mit den Borstenhärten hart, mittel oder weich. Die Zahnputzzeit wurde auf zweimal täglich zwei Minuten festgesetzt, wobei die Zähne nach der modifizierten Bass-Technik gereinigt werden sollten. Vier und acht Wochen nach der Eingangsuntersuchung wurden Plaqueentfernung und Gingivaläsionen anhand verschiedener Indices beurteilt. Dabei wurden der Quigley-Hein-Plaque-Index (QHI), der Modifizierte Approximal Plaque Index (MAPI), der Gingiva-Abrasions-Index nach Danser (DI) sowie der Papillenblutungsindex (PBI) berücksichtigt.

Harte Borsten reinigen gut, können aber Zahnfleisch verletzen

Dabei zeigten sich bei Verwendern von Zahnbürsten mit hartem Bürstenkopf nach acht Wochen signifikant niedrigere QHI-Werte und MAPI-Werte als bei denen, die weiche Zahnbürsten benutzt hatten, was auf die bessere Plaqueentfernung zurückzuführen ist. Allerdings wiesen die Benutzer harter Borsten höhere PBI-Werte auf, da die harten Borsten das Epithel der Interdentalpapille abradierten. Zudem waren bei ihnen nach vier und acht Wochen mehr gingivale Läsionen als bei den Benutzern der mittleren und weichen Zahnbürsten zu verzeichnen.

Die Forscher ziehen daraus die Schlussfolgerung, dass Zahnbürsten mit harten Borsten zwar Plaque besser entfernen als Zahnbürsten mit weichen Borsten. Allerdings geht dieser bessere Reinigungseffekt mit einem erhöhten Auftreten von Zahnfleischblutungen einher.

Fazit für die individuelle Zahnbürstenempfehlung

Patienten mit schlechter Mundhygiene aber ohne Putzdefekte sollten daher vorzugsweise harte Zahnbürsten verwenden. Für Personen mit guter Mundhygiene aber vorhandenen Putzdefekten sind hingegen weiche Zahnbürsten zu empfehlen.


Tag der Zahngesundheit

"Gesund beginnt im Mund – mehr Genuss mit 65 plus!"


So lautet das Motto des Tages der Zahngesundheit, der am 25. September stattfindet. Bundesweit wird mit Events auf das Thema Mundhygiene aufmerksam gemacht. Krankenkassen, Landesarbeitsgemeinschaften, Gesundheitsämter und auch viele Zahnärzte und Apotheken organisieren zu dieser Thematik viele Veranstaltungen. Sehr deutlich soll gezeigt werden, dass durch gemeinsame Anstrengungen ein großer Gewinn an mundgesundheitsbezogener Lebensqualität erreicht werden kann. So hat sich die durchschnittliche Mundgesundheit der über 65-Jährigen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Anzahl der Totalprothesenträger ist gesunken, bei den Senioren bleiben immer länger und immer mehr die eigenen Zähne erhalten. Mittelpunkt ist die Prävention von Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen durch Aufklärung und Förderung von Eigenverantwortung.

Um eine größere öffentliche Wahrnehmung zu erreichen, hat der Aktionskreis "Tag der Zahngesundheit" unter www.tagderzahngesundheit.de eine Homepage eingerichtet, auf der Sie viele Informationen und ein Verzeichnis von Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet finden.



Quelle

[1] Ziebolz, D. et al.: Einfluss der Abnutzung von Handzahnbürsten auf die Mundhygienesituation über sechs Monate Beobachtungszeit. Abteilung Präventive Zahnmedizin, Parodontologie und Kariologie, Universitätsmedizin Göttingen. Vorgestellt auf der DGZ-Jahrestagung, Düsseldorf 2011.

[2] GfK ConsumerScan (2010), Haushaltspanel Juli 2009 – 2010.

[3] GfK Omnibus-Befragung, Oktober – November 2010, n = 2400.

[4] Zimmer, S. et al.: Reinigungseffizienz und Weichgewebsdestruktionen bei Benutzung von Zahnbürsten unterschiedlicher Borstenhärte. ZMK (2012) 28(3); 104 – 111.


Apothekerin Gode Meyer-Chlond



DAZ 2012, Nr. 38, S. 55

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